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Die Legenden von Valeria, einst ein strahlendes Reich voller Pracht und Macht, sind nun nicht mehr als flüsternde Erinnerungen im Wind der Vergangenheit. Ein feuriger Zorn aus den Tiefen der Erde hat es verschlungen, ein Inferno, das Leben und Träume gleichermaßen zu Asche verbrannte. Du bist durch ein gnadenloses Land gezogen, warst ein Wanderer ohne Heimat, getrieben von der verzweifelten Suche nach einem neuen Morgen.


Die Schwachen zerbrachen auf diesem Weg, manche folgten dem Ruf der Verzweiflung und wendeten sich vom König ab.

Doch es gibt jene, deren Herzen ein unbezwingbares Feuer tragen – eine Hoffnung, die selbst die finsterste Nacht nicht ersticken kann. Bist du einer von ihnen? Oder haben die Schatten bereits Besitz von deiner Seele ergriffen?
Das Pass Into Oblivion ist ein textbasiertes Rollenspiel in welchem du in die Rolle eines Pferdes schlüpfst. Wir schreiben in einem plotbasierenden System und sind immer bemüht die Charaktere so tief wie möglich in die Geschichte zu integrieren und einen möglichst breiten Anschluss zu bieten. Schau dafür gerne einmal auf unserem Discord-Server vorbei!

Aktuelle Neuigkeiten


Der neue Plot
29.05.2026

Der weitere Verlauf
03.05.2026

Februar-Neuigkeiten
11.02.2025

Das Team


Aktueller Zeitraum



1. Tag des Winters bis zum
30. Tag des Spätwinters


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II. Unter dem Schleier der Pflicht
5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas, Khione Dracas, Aarin Miles, Aaron Miles, Sayyirah, Rhuen, Desmond Aegidius, Atlas, Nova Odyssey
#31
Desmond nahm einen tiefen Atemzug und bereute es just in dem Augenblick als Aarin den Mund öffnete, dass er sich zu mehr als einem kurzen Gruß hatte hinreißen lassen. Aber gut, aus diesem Fehler würde er vermutlich zukünftig lernen - oder auch nicht, man weiß es nicht. “Oh gewiss, Fräulein Aarin.”, säuselte er mit einem auffällig galanten Tonfall, der jedoch nicht die Spur Spott verbarg, die er stets für dieses hochgestochene Getue übrig hatte. “Wobei Eure Ausstrahlung eigentlich schon genügt, alle anderen auf Abstand zu halten. Ich weiß nicht, um was sich Eure Familie sorgen sollte.”, fuhr er fort und neigte den Kopf leicht zur Seite, ohne ihrem Deut in eine der abgelegenen Ecken zu folgen.

Ihre weiteren Worte ließen Desmond einmal mehr genügsam die Luft aus seinen Lungen entlassen. “Ich hoffe Ihr werdet auch demnächst aus ‘der Pein erlöst’ - schließlich zählt ihr schon ein paar Sommer mehr als meine wunderschöne Gemahlin.”, Ceres war ohne Zweifel schön und Desmond bezweifelte, dass sie nicht in den kommenden Monaten einem der anderen Adeligen aufgefallen wäre. “Aber natürlich wollte ich mit meinen Worten nicht darauf hinaus.”, heuchelte der Aegidius und nickte bedächtig mit einem Lächeln auf den Lippen, das wohl allenfalls als unverschämt durchgehen würde.

Aber Desmond hatte natürlich trotzdem irgendwann mal eine Erziehung genossen, weshalb er Aarin nicht weiter auf den Zustand ihrer Ledigkeit hinwies. Er verstand dieses ganze Drama ohnehin nicht, aber das lag vermutlich auch einfach daran, dass er ein Mann war und nicht gezwungen war, so schnell wie möglich eine Frau zu finden. Eine Frau schien in der heutigen Zeit anscheinend immer noch einem gewissen Druck ausgesetzt zu sein. Tuana selbst hatte spät geheiratet. Nun denn… er würde den Damen dieser Zeit diesen Stress nicht nehmen können.

“Ich verzeihe Euch natürlich Euren Fauxpas - wer wäre ich Euch das zu verwehren.”, antwortete der Leibgardist und wandte dann kurz den Blick von der weißen Schönheit ab, um zu sehen, ob seine Frau schon auf dem Weg zur Steppe war. Doch er konnte sie nirgends ausmachen. Vielleicht hatte er sich auch eine Rettung erhofft. “Ich hoffe, Euer Bruder hat heute nicht wieder vor sich zu sehr an den Beeren zu bedienen. Es wäre peinlich, wenn man ein Muster erkennen würde.”, sagte er stattdessen, als er den jungen Miles bei Nyke bemerkte. Ein nettes Mädchen, ein kluger Kopf und hübsch dazu. Und definitiv zu schade für diesen Idioten. Aber gut, Penthesilea hatte schließlich auch keine große Wahl gehabt, als man ihr Neptun aufgezwungen hatte. Desmond seufzte. Bereits jetzt schon angestrengt von den Traditionen, die es aus Valeria auch in dieses Tal geschafft hatten.
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#32
Wie dreist er lächelte, während er das Gift aus seinem Mund spieh wie ein dummer Ochse. Und das hatte den König gerettet? 
Die Geschichte wurde ja aber bekanntlich von den Gewinnern geschrieben. Als ihr Lächeln also starb und sie aus müden Augen den Grauen musterte, musste sie sich dann doch fragen, wie viel wohl an all den Geschichten dran war. Auch der König war doch indessen nicht mehr als ein schweigsamer Schatten, der drohte von einem lauen Wind vertrieben zu werden. Selbst diese Hochzeit war wohl nicht mehr als ein Versuch, wieder Fuß zu fassen. Die Zweifel aber? Sie war sich sicher, dass sie nicht die Einzige war, die sie hegte. 

Bei der Bemerkung zu ihrem Alter und seiner ach so schönen roten Hexe, trieb es ihr dann doch ein Lächeln auf die Lippen. So einfach ließ es sich in seinen Augen bemessen? Da sie den Spott in seinen Worten nicht überhörte, entschied sie sich schlichtweg ebenfalls dazu, die Schleiher hinter sich zu lassen. "Sicher. Das Glück war schon immer mit den Narren", begleiteten die Worte ihren ruhigen Stimmklang. Vielleicht war sie das ganze Thema bislang einfach falsch angegangen. Denn wie Desmond es selbst sagte, war ihre Ausstrahlung nicht wie die der anderen. Sie hielt das Ungeziefer fern - und dem war gut so.
Dass sich die meisten dieser Männer als eben jenes Ungeziefer entlarvten, war nicht ihre Schuld. 

"Wie lebt es sich auf diese Weise? So unabsichtlich grausam." Er hatte keine Ahnung. Keiner von ihnen. Und dennoch benahmen sie sich alle wie die Elefanten im bereits zerbrochenen Porzellan. Immer weiter erpicht darauf, ein Meer aus Scherben zu hinterlassen, wo bereits die Zerstörung gewütet hatte. "Oder ist es doch Intention? Mein armer Bruder zum Beispiel musste diese Provokation über sich ergehen lassen. Vielleicht durchaus ein Muster, diese Provokation." 
Bislang war er ihr gleich gewesen. Ein Narr, ein Tölpel. Dass ausgerechnet er ihr beweisen musste, wie falsch und grausam dieses Volk war. 
Jetzt stellte sie sich aber die Frage, was gewesen wäre, hätte man sie mit einem wie ihm vermählt. Ihr Geist hätte wohl früher oder später revoltiert. Es war also gut, dass werteste Ceres eine so sanfte Seele gefunden hatte. Mehr Intellekt als Widersacher hätte dann wohl selbst Aarin zur Sorge gerührt. 

Desmond Aegidius

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#33
So gruselig war der andere doch gar nicht. Er dachte mit, bewies Köpfchen. Außerdem hatte er nun schon mindestens drei Steilvorlagen vorbeiziehen lassen, mit denen er ihn hätte beleidigen und verletzen können. Entweder hatte Damhnait sie schlicht nicht wahrgenommen oder sich dazu entschieden, sie nicht zu nutzen.
„Du hast es verstanden“, ließ Briony anerkennend verlauten und schlug mit dem Schweif, um diesen in stillem Beistand über die Hinterhand des anderen fahren zu lassen.

Seine Brust hatte sich bereits vor Stolz gebläht, als Damhnait versucht hatte, seinen Gedanken zu folgen, aber jetzt breitete sich ein ehrliches Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er stellte Fragen, und er war sogar an der Antwort interessiert. Schade, dass er keine geben konnte.
Stille breitete sich zwischen ihnen aus, und Briony vermisste den humorvollen Zug, den die Nacht und das damit einhergehende Grillenzirpen dieser Situation verpasst hätten. Aber Damhnait war so ehrlich interessiert gewesen! Es wäre schade, ihn nun mit nichts zurückzulassen. Vielleicht ein Rätsel. Vielleicht sogar mehrere, weil er ihn bis jetzt entzückt hatte.

„Auge um Auge und die Welt wird blind, 
doch wer bin ich, außer ein lächerliches Kind? 
Spricht der Sohn schlecht über den Vater oder die Frau über ihren Mann? 
Bin ich ein Narr, oder komme ich gegen meinen Herrscher an?“

Vielleicht dachte er sogar darüber nach.
„Ganz hübsch.“ Beiläufig zuckte Briony mit den Schultern, als hätte er von Anfang an vorgehabt, auf die Frage zu antworten. Sein König war gut darin, das anzuziehen, was strahlte, und wurde davon beleuchtet. Andernfalls wäre Briony ja auch nicht sein Hofnarr geworden. Der Gedanke entlockte ihm ein leises Kichern. 
„Was meint ihr, Lord Golden? Schön, schlau, mächtig? Nichts davon oder etwas dazwischen?“

Damhnait — Steppe

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#34
Und damit war alles getan. Zufrieden legte Ceres den Kopf zurück, betrachtete ihre Schwester wie ein vollbrachtes Werk und nickte anerkennend, als sie noch einmal Langhaar, Fell und Hufe einer eingehenden Prüfung unterzog. Ihre Großmutter schätzte Gefühlsausbrüche nicht besonders. Im Allgemeinen schätzte sie Gefühle generell nicht und da diese den Großteil der Zeit sorgfältig ausgefeilten Plänen in die Quere kamen, konnte Ceres sich diesem Glaubenssatz nur anschließen — in der Regel zumindest. Heute jedoch, und Gott möge ihr verzeihen, dass sie so dachte, war sie für die wenigen Minuten der Zweisamkeit mit ihrer Schwester dankbar. Ein ehrliches Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, und sie trat wieder näher. Jedoch nicht zu nah. Sie wollte die Arbeit, die Stunden um Stunden die in Vestas Äußeres investiert worden waren, nicht zunichte machen, indem sie sie umarmte.

„Du siehst wundervoll aus, Schwester.“

Sie war immer schön, aber heute würde niemand an ihr vorbeiblicken können. Der Neid, der sich bei solchen Gedanken sonst immer regte, blieb heute aus. Sie wartete auf ihn, wappnete sich, doch selbst als sie in das unverkennbar perfekte Gesicht ihrer Schwester blickte, war da nichts außer ehrlicher Freude. Diese Erkenntnis ließ sie nur noch mehr strahlen. Es weckte den Wunsch in ihr, ihr etwas mit auf den Weg zu geben, einen Rat, einen Gedanken, an den sie sich klammern konnte und der ihr diesen Tag erleichtern würde. Ceres warf einen Blick nach links und rechts und scheuchte die letzte Magd mit einem vielsagenden Blick fort. Dann fing sie an, mit gesenkter Stimme zu sprechen.

„Du musst dich vor der Nacht nicht sorgen.“ Wie viel Angst sie selbst davor gehabt hatte! Rückblickend betrachtet, konnte sie nur darüber lachen. Wie herrlich einfach es gewesen war, ganz im Gegensatz zu der Qual, die sie erwartet hatte.
„Es ist schön, sehr schön. Ihr beide werdet euch danach viel näher sein und einander mit anderen Augen sehen.“
Vor ihrer Ehe war dieser Akt als Pflicht dargelegt worden und als etwas, das es auszuhalten galt. Es könnte nicht ferner von der Wahrheit sein.
„Glaub mir, es wird dich erfreuen, dass diese Tätigkeit von nun an zu deinem Leben dazugehört.“

Vesta

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#35
Wenn Aaron sich an den gut gepflegten, mit saftigem Gras überwachsenen Plätzen der Adelsfamilien vorbeischob und in Richtung Pöbel trat, um eine der Huren zu treffen, die er mit nur wenig Zuneigung im Herzen aufsuchte, dann grub sich früher oder später immer einer der Steine in seinen Huf. Wenn er Glück hatte, war er das Ding nach ein paar Stunden los. Hatte er jedoch Pech, dauerte es Tage. Zu Beginn tat es nicht sehr weh, doch es störte, und dann arbeitete es sich tiefer, immer tiefer vor, bis das spitze, fiese Ding einen Nerv traf. Aaron kannte die Tritte und Bisse seines Vaters. Trotzdem dachte er immer an diesen kleinen, unscheinbaren Stein, wenn er an echte Schmerzen dachte. Dabei zuzusehen, wie sich Tränen in Nykes Augen sammelten, und zu hören, wie ihre Stimme brach, tat mehr weh.

Er blinzelte, als seine Freundin ihn umarmte, und horchte in sich hinein. Seine Brust zog sich zusammen. Es war wie ein Krampf, nur in ihm drin. Zwar war der Schmerz nicht so schlimm, dass er ihn in die Knie gezwungen hätte, aber aus irgendeinem Grund trieb er ihm die Tränen in die Augen. Als Nyke zurücktrat, machte Aaron einen Schritt vor, um die wohltuende Wärme nicht zu verlieren. Aber ihre Bitte ließ ihn stocken; ihr Anblick den Krampf nur noch mächtiger werden. Lag er im Sterben? Hatte er einen Herzinfarkt? War es das?
„Ich glaube, ich bin krank.“ Verwundert neigte er den Kopf und betrachtete eingehend seinen Brustkorb, der sich ruhig hob und senkte. Alles unauffällig. Und trotzdem.
„Ich habe Schmerzen.“ Er schnickte mit dem Kopfund streifte mit seinen Nüstern seine Brust. „Genau da!“

Glücklicherweise schienen sie langsam wieder zu verschwinden. Aber er würde wachsam bleiben. Selbst eine königliche Hochzeit war nicht wichtiger als sein Ableben. Und dann erinnerte er sich: „Ah, richtig, richtig, ich denke, Beeren möchtest du noch nicht essen? Und ich würde dich zum Tanz auffordern, aber wir wissen beide, dass der erste Tanz dem Hochzeitspaar gilt und aus irgendeinem Grund wird daher die Planschkuh Acillius diesen einleiten.“ Nur Gott wusste, warum dieses Glück nicht seiner Schwester zuteil geworden war.

„Wir könnten reden, ein bisschen um die anderen herumlaufen und sie beobachten. Oh, ich weiß! Wir suchen uns jemanden aus und überlegen, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Ich fange an.“
Aaron stellte sich parallel zu seiner Freundin auf und begann mit erhobenen Nüstern und Schweif über den Platz zu schreiten.
„Karthago hat die ganze Nacht geweint, weil er eigentlich in Vesta verliebt ist.“
Stimmte nicht, war in dieser Hinsicht aber egal.

Nyke

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#36
So recht wusste Nova nicht, was sie von diesen öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Die Valerianer jedoch schienen ihre Zeit äußerst gerne mit solchen Festivitäten zu füllen, denn die Aufregung angesichts der heutigen Hochzeit war durch sämtliche Schichten hindurch nahezu greifbar gewesen. Ganz gleich ob Adel oder Pöbel - sie alle hatten darauf hingefiebert und nun, da der Zeitpunkt endlich gekommen war, herrschte eine Geschäftigkeit die Nova an das Innere eines Ameisenhügels erinnerte. Und wozu das Ganze?
Dass das Konzept der Ehe sich ihr nicht erschloss, war nicht dem Umstand geschuldet, dass ihr sämtliche romantische Empfindungen fremd waren. Es war die Vorstellung, sich ein Versprechen zu geben, welches Mann und Frau aneinander fesselte, bis letztlich nur der Tod gütig genug war, sie voneinander zu erlösen. Diese Endgültigkeit. Allein der Gedanke daran wäre wahrscheinlich in der Lage dazu gewesen, ihr die Kehle zuzuschnüren, doch Nova ließ ihn nicht aufkommen. Ihre Aufmerksamkeit lag auf der hellen Stute, die mit geschmeidigen Schritten neben ihr lief. Auch wenn sie Néniel mit Abstand am längsten kannte, so wäre es zu viel des Guten gewesen zu behaupten, dass sie sie wirklich gut kannte. Dennoch war da Etwas an der Sternentochter, das anders war. Nichts Greifbares. Vielleicht hatte Nova es sich auch nur eingebildet. Sie war zwar recht empathisch, wenn sie es denn sein wollte, doch hatte sie es sich abgewöhnt, zu viel auf flüchtige Eindrücke zu geben. 
"Hast du schon einmal etwas Ähnlichem beigewohnt?" fragte sie im Hinblick auf die Hochzeit und musterte für einen Augenblick das seitliche Profil der Älteren. Sie wusste, dass Néniel in ihrem Leben weit gereist war und viele verschiedene Kulturen hatte kennen lernen dürfen. Im Gegensatz zu ihr, deren schwarze Schwingen sie nie weiter getragen hatten als von dem einen Chaos in das nächste.

Néniel - Steppe

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#37
Den Blick noch einmal über die bereits vorzufindende Gesellschaft schweifend, überlegte Sayyirah, was wohl so interessant daran war, solch oberflächlichen Gespräche zu führen. Denn auch wenn sie es nicht so sehr vermied, wie es Atlas tat, konnte sie dem dennoch nicht genug abgewinnen, um sich daran beteiligen zu wollen. Zumindest nicht, wenn sie dabei ein direktes Gespräch mit eben jenen führen musste.
Zu unterhaltsam war jedoch ihr Gespräch mit Ezrael beim letzten großen Zusammentun gewesen, bei dem sie von ihm die interessantesten Geschichten erfahren hatte, gemeinsam mit dem gewissen Klatsch, ohne diesen zu ernst nehmen zu müssen. Sie wusste auch, dass, wenn sie dem Adel so nahe stünde, ihre Verbundenheit zu Atlas nie entstanden wäre. Doch ihre Lebenserfahrungen hatte sie auf ihre ganz eigene Art zusammenfinden lassen und sie würde um nichts in der Welt etwas daran ändern wollen.

Umso wichtiger war es ihr heute, gemeinsam mit Atlas diesen Tag zu verbringen, weil sie an seiner Seite stehen wollte. Egal wie es für Außenstehende wirken mochte. Denn ja, beruflich hatte sie immer wieder Kontakt zu Mitgliedern des Adels, wenn sie den Rat oder die Hilfe eines Heilers benötigten. Doch privat vermied sie es, dem Klatsch eben jener zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wo sie doch wusste, dass Atlas als Bastard des Königs immer wieder in deren Geschichten auftauchte. Wobei die Rappstute es in gewisser Weise nachvollziehen konnte, war er doch wirklich eine Augenweide. Du bist in dieser Hinsicht nicht sehr parteiisch, Sayy-Sayy. Kopfschüttelnd versuchte sie, aus ihren Gedanken wieder aufzutauchen, nun wo sie bei Atlas angekommen war.

Lächelnd bemerkte sie, wie sich seine verspannte Muskulatur zu lockern schien, als er sie als ein bekanntes Gesicht entdeckte. Die angenehme Wärme, die sich in ihrem Körper ausbreitete, nach der Berührung ihrer Nüstern, hieß die Rappstute herzlich willkommen. Wo sie doch den Sommer viel lieber hatte als den bevorstehenden Winter. "Danke, ich fühl mich damit auch sehr hübsch. Dann komm ich mir nicht ganz so underdressed vor", schmunzelte sie. Jedes seiner Komplimente bekam einen besonderen Platz in ihrem Herzen, wohl wissend, dass es nichts Alltägliches bei ihm war. Für sie gab es fast nichts Schöneres zu wissen, als dass ihr Soldat über seinen Schatten sprang und nach schönen Worten für sie suchte.
Ein weiteres Mal flatterte es in ihrer Brust, seinem rauen Lachen lauschend, ehe sie mit einstimmte. "Das kann ich mir nur zu gut vorstellen. Ich frage mich, wie man das den lieben langen Tag aushalten kann. Ezrael und ich hatten letztens auch sehr viel mehr Spaß, dem ganzen von außen zuzusehen oder zu tanzen...", für einen Moment versank sie in dem Tagtraum, mit Atlas tanzen zu dürfen. Sie verwarf diesen Gedanken sogleich wieder. Niemals würde sie ihn dazu überreden, ihr vor aller Augen des Adels den Hof zu machen.
Dennoch folgte ihr Blick für einen Moment zu dem grauen Soldaten, der in ein Gespräch mit einer äußerst hübschen Stute verwickelt war. "Nur gut, dass wir diesem Schauspiel nicht folgen müssen, sondern ganz für uns sein können", lächelte sie sanft zu ihrem Soldaten empor, ehe sie seine Ganaschen mit ihren Lippen berührte.

Atlas — Steppe

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