5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas, Khione Dracas, Aarin Miles, Aaron Miles, Sayyirah, Rhuen, Desmond Aegidius, Atlas, Nova Odyssey, Ezrael Achilléas, Detheroc Erice Dracas, Néniel, Saito Altair, Penthesilea Acillius, Selene Miles, , Spartacus Licinius
Während Gaia den Weg zur Steppe antrat, kam der Leibheiler des Königs an ihr vorbei. Und damit auch der zukünftige Leibheiler ihrer Enkeltochter. Was sie davon hielt, konnte die erfahrene Fuchsstute ziemlich genau sagen. Sie verabscheute ihn. Nicht nur, dass er offenbar selbst kaum einen Gedanken daran verschwendete, den Namen Achilléas fortzuführen - nein, er war auch für den Tod der Prinzessin verantwortlich. Denn in ihren Augen hatte Ezrael auf ganzer Linie versagt. Der Tod der Prinzessin war sein Verfehlen und vielleicht sollte die Fuchsstute ihm das noch einmal klar machen, nachdem er sie nun so fröhlich daran erinnerte, dass ihr Blumen gut stehen würden.
Doch anders als die jungen Adelsfräulein, war sie nicht daran interessiert, für einen Mann zu glänzen. Sie hatte ihr Leben gelebt, hatte einen Sohn bekommen und genügend Enkelkinder, damit der Name Acillius weiter von Bedeutung sein würde. Ihre Enkeltöchter heirateten in die älteste Familie Valerias ein - was also sollte sie besser schmücken als dieser Sieg?
Als sie die Veranstaltung erreichte, ließ Gaia ihren Blick über die Menge schweifen. Sie sah den Gatten Ceres’ in Gesellschaft von Aarin Miles, schenkte ihnen jedoch keine Beachtung. Desmond würde wohl kaum in der Öffentlichkeit seiner Gemahlin fremd gehen, auch wenn Aarin von Statur und Eleganz ihre Enkeltochter leider Gottes um Längen schlug. Naja. Gaia wandte den Blick ab und ging weiter.
Eine leise Empörung durchzog ihren Körper, als sie sah, wie Saito Altair vor Penthesilea stand und offenbar dachte, ihr Gesellschaft zu leisten. Ihre Augen wurden schmal. Wo war ihr nichtsnutziger Enkelsohn? Doch bevor sie sich weiter darüber echauffieren konnte, trat wieder der Leibheiler in das Blickfeld der erfahrenen Stute und das Lächeln, das sich auf ihren Lippen abzeichnete, war schmal. “Guten Tag, Ezrael.”, ihre Stimme war ein kühler Kontrast zu seiner piepsigen Begrüßung. “Meiner Gesundheit geht es bestens, und Eurer?”, fragte sie höflich, auch wenn diese Information sie nicht im geringsten interessierte. “Ich freue mich für das Paar. Unser König hat so viele Verluste zu verzeichnen, seine Eltern, seine erste Gemahlin..”, sie hielt einen Moment inne. “Und auch seine jüngste Schwester. Da schadet wohl etwas Hoffnung nicht.”, ihr Ton klang mitfühlend. “Aber es ehrt natürlich unser Haus, dass der König jene Hoffnung in Vesta gesucht und gefunden hat.”, fuhr sie fort und sah Ezrael mit einem sanften Lächeln an.
Ezrael - Steppe
Er hatte sich heute zu benehmen. Generell galt dies nicht nur für den heutigen Tag. Und er sollte von vergorenen Beeren die Nüstern lassen. Nicht das es wieder so endete, wie letztes Mal. Zu Spartacus Missmaffeln und zu seiner wohl größten Schande hatte man das Spektakel an der vorletzten Verlobungsfeier nicht vergessen. Nicht vergessen können, wenn zwei adelige Trottel sich so sehr blamierten, dass sie Schande über ihre Familie brachten und eine Peinlichkeit für sich selbst darstellten. Innerlich spuckte der Prinz immer noch Gift auf diesen zu groß geratenen Miles-Sprössling, der meinte er würde über allen stehen und ein jeder würde sich für ihn freiwillig zum Narren machen. Pah, sie hatten ja keine Ahnung, wie erbärmlich er wirklich war und sich nur alles meinte erlauben zu können, weil er eine ganze Schaar Miles-Mistfliegen hinter sich herzog. Verärgert schlug der Dunkelfuchs mit dem Schweif, setzte aber dann ein Lächeln auf, als ein graziles Köpfchen irgend einer Adelsdame sich ihm aufdringlich ins Blickfeld schob. Sie waren eine eintönige Masse. Einer hässlicher als die andere und sie stanken so sehr, als hätten sie sich in zehn verschiedenen Blumenhaufen gewälzt. Der Licinius rümpfte die Nüstern und manövrierte sich mit einem entschuldigenden Blick aus ihren Fängen. Er würde später tanzen und dann einer von ihnen gegen das Schienbein treten. Schließlich waren sie alle ersetzbar bis auf- sein Blick surrte umher, blieb auf dunklem Langhaar hängen und ehe sich seine Iriden in den blauen Seelenspiegeln verlieren konnte, wandte Spartacus schnell den Kopf ab und schnaubte. Es war Neros Hochzeit. Sein Tag und der von Vesta, diesen mehr oder minder interessanten Blütenrausch an seiner Seite.
Innerlich schüttelte er sich und war froh, dass er die Masse an Leibern mit ein paar Schritten hinter sich gelassen hatte. Doch was seine Iriden dann erspähten, ließ seiner Kehle nur ein stimmloses "hm" entkommen, ähnlich einem Grunzen. Stimmt ja, das Rotauge und der Goldjunge waren zurück. Etwas, dass Spartacus erfahren hatte, aber noch nicht für relevant befunden hatte, sich dieser Angelegenheit zu zuwenden. Sein Weg führte ihn mit etwas Abstand Rhuen und Spartacus beobachtete die Ansammlung aus Volk und Adel, ehe er Luft holte und sie in einem Atemzug wieder ausstieß. "Rhuen." Entkam ihm tonlos und er sah den anderen nicht einmal an.
bei Rhuen; etwas abseits
Tja, und wie sie nun hier standen und das taten, was Adelsdamen am besten konnten: Tratschen. Wobei er würde die Monarchin nie als redseeliges Großmütterchen bezeichnen wollen. Dafür waren ihre Augen eine Spur zu tot und ihre Stimme etwas zu krächzig. Nicht so angenehm wie es die anderer Adelsdamen vermochte, oder gewisser Herren, in deren Stimmklang sich der Leibheiler nur zu gerne sonnte. Aber naja, mit Gaia zogen kleine Gewitterwölkchen auf, die sich nun wohl imaginär um seinen Kopf herum bilden mussten. Sie konnte einem nicht nur Angst einjagen, sie konnte ganz bestimmt einem noch gefährlich werden, so sehr wie sie ihre Familie im Zaum hielt konnte Gaia das wohl mühelos auch auf andere ausweiten. Ezrael rutschte für einen Sekundenbruchteil sein Lächeln aus dem Gesicht, als er das schmallippige Gaias erkannte. Zugegeben, er ließ sich leicht um den Finger wickeln, aber ganz sicher nicht von ihr, dazu war er einfach zehnmal anmutiger, hah!
Doch Gaia trug die Gepflogenheiten des Adels im Blut, war nie so freiheraus wie er selbst, würde es wohl niemals wagen offen und herzlich zu lachen. Konnte sie das überhaupt? Naja, wenn es in gewissen Stunden mit einem Sabino enden würde, dann ja vielleicht- Innerlich schüttelte Ezrael den Kopf. Nein, nein, ganz falscher Zeitpunkt!
Der Leibheiler räusperte sich. Natürlich antwortete sie mit einer Floskel, was auch sonst. "Mir geht es blendend, danke der Nachfrage." Ging es ihm nicht, zumindest nicht mental, aber naja. Gaia wäre die Letzte, der er es auf die Nase binden würde. Lieber würde er sich die Zunge abbeißen. "Ein wenig Hoffnung schadet uns allen nicht. Ganz besonders ihm nicht, da stimme ich Euch zu." Er schluckte den Kloß in seinem Hals erfolgreich hinunter, dieser sich bei der Erwähnung der Prinzessin in diesem angebahnt hatte. "Euer...", Lächeln ist gruselig "Tatendrang hat sich ausgezahlt. Ich nehme an, ihr habt eure Neffen und Nichten auf diesen Tag vorbereitet?" Oh, was wäre das denn für eine Schande, wenn Vesta plötzlich niesen müsste und einer ihrer kostbaren Blumen würde verrutschen, ein innerliches Augenrollen folgte. "Nun, gestattet mir die Frage, euer verstorbener Gemahl..." Ezraels Ohren drehten sich in ihre Richtung, "hätte wahrlich die Verbindungen ebenso gesegnet, nicht wahr?" Nun, er mochte noch ein junges Balg gewesen sein, aber vielleicht schwang ein klein wenig Interesse mit.
Und jetzt, jetzt war wahrscheinlich irgendetwas in seinem Hirn durchgebrannt, aber er konnte die Worte nicht mehr aufhalten, "Gedenkt ihr, Euch erneut zu vermählen? Ich meine, niemand ist gern allein." Haha, davon musste er gerade reden. "I-ich bin natürlich ein vielbeschäftigter Mann, müsst Ihr wissen, aber Ihr... Ihr tja ähhh kommt bestimmt ganz gut unter den..." älteren, "Herrschaften Eures Standes an."
Gaia
Vor 4 Stunden
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Vor 4 Stunden von Viki.)
Interessant. Es hätte ihn auch gewundert, wenn er sich auch nur ansatzweise gewandelt hätte. Spartacus war noch immer der störrische, arrogante Esel von früher. Ungehobelt und um keine Unverschämtheit verlegen. Rhuen kam um ein schiefes Lächeln nicht umhin, als der dunkle Fuchs sich näherte und sich immerhin überwinden konnte, seinen Namen auszusprechen. Welch Privileg. Aber irgendwie empfand er die Anwesenheit des Licinisnachkommen gewissermaßen doch fast als angenehm - auch wenn er das natürlich niemals offen aussprechen würde. Die letzten Monate waren geprägt von Leid und Verlust. Umso zufriedenstimmender war die Tatsache, dass es zumindest Spartacus gut ergangen war über die lange Zeit. Auch wenn sie sich sicherlich wieder bei der nächsten Unstimmigkeit gegenseitig die Rüben einschlagen würden. Aber das war schon okay. Es gehörte traditionell zum guten Ton der beiden, auch wenn heute sicherlich nicht der richtige Tag für den nächsten unbedeutsamen Kleinkrieg war. Anchor würde ihnen so dermaßen den Arsch aufreißen, dass sie vermutlich die nächsten drei Tage nichts zu essen bekamen und kurz davor stehen würden ins Licht zu gehen.
Und wenn er ehrlich sein sollte... Rhuen war sogar gewissermaßen dankbar, dass Spartacus gerade da war. Weil er für einen kurzen Augenblick nach Wochen nicht über dieses eine Thema grübelte. Sein Bruder, der inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst war. Für einen Außenstehenden mochte seine Sichtweise ein wenig melodramatisch klingen - umso besser, dass er mit noch niemandem darüber gesprochen hatte... Aber für ihn war Stück für Stück über die Zeit seine kleine eigene Welt zerbrochen. Meine Sonne und mein Mond hatten sie sie genannt, als Danae wie auch Kyra mit Obsidian und ihm gesprochen hatten, als sie noch kleine, hilflose Kinder waren. Tja. Und jetzt? Richtig. Sein Spiegelbild war zerbrochen. Er könnte ihn kaum noch ansehen, ohne Groll, Frust und Wut zu verspüren, während da auf der Gegenseite nicht viel mehr war als Nichts.
Er verbannte seine Gedanken augenblicklich, versuchte es zumindest, mehr oder doch weniger erfolgreich. Es war unterschwellig immer da. Seine Blicke wanderten recht unbegeistert über die Menge, wenngleich das Spektakel ihrer Gesellschaft Leben und einigen unter ihnen sogar Freude einzuhauchen schien. Die Männer standen auf ihre Weise herausgeputzt in ihren Reihen, und die Frauen gaben ein beinahe märchenhaftes Bild ab, wie sie da tanzten mit ihrer blütenreichen eingeflochtenen Haarpracht. Rhuen hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, dort wo er herkam.
Für einen Augenblick nur hing seine Aufmerksamkeit auf dem zarten, braunen Körper seiner Freundin aus Kindheitstagen. Dass Lea nicht mit Spartacus verheiratet wurde, wunderte ihn zugegebenermaßen sehr. Streng und sachlich genommen war er doch mitunter die erste Wahl, wenn es um diesen Blödsinn ging, irgendwelche Familien aneinanderzuschweißen, schließlich floss gleichermaßen Valerius- wie auch Liciniusblut durch seine Adern. Dass sie sich mochten, war schon so lange Zeit offenkundig gewesen - und jetzt wurde sie urplötzlich mit diesem sonderbaren Acilliustorfkopf verheiratet. Vielleicht hatte ja auch irgendein Trottel kurzerhand beschlossen, dass sie nicht gut genug und seines Erbes nicht würdig war. Sie tat Rhuen leid. Sogar Spartacus tat Rhuen leid. Auch wenn er es sich schenkte, das je auszusprechen.
"Und? Beschissen oder richtig beschissen?"
Er wandte den Blick von den Feierlichkeiten ab, besah sich für einen kurzen Moment sorgsam prüfend ihrer Umgebung, bis schließlich flüssiges Gold auf purpurnes Blutrot traf.
Spartacus | am Rande des Geschehens
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