5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas, Khione Dracas, Aarin Miles, Aaron Miles, Sayyirah, Rhuen, Desmond Aegidius, Atlas, Nova Odyssey, Ezrael Achilléas, Detheroc Erice Dracas, Néniel, Saito Altair, Penthesilea Acillius, Selene Miles, , Spartacus Licinius, Amata Aegidius, Eris Astoria, Lucian Astoria, Hestia Dracas, Morgana, Tetia Victus, Rhea Victus, Remus Victus
Penthesilea sah Saito einen Moment überrascht an, als er nach den Soldatinnen fragte. Zu denen hatte Penthesilea nur wenig Kontakt, außer sie mussten mit Kräutern oder Ähnlichem versorgt werden. Und dann sickerte eine Erkenntnis bei ihr durch. Saito hatte nicht verstanden, was sie mit der Damenwahl gemeint hatte. Sie blieb abrupt stehen, sah ihm kurz nach, ehe sie zügigen Schrittes wieder aufschloss. “Saito..”, sagte sie nun leiser, wurde aber von seinen Worten über das Heer unterbrochen. Sie ließ ihn sprechen, amüsierte sich insgeheim ein wenig, weil sie nie gedacht hätte, dass sie einen erfahrenen Leibgardisten… süß finden konnte. Konnte sie. Weil er noch naiver war als sie selbst.
“Verzeiht.”, sie räusperte sich und überging das leise Lachen der Damen, an denen sie vorbei gingen mit einem Lächeln. “Aber ich meinte gewiss nicht die Auswahl an Soldatinnen.”, gestand sie und spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. “Und jetzt muss ich feststellen, dass mein Vorschlag dreist gewesen war.”, fuhr sie fort und sah kurz zu Boden, ehe sie wieder zu Saito aufsah. “Ich dachte…”, begann sie und nickte Desmond kurz zu, formte mit den Lippen ein tonloses ‘Danke’ nachdem er ihr einen Schritt Platz gemacht hatte, ehe er wieder zu Aarin sah. “Ich dachte Ihr interessiert Euch vielleicht für eine der Damen?”, gestand sie und betrachtete Saitos Profil. Abwartend. Ob nun eine Rüge kommen würde.
Seine Frage nach ihrem Wohlbefinden ließ Penthesilea kurz schlucken. Eigentlich ging es ihr nicht so gut, aber sie kaschierte ihre Zweifel zwecks ihrer Verbindung zu Neptun mit einem freundlichen Lächeln. Etwas, was sie bereits von Gaia hatte lernen dürfen. Fassung bewahren. “Mir geht es gut.”, log sie daher und rechnete nicht wirklich damit, dass Saito die Zwischentöne hörte, wo er doch ihr erstes Angebot völlig falsch aufgefasst hatte. “Mich kann zumindest…”, ihre Augen streiften kurz Spartacus, der mit Rhuen am Rand der Veranstaltung stand. Noch immer hatten sie kein Wort miteinander gewechselt. “Nichts überraschen.”, dennoch fand sie die Formulierung des Leibgardisten sonderbar. Sie sah wieder zu ihm. “Ihr würdet also gerne wollen, dass man Euch die Wahl Eurer Gattin abnehmt?”, fragte sie interessiert. Vielleicht erklärte das die ledigen Männer in diesem Land, die viel zu spät begannen, sich für die Ehe zu interessieren. Zumindest wenn man Gaia fragte.
Saito Altair - Steppe
Ah. Ein Missverständnis also. Es brachte ihn nicht sonderlich aus der Fassung. Mehr als die Verkürzung eines Trittes entlockte es ihm nicht. Es war gewiss nicht das erste Mal, dass Saito jemandes Worte falsch verstand oder gar ganz an ihnen vorbei redete. Bei Penthesilea schien er sich gar wohl genug zu fühlen, ihr viele seiner Gedanken zu offenbaren. Und auch, wenn sie mit dem Missgeschick nun aufräumte, glaubte er nicht, dass seine Inneres bei ihr Fehl am Platz sei. Sie verstand sich darauf, ihrem Gegenüber das Gefühl von Aufrichtigkeit zu vermitteln. Er hatte nichts zu verbergen, doch wäre dem so, glaubte er, sie sei eine geeignete Hüterin.
"Hmm", bestätigte er ihre Frage nach seinem Interesse. Keine Angelegenheit der Heersache, sondern eine des Herzens. Er wurde oft auf indirekte, ihm unverständliche Art danach gefragt. Zu oft entging ihm der Kern dessen und noch öfter glaubte er nicht, dass diese Angelegenheit und die Beantwortung dessen irgendeinem Zweck beitrug. Er hatte bislang nie vorgehabt, der Ehe nachzugehen. Bis vor dem Krieg noch war sein gesamtes Leben nur einer Aufgabe gewidmet und schrieb gar das Gegenteil vor. Von Geburt an hatte man ihm erklärt, dass er niemals heiraten würde und dass sein Herz nicht mehr als ein Indikator dafür war, dass er lebte. Erst seit Silas und dem Verlassen der zerbrochenen Heimat hatten sie es ihm nun zur Pflicht gemacht, eine Frau zu finden und den Namen Altair weiterzutragen.
Es hatte für ihn bislang nur eine gegeben und er glaubte nicht daran, ihr jemals gerecht zu werden. Daher war es ihm gleich, wer sonst an seiner Seite stand. Er war ein guter, pflichtbewusster Leibgardist und Sohn und würde auch der Ehepflicht treu sein.
"Ich würde es nicht wagen, ihr nach dem Tod ihres Verlobten Schmerzen mit dem Gedanken an eine andere Ehe zu bereiten. Diesen Frust möchte ich Eris ersparen." Erst nachdem er die Worte beendet hatte, wagte er es, seinen Blick in Richtung der Astoria-Tochter zu richten und als er die Blumen in ihrem geflochtenen Haar sah, stahl sich ein mildes Lächeln auf seine Lippen.
Mit Penthesileas nächsten Worten schenkte er dann wieder ihr seine vollste Aufmerksamkeit. So wirr er manchmal war, verstand er sich so gut er konnte auf Manieren. Außerdem machte die Braune es ihm sonderbar leicht, seine Gedanken mitzuteilen.
"Ich verstehe nicht viel von all dem. Vielleicht ist es falsch, sich mit vorgegebenen Laufbahnen wohlzufühlen. Mein ganzes Leben war vorbestimmt und ich habe darin Ruhe gefunden. Ich dachte, dass ich nur einer Bestimmung folgen muss. Mich jetzt auf einem Kampffeld wiederzufinden, von dem ich nichts verstehe, ist beängstigend. Was, wenn ich sie doch verletze? Ich könnte nich-" Er brach ab und schüttelte die Gedanken weg.
"Ist das närrisch? Seht ihr dies anders?" Zum ersten Mal seit langem konnte er behaupten, dass ihn die Antwort darauf wirklich interessierte.
Penthesilea
"Du hast wohl Recht. Sowohl, was Ezrael angeht, als auch ... Meinen Vetter.", entgegnete Amata, ehe sie den Blick kurz gen Himmel wandte. Und noch während Lucian sprach, schoss es ihr durch den Kopf und sie hatte das Gefühl, dass ihr Herz jeden Moment aus ihrer Brust sprang.
"Oh mein Gott...", entwich es ihr. Gegorene Beeren. "Nein, nein - Euer Gesicht ist wunderschön, Lucian. Ich habe etwas Wichtiges vergessen! Wenn Ihr mich entschuldigen würdet... Ich bin bald wieder zurück!"
Mit einer schnellen Umarmung verabschiedete sie sich von den beiden Astoria und nahm ihre Beine in die Hand. Ezrael würde sie umbringen!
Eris & Lucian | galoppiert hinfort
Vielleicht würden sie manche lächerlich nennen, da sie so aufgeregt war, aber wann wohnte man schon einer königlichen Hochzeit bei? In den meisten Fällen erlebte man das zweimal im Leben, vielleicht auch dreimal. Maximal. Im besten Fall. Vielleicht auch im schlimmsten — sie war sich nicht so ganz sicher.
Heute erlebte sie jedenfalls ihre erste königliche Hochzeit, und der Trubel, die Fanfare, das PROGRAMM, alles verblasste gegenüber den üblichen, schnarchigen Ehegelübden, die sie schon hatte mitansehen müssen. Irgendwann würde sie mal genauso heiraten wie Vesta Acillius! Was bedeutete, dass ein Prinz ihr den Hof machen musste. Aber das war kein Problem. Sie war ja noch Blutjung. Ihre älteren Schwestern waren schon viel länger Teil der gehobenen Gesellschaft, und sie hatten noch immer keinen Mann abgekriegt, aber das lag auch daran, dass sie sich absolut keine Mühe gaben. Tetia würde das ganz anders machen. Und aus genau diesem Grund hatte sie sich so richtig rausgeputzt.
In ihrem Haar existierten nicht nur ein paar traurige Stängel mit daran baumelnden Knospen, sondern eine ganze Blumenpracht, so schwer, dass sie ihren Mähnenkam zur Seite riss, und ihr Schweif — schon immer ein bisschen spärlich — war unter all den Blüten kaum zu erkennen. Tatsächlich war es ein wenig schwer, das ganze Zeug auf ihrem Kopf zu balancieren, aber das war das Endresultat wert. Sie sah perfekt aus.
„Wo ist denn die Braahauut?“, quengelte sie.
Tetia reckte und streckte sich, doch über die hochgewachsenen Kruppen ihrer Familienmitglieder hinweg konnte sie nichts erkennen. Nicht einmal die älteren, aufgeblasenen Adelsmädchen, die immer superpeinlich um ihre Onkel und Vetter herumtanzten. Ha! Als ob nicht klar wäre, was sie wollten.
Ihre Familie war zugegebenermaßen seit Tagen in heller Aufruhr. Der Großteil der Männer hatte ein Auge auf die Veranstaltung: Onkel Nummer eins einen Blick auf die Leibwache, Onkel Nummer zwei einen Blick auf das alles umfassende Heer. Vielleicht waren sie auch Vetter oder so. Sie verstand manchmal nicht so recht, wer nun Vetter, Cousin und wer Onkel war, aber war ja auch egal.
Was sie jedoch wusste, war, dass eine ihrer Tanten beim Klerus stand, bereit, den heiligen Bund vor Gottes Augen abzusegnen. Tetia wollte ihr zulächeln, aber da stand schon wieder ihre blöde Schwester im Weg.
„Man, Rhea, jetzt geh doch mal zur Seite! Ich sehe nichts wegen deinem... deinem fetten Ar—!“
„TETIA!“, wies sie eines ihrer tausend Familienmitglieder zurecht. Tetia hörte schon nicht mehr zu, denn sie meinte zwischen all den Leibern ein helles Fellkleid zu erkennen, das ihren Herzschlag augenblicklich in die Höhe schnellen ließ.
Rhea (& Lucian) — Steppe
Zugegeben, sie hatte sich ein klein wenig auf den heutigen Abend gefreut. Auch wenn Rhea versucht hatte, sich selbst zu maßregeln, so war es ihr doch nicht gelungen, das nervöse Klopfen ihres Herzens ganz zu unterdrücken. Und die Bilder der geschmückten Herrschaften hatten sich ebenfalls ohne ihr Zutun immer wieder vor ihrem inneren Auge aufgetan. Dabei verstand sie selbst nicht genau, warum dem so war. Sie hatte sich nicht für eine Persönlichkeit gehalten, die sich von solchen schnöden Dingen beeindrucken ließ. Dafür war sie zu rational. Aber aus irgendeinem Grund hielt sich diese Rationalität heute bedeckter als sonst; sie hatte sich sogar Blüten in die Mähne flechten lassen. Kleine blaue Kornblumen, die in ihrer schwarzen Mähne hübsche Akzente setzten, ohne Ihre Trägerin jedoch zu sehr aus der Menge hervorstechen zu lassen. So überschwänglich war ihre Freude dann doch nicht gewesen und zudem legte Rhea keinen gesteigerten Wert darauf, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Anders als Tetia, die in diesem Moment an ihr vorbei marschierte. Wobei Schwanken die Art ihrer Fortbewegung deutlich besser beschrieb, denn die junge Stute hatte ihr Gewicht gut und gerne verdoppelt dank der Blütenpracht in ihrem Langhaar.
Rhea musterte ihre jüngere Schwester, kurz darüber nachdenkend, ob sie sie darauf hinweisen sollte, dass sie wohl kaum den ganzen restlichen Tag mit diesem opulenten Schmuck überstehen würde, ohne sich dabei mindestens eine Schmerzhafte Verspannung zuzuziehen. Allerdings wusste Rhea bereits, wie resistent Tetia darauf reagieren würde und zudem lernte man aus Fehlern bekanntlich am Besten, weshalb sie sich bereits dagegen entschieden hatte, kaum dass der Gedanke in ihr aufgekommen war.
Stattdessen hatte Rhea den Blick schweifen lassen. Nicht um die Schönheit der anderen Anwesenden zu betrachten, sondern um ihre Gesichter zu studieren und festzustellen, wer sich unter ihnen befand. Es war nicht verwunderlich, dass jede Familie nahezu vollzählig erschienen war. Sogar Dracerion Dracas hatte es sich nicht nehmen lassen, der königlichen Hochzeit beizuwohnen. Unverantwortlich, wenn man seinen aktuellen Zustand betrachtete. Rhea hatte seinem Boten deutlich gemacht, dass er ihm ausrichten sollte, wie wenig sie von diesem Vorhaben hielt, hatte ihm aber dennoch die stärkenden Kräuter ausgehändigt. Sie war nicht dafür zuständig, ihren Patienten Verstand einzuimpfen. Zudem bezweifelte sie, dass ihre Worte Dracerion überhaupt erreicht hatten. Wahrscheinlich hatte der Bote sie unterwegs 'vergessen', weil ihm seine eigene körperliche Unversehrtheit wichtiger war, als die Mahnung der Heilerin den ohnehin belehrungsresistenten Gehirnwindungen seines cholerischen Meisters einzugeben.
Wie auch immer.
Gerade wollte Rhea ihren Blick weiter gleiten lassen, da zerrte Tetia mit unverschämter Vehemenz an ihrer Aufmerksamkeit. Glücklicherweise bremste die Stimme einer entfernten Cousine den Schimpf ihrer Schwester, sodass Rhea sich nicht darauf verlegen musste.
"So ein Mundwerk lässt deine Blumen verwelken." konstatierte sie nur und trat an die Seite der Jüngeren, sodass sie ihr nun nicht mehr im Weg stand. Sie wusste, dass Tetia ohnehin keine Ruhe geben würde, bis sie ihren Willen bekam.
"Was wirklich schade wäre." Ein sanftes Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln. Auch wenn Tetia wirklich vollkommen überladen war, so sah sie hübsch aus. Außerdem hätte sie sich so viel Mühe gegeben und allein das war ein Kompliment wert.
Rhea hob den Kopf und sah nach vorn. Und in dem Moment erstarb ihr Lächeln, just als sich sie der Gestalt gewahr wurde, die sich durch das Gedränge bewegte. In ihre Richtung.
'Nein. Nicht hierher.'
Und da war es wieder. Dieses nervöse Klopfen in ihrer Brust.
Steppe - Tetia (& Lucian)
Eine Hochzeit löste gemischte Gefühle in dem erfahrenen Soldaten aus, der sich mit ruhigen Schritten durch die Menge bewegte, um sich einen Platz am Rand der Zeremonie zu sichern. Er wurde automatisch an seine eigene erinnert. An seine Nervosität, das Glück, das sich so leicht in sein Herz geschlichen hatte. An die verräterischen Tränen, als er seine Frau das erste Mal an dem Tag erblickte, nachdem sie peinlich darauf geachtet hatte, dass er sie nicht vor ihrem Auftritt sah.
Sie war alles in dem Moment gewesen. Und danach auch. Er hatte sie geliebt. Bedingungslos. Sie war immer schön für ihn gewesen. Selbst dann, als sie der Meinung war, dass sie nach vier Kindern nicht mehr den jungen Körper hatte wie zu ihrer Hochzeit. Denn auch mit den kleinen Unebenheiten, den Narben und der Müdigkeit im Gesicht, war sie wunderschön gewesen. Remus hatte sie nicht daran zweifeln lassen, dass er sie liebte. Ebenso wenig, dass er sie begehrte. Manchmal muss er unwillkürlich schmunzeln, wenn er an ihre gespielte Empörung zurück dachte, wenn er sie aus dem Nichts küsste und ihr sagte, dass er sie wollte. Jetzt. Sofort. Gelegentlich hatte sie ihn hingehalten, seine Sehnsucht genossen. Oft genug aber auch nicht.
Remus schüttelte leicht seinen Kopf, verdrängte den Gedanken und nickte kurz in Dracerions Richtung, als er den Patriarch der Familie Dracas sah. Er wusste nicht, ob er selbst so alt werden wollte. Es würde bedeuten, dass er zu viele Jahre ohne sie leben musste. Und Remus hatte Angst, dass er sie mit der Zeit vergessen könnte. Ihren Duft. Ihre Wärme. Ihren Geschmack.
Eine leise Stimme riss den Soldaten aus seinen Gedanken und sein Blick glitt zu seiner Rechten. Die weiße Gestalt von Morgana stand unmittelbar in seiner Nähe, ihre blauen Augen ruhten auf ihm. Er neigte höflich den Kopf, betrachtete sie aus dunklen Augen. “Guten Tag Morgana.”, begrüßte er die Glaubensschwester und wandte sich ihr ganz zu, aus dem Augenwinkel seine beiden Töchter bemerkend, die ihrer Mutter ähnlicher sahen als ihm. Die Jüngste war wohl in alle verbliebenen Blüten gefallen, denn von ihrem schwarzen langen Haar war kaum mehr was zu sehen. Der Victus atmete einmal schwer aus. “Mir geht es sehr gut, danke der Nachfrage. Nach einem Jahr können wir glaube ich sagen, dass wir eine gute Heimat gefunden haben.”, beantwortete er ihre Frage mit nüchterner Klarheit. “Und Euch?”, stellte er höflich die Gegenfrage, eigentlich aber kaum gewillt, sich in Smalltalk zu verlieren. Wachsam glitt sein Blick nochmal zu seinen Töchtern, Lucian bemerkend, der sich ihnen näherte. “Ich befürchte fast, dass Tetia es etwas übertrieben hat.”, er bemerkte die Mühe, mit der seine jüngste Tochter versuchte, die Blütenpracht auf ihrem Kopf zu stemmen.
Morgana - Steppe
07-28-2026, 11:53 AM
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07-28-2026, 12:01 PM von Chou.)
Verdutzt blickte er zu Eris und suchte im Gesicht seiner Cousine nach einer möglichen Antwort auf das abrupte Abrauschen Amatas. "Also doch mein Gesicht?" Eines musste er der grauen Aegidius lassen. Sie hatte eine ungewöhnliche, erfrischende Art. Er selbst hatte kaum gemerkt, dass das Erstaunen ihm das gewohnte schiefe Lächeln auf die Lippen zeichnete und er die Worte unter gehauchtem Lachen hervorgebracht hatte. Doch so schnell es gekommen war, umso rascher zerriss es bei dem Anblick, der sich ihm bot. Durch die Mengen konnte er sie nur als Fetzen ausmachen, aber dieser hatte schon gereicht, um ihm das Blut gefrieren zu lassen. War das Nyke an der Brust des Miles? "Genug ist genug", bließ er die Worte zwischen gepressten Zähnen aus geblähten Nüstern. Bevor Eris Beschwichtigung finden konnte, nickte er provisorisch verabschiedend und begab sich in die Richtung, in jener er Nyke irgendwo hinter dem Volksgemisch vermutete. Bei Gott, Eris wusste leider ziemlich genau, wie sie ihren Cousin um den Finger wickeln konnte. Das war eine äußerst lästige Angewohnheit, die seinen Cousinen wohl in die Wiege gegeben wurde. Das und die übermäßige Sorge und der Drang, sie ständig und überall vor allem Unheil beschützen zu müssen. Es schien, dass die ganze Welt sich des Wertes dieser zwei Damen bewusst war und so würde er wohl niemals wahrlich zur Ruhe kommen.
Er drängte sich durch die mittlerweile dicht gewordene Masse. Mit beiläufig gesäuselten Entschuldigungen räumten die meisten ihm den Weg bereits frei. Die vielen hoffnungsvollen Begrüßungen der jungen Damen umging er mit dem halbtoten gewohnten Lächeln und einem höfischen Nicken, während er eiligen Schrittes vorwärts hastete. Seine hellen Augen fokussierten nach wie vor die maledeite Ecke, in der Aaron seine Cousine wohl gerade die Seele abkaufen wollte. Ein Miles. Musste sie sich ausgerechnet einen Miles aussuchen? Er wollte Eris Philosophie nicht zustimmen. Er konnte nicht. Warum nicht einer der Altair oder Licinius?
Irgendjemand aus einem der vornehmeren, gehaltvolleren Häuser.
Jemand mit Rückgrat, Ehre und Anstand. Ein treues Herz und eine gute Seele.
Er wünschte sich für sie Freundlichkeit und liebevolle Worte.
Er wünschte sich jemanden, mit dem eine Ehe Bestand halten und vielleicht sogar aufrichtige Gefühle beschwören konnte. Er wünschte sich -
Rhea Victus.
Er konnte den Aufprall mit Rhea Victus gerade noch verhindern.
"Verzeiht mir! Das war so ungeschickt!", entschuldigte sich ein stolpernder Hengst.
Seine Augen weiteten sich, als ihm kurzer Hand die Luft aus der Lunge gepresst wurde. Einer der Herren hatte im Eifer des Gefechts seinen Tanz wohl verhaspelt und war ungelenk in den Schimmel gerammt. Die Beine in den Boden gestemmt, verhinderte er einen Zusammenstoß mit der Braunen. Ein Raunen floh durch die Menge. "Oh! Herr Astoria! O-oh!" Und fort war der Tölpel.
Ebenso Nyke und Aaron.
Und er stand nun hier und blickte Rhea Victus in die dunklen Augen. "Ist", er sammelte sich, bevor er fortsetzte, "alles in Ordnung?" Einen Moment blickte er dem Hengst noch engäugig nach, bevor seine Stimme etwas weicher wurde. "Tetia", vollendete er die unsaubere Begrüßung mit einem höfischen Nicken und blickte dann wieder zu ihrer älteren Schwester. "Und Rhea. Guten Abend."
Er spürte förmlich die Blicke Remus und Lucius in seinem Nacken. Warum musste er als Sohn geboren werden? Innerlich seufzte er, während sich die übliche galante Maske zurück auf sein Gesicht stahl. "Ihr seht bezaubernd aus, meine Damen. Ihr stecht besonders heraus, liebe Tetia. Ein schönes Arrangement." Dennoch löste sich sein Blick von dem Rheas erst, nachdem er die Worte vollendet hatte, und wanderte zu Tetia und ihrer Blumenpracht. Das schiefe Lächeln zurück auf den Lippen.
Und damit musste er sich seine Niederlage hinsichtlich Aaron eingestehen. Fürs Erste.
Tetia und Rhea
Detheroc nickte ermutigend, als seine Freundin aufblühte und anfing, von etwas zu sprechen, das sie wirklich interessierte. Das war dummerweise gar nicht so oft der Fall. Meistens sackte sie in sich zusammen und wartete mit angehaltenem Atem auf... etwas. Er wusste noch ganz genau, wie sie sich kennengelernt hatten. Detheroc, aufgeregt und schwatzend und sie, immer dann zusammenzuckend, wenn er sich zu schnell bewegte. Eher schlecht, wenn man bedachte, dass er nicht eine Sekunde ruhig auf der Stelle stehen konnte.
Der Dunkle betrachtete Aarin Miles, die den Gesichtsausdruck der erhabenen Scheißigkeit ihres Vaters perfekt nachahmte.
„Sieht gut aus. Die beiden ineinander verflochtenen Zöpfe? Sehr schön. Vielleicht kannst du es mir bei Gelegenheit mal beibringen. Khione ist da, denke, nicht ganz so hinter, aber vielleicht kriegen wir noch ein Mädchen und...“
Sie wäre nicht seines. Vermutlich. Und vermutlich hätte seine Frau auch kein Interesse daran, diesem Mädchen Blumen ins Haar zu flechten. Und wer tat es dann? Wer nahm sich dem jungen, aufgeregten Ding an, wenn es vor ihnen stand und sich auf den nächsten Ball freute? Wer hörte ihr zu, suchte mit ihr die Blumen aus, schlug ihr verschiedene Flechtfrisuren vor? Ihre Mutter, die sich zu schade dafür war? Ihr richtiger Vater, der nur den Krieg und den Tod kannte und lieber alles niedermetzelte, als einmal etwas für die Lebenden zu tun? Oder die Dienerschaft? Schön unpersönlich? Die Antwort war klar: Detheroc würde es tun. Und er hätte Spaß daran.
Selene erwähnte Khione, und sein Blick huschte augenblicklich über die Menge.
„Mein Töchterchen iiist... da.“ Mit einem Kopfnicken deutete er zu der dunklen Stute, die gerade ungefähr so angepisst aussah wie Dracerion Dracas. Hohoho — vielleicht war es besser, wenn sie jetzt nicht in Aaron's Nähe kam. Detheroc grinste und versuchte sie mit einem Blick zu sich zu locken. Er wäre ihr nicht böse wenn sie stattdessen umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung ging. Das war der Charme heranwachsender Kinder.
Es war in diesem Moment, in dem Selene es wieder tat. Dieses Zusammensinken, dieses Verschwinden. Er sah gerade noch, wie ihr verzogenes Balg den angewidert den Blick von ihnen losriss und sich ausgerechnet Nyke Astoria zuwandte. Kleiner Drecksack.
„Darf ich ehrlich sein, Selene?“, fragte er sanft. „Aarin ist die Tochter deines Mannes, durch und durch, aber er — er ist dein Sohn. Söhne kommen nur leider nicht so gern nach ihren Müttern.“ Das wusste er aus Erfahrung. Detheroc beugte sich vor und stupste seiner Freundin sanft gegen die Brust. „Ich kann Khione fragen, vielleicht weiß sie mit ihm umzugehen. Es ist ein... schwieriges Alter.“
Selene — Steppe
"Es geht mir niemals schlecht, Remus. Dennoch danke ich Euch für Euer offenes Ohr, Ihr ehrt mich sehr.", antwortete sie und lächelte sachte. In der Tat brauchte man eine Morgana nicht fragen, wie es um ihr Wohlbefinden stand. Sie war niemals allein und jemand wachte stets über sie, dessen war sie sich allzeit bewusst. Vermutlich hatte sie den Krieg und den Verlust Valerias mitunter am besten überstanden. Weil sie mit Gott war und er mit ihr.
Sie hätte sich aus tiefstem Herzen gewünscht, es wäre allen anderen auch so ergangen. Leider war es das aber nicht. Sie hatten viel aufzuarbeiten. Die einen mehr, die anderen weniger - und einige alles.
"Ja, Ihr habt Recht. Noch sind es die ersten Herzschläge nach einer langen Stille, aber ich bin zuversichtlich, dass uns eine bessere Zukunft erwartet. Es liegt an uns." Und das war ein ehrlicher Gedanke, keine dahergesauselte Floskel. Auch wenn sie sich ehrlicherweise noch nicht vollständig in Aeternia hatte einfinden können. Aber das war bloß ein subjektives Empfinden. Manche Dinge brauchten schlichtweg ihre Zeit und das war absolut in Ordnung.
Morgana sah für einen Moment zu dem großen Lohfarbenen auf, hob eine Braue und folgte schließlich langsam seinem Blick.
"Tertia... Sticht in der Tat hervor. Ein wenig jedenfalls.", antwortete sie leise, ohne dabei das Zucken ihrer Mundwinkel und das Zittern in ihrer Stimme auch nur ansatzweise unterdrücken zu können. Wo war unter diesem Haufen allmöglicher Blumen noch ein Pferd zu sehen? Und... Lachte Morgana gerade wirklich? Es war unerhört. Wenn Remus Beschwerde bekunden würde, dann mit gutem Recht - aber diese Welt, die sie manchmal nicht verstand, konnte so wunderschön und entzückend sein. Und irgendwie auch... Unterhaltsam.
"Bitte verzeiht. Bevor ich es vergesse. Ich soll Euch und Eurer Familie beste Grüße von Schwester Adelaide bestellen. Ihr ist es leider verwehrt, der Hochzeit am heutigen Tage beizuwohnen. Aber sie denkt oft an Euch."
Es war eine Schande, dass der Klerus inzwischen so zurückgezogen lebte, dass jegliche Nähe zu ihren Liebsten und dem gemeinen Volk verloren gegangen war. Aus ihrer Sicht war dies ein Umstand, den Titus und Rayyar besser gestern als heute dem Erdboden gleichmachen mussten. Aber sie würde einen Teufel tun und ihr Missfallen offen kundtun. Solche Gedanken allein hatten in der Welt einer Glaubensschwester keinen Platz. Sie sollte sich schämen... Tat es aber nicht, weil sie genau wusste, dass sie Recht hatte. Gott wollte Teil dieser Gemeinschaft sein, keine Schattengestalt, die man vergessen hatte oder gar in Frage stellte.
Sie brauchten und durften sich nicht verstecken. Nicht vor denen, die ihnen Treue und Vertrauen geschenkt hatten. Es war eine Schande.
Ein kaum hörbares Seufzen verließ ihre Kehle, ehe sie wieder zu Remus aufblickte. Einen ganzen Moment musterte sie seinen starken, großen Körper, fragte sich, wie viele Kämpfe dieser Victushengst in seinem Leben schon bestritten haben musste.
"Ich möchte Euch gerne etwas fragen, Remus. Weil ich weiß, dass Ihr mit ehrlicher Zunge antworten werdet. Ich werde es nicht bewerten, ich möchte bloß verstehen. Was denkt das Volk über den Klerus? Hat er in der heutigen Zeit noch eine ehrliche Daseinsberechtigung, oder hat das Scheusal Gavriil jegliches Vertrauen in uns endgültig zerstört? Ich höre sehr viel, sehe jedoch so wenig."
Remus | Steppe
Rhuen zuckte gleichgültig mit den Schultern. "Meinetwegen auch das. Ist mir ziemlich egal.", antwortete er trocken. Warum sollte es ihn auch kümmern? Er war hier um ihrer Leiber wegen. Seine Aufgabe war es, ihr Leben zu beschützen und sie vor weiteren Tragödien zu bewahren. Was ihr seelisches Befinden anbelangte, so konnten sie sich seinetwegen zum Teufel scheren und sich einen anderen Pausenclown suchen. Mit dem Blödsinn wollte und brauchte er nichts zutun haben und war froh, wenn man ihn in Frieden seiner Wege gehen ließ.
Die neue Königin stank also nach Blumen. Herrlich.
"Magst du sie wirklich nicht oder ist sie bloß irgendein Jemand in deinem Leben, dem du keinen größeren Stellenwert mehr beimessen kannst?", entgegnete er. Wenn man wollte, konnte man in seiner Antwort durchaus eine Provokation sehen. War es aber nicht. Eigentlich kümmerte es Rhuen nicht, wer sie war, solange sie nur gute Absichten dem König gegenüber hegte. Der Rest war nicht seine Angelegenheit. Im Bezug auf Spartacus jedenfalls würde es den Schwarzen jedoch keinesfalls wundern, wenn er inzwischen so abgestumpft war, dass er schlicht und ergreifend keine Sympathie mehr empfinden konnte. Weil er immer nur enttäuscht und gevögelt wurde, schöner konnte man es wirklich nicht ausdrücken.
Er hörte ihm zu, blickte dabei aufmerksam in die Weite. Ferngeblieben war ein schmeichelhaftes Wort in Anbetracht der Tatsache, dass seine Mühe seinen Bruder zu finden und zurück nach Hause zu bringen, offensichtlich völlig umsonst gewesen war. Physisch war Obsidian zwar anwesend, irgendwo. Sein Geist aber schien zurückgeblieben zu sein in dieser todbringenden Wüste. Wieder waren sie da. Diese Gedanken. An ihn.
Er war dankbar, dass Spartacus' Redefluss offenbar gerade kein Ende nahm. Rhuen versuchte sich auf das Gesagte zu konzentrieren, verlor aber mehr und mehr den Faden, weil er schlicht und ergreifend nicht ganz folgen konnte. Ja, die Tussi war hübsch. Das war aber mehr eine nüchterne Erkenntnis als eine Absichtsbekundung, eine Ehe mit ihr schließen zu wollen. Auf dieses ganze Drama mit den Weibern hatte er heute kein Bock und würde es auch in den nächsten zehn Jahren nicht haben. Fertig. Als Spartacus dann aber irgendwas von alten Säcken faselte, musste er unweigerlich an den Leibheiler denken, wie er damals... Nein, er wollte da jetzt nicht weiter darüber sinnieren. Es war widerlich und ekelhaft.
"Alter. Hast du dir überreife Früchte reingeballert oder warum erzählst du gerade so viel Scheiße?", lachte er und war dem Liciniusabkömmling insgeheim sehr dankbar um diese Wohltat einer Ablenkung. Es tat ihm gut, auch wenn diese Einsicht sich noch ein wenig merkwürdig anfühlte in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich damals wirklich ... Nicht abgekonnt hatten? Oder wie auch immer man das nennen sollte. Rhuen war nicht gut in diesem zwischenmenschlichen Psychologieblödsinn. War ja auch nicht so wichtig.
"Ich habe heute Nacht Patrouillendienst. Kommst du mit oder gibt es wichtigere, royale Angelegenheiten, mit denen Ihr Euch zu befassen habt, oh königliche Hoheit?" Rhuen grinste und schnappte mühelos nach Spartacus, verfehlte ihn jedoch wie zu erwarten. "Ich würde es Euch allenfalls empfehlen, sonst wird Euer prunkvoller Arsch bald genau so fett wie Euer maßloses Ego..."
Und da begann sie wieder. Die essenzielle und traditionelle Rauferei zwischen ihnen, als sie sich gegenseitig versuchten zu hacken, sich anzusteigen, nur um im nächsten Moment in heldenhafter Eleganz mit den Schädeln aneinander zu donnern. Wessen "Autsch! Dummer/Blöder Idiot..." zuerst über die Zunge rollte, war kaum noch zu definieren. Sie lachten und hatten Spaß. Und das war so verdammt befreiend.
Spartakussi ❤️ | am Rande der Steppe, gleich gibbet Ärger
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