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Die Legenden von Valeria, einst ein strahlendes Reich voller Pracht und Macht, sind nun nicht mehr als flüsternde Erinnerungen im Wind der Vergangenheit. Ein feuriger Zorn aus den Tiefen der Erde hat es verschlungen, ein Inferno, das Leben und Träume gleichermaßen zu Asche verbrannte. Du bist durch ein gnadenloses Land gezogen, warst ein Wanderer ohne Heimat, getrieben von der verzweifelten Suche nach einem neuen Morgen.


Die Schwachen zerbrachen auf diesem Weg, manche folgten dem Ruf der Verzweiflung und wendeten sich vom König ab.

Doch es gibt jene, deren Herzen ein unbezwingbares Feuer tragen – eine Hoffnung, die selbst die finsterste Nacht nicht ersticken kann. Bist du einer von ihnen? Oder haben die Schatten bereits Besitz von deiner Seele ergriffen?
Das Pass Into Oblivion ist ein textbasiertes Rollenspiel in welchem du in die Rolle eines Pferdes schlüpfst. Wir schreiben in einem plotbasierenden System und sind immer bemüht die Charaktere so tief wie möglich in die Geschichte zu integrieren und einen möglichst breiten Anschluss zu bieten. Schau dafür gerne einmal auf unserem Discord-Server vorbei!

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29.05.2026

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03.05.2026

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II. Unter dem Schleier der Pflicht
5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas, Khione Dracas, Aarin Miles, Aaron Miles, Sayyirah, Rhuen, Desmond Aegidius, Atlas
#21
"Wir hatten Glück, dass es seinen anderen Sohn nicht auch erwischt hat."
Es war dieser Satz, der ihm in Bezug auf Damhnait am meisten im Kopf geblieben war. Es war jedoch bei weitem nicht der einzige. Wie ein Dornengestrüpp rankten sich die gehässigen Aussagen um den Mann und hielten jeden fern, dessen Interesse hätte geweckt werden können. Wie mächtig die Geschichten doch waren, die sie einander erzählten. Briony war jung, aber nicht so jung, dass er die leise gezischten Worte, die dem Goldenen folgten, nicht kannte. Heute durfte er sich selbst ein Bild von dem machen, was ihnen allen solche Angst einjagte.
Die Dunkelheit gab sich schnell zu erkennen, regte ihr mächtiges Haupt und fraß sich durch die Augen Damhnaits. Briony fand jedoch nicht, dass das zum Fürchten war. Sie alle waren Krüge, die mit irgendetwas befüllt wurden. Irgendwoher kam die Finsternis schon. Zärtlich hatte etwas sie in den Goldenen hineingegossen, wo sie sich vermischt hatte mit Liebe und Zorn und all den anderen Dingen, die ein jeder von ihnen mit sich herumtrug. Das Entscheidende war nicht die Existenz von etwas, sondern die Mischung. Bedauerlicherweise verstanden sie sich alle hervorragend darauf, die Finsternis in dem Goldenen zu einem unerschöpflichen Quell heranwachsen zu lassen.  Selbst jetzt schürte jemand das Feuer in seinem Inneren, goss und goss, als gäbe es nicht schon genug Schwärze in der Seele des Mannes.

Briony folgte Damhnaits Blick nicht, versuchte nicht zu erfahren, was das Monster in ihm weckte. Es war unwichtig. Wichtig war, dass der Goldene es mit beachtlicher Selbstbeherrschung wieder einzufangen wusste.
Ein mutiger Mann, ein tapferer Mann. 
Niemand würde den Worten Glauben schenken, die Briony über Damhnait verfasste. Es wäre leichter gewesen den Erwartungen der anderen zu folgen, für sie beide. Briony wäre bejubelt worden und Damhnait hätte sie alle niedergestreckt. Wie Silas. Wie Feuer. Wie der unbändige Frost in kalten Winternächten. Aber das passte wohl nicht zu ihnen.
"Na du, natürlich", antwortete Briony heiter. Es wäre zu einfach gewesen zu entgegnen, dass der Großteil der hier Versammelten die Einzigartigkeit der Natur zu verkörpern wusste. Aber nur einen einzigen Namen zu nennen…? Er wollte nicht schmeicheln und sich auch nicht daran gewöhnen, mit einer festen Muse im Kopf durch die Welt zu ziehen, aber er konnte nicht leugnen, dass auch er an jemanden denken musste, wenn man raue Schönheit verlangte.

"Sie nennt sich Nova", sagte er langsam. "Nova Odyssey."
Briony erinnerte sich, als er sie das erste Mal gesehen hatte, mit dem nachtschwarzen Fell, den daraus hervorstechenden, viel zu grellen Augen und den Narben, die sich erbarmungslos über ihren Körper zogen. Er hatte mehrmals hinsehen müssen. Er hatte nie aufgehört, mehrmals hinsehen zu müssen.
"Manchmal tut es weh, den Blick von ihr abzuwenden."

Damhnait — Steppe

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#22
Wäre Khione ein kleines bisschen weniger diszipliniert, hätte seine Bemerkung sie vielleicht zu einem kleinen Auflachen verlockt. Eines musste man dem rotäugigen Drachen lassen; auf den Mund gefallen war er nicht. Ob gleiches jedoch auch für seinen Kopf galt, dessen war sich die Eisdrachin nicht sicher. Ihre verkorksten Gene miteinander zu verkreuzen war womöglich die grausamste Vorstellung, zu der sie fähig war. Und das hatte angesichts der abgeklärten und bisweilen gnadenlosen Persönlichkeit Khiones etwas zu bedeuten, denn nicht ohne Grund hatte sie für sich selbst beschlossen, der Zeugung von Abkömmlingen bestmöglich aus dem Weg zu gehen. Diese Welt war nicht bereit für das, was ihren Lenden entspringen würde.
"Es wird viel geredet, wenn die Tage lang sind."
Sie hatte den Blick nicht von ihm gelöst und musterte den Ausdruck in seinem Gesicht, während sie sprach. Dieses provokante Grinsen bohrte sich in ihr Bewusstsein und ließ ihre Ohren klingeln, als wäre es ein höhnisches Lachen. Es kostete Khione tatsächlich mehr Kraft, keine Reaktion darauf zu zeigen, als sie selbst erwartet hatte und das überraschte sie. Vielleicht, weil an dem Geschwätz in der Tat ein wenig Wahrheit klebte. Nicht in dem Sinne, dass sie sich in romantischen Vorstellungen verlor. Kaum etwas lag ihr ferner. Doch hegte sie für Lucian in der Tat eine Sympathie, die sie für kaum ein anderes Wesen auf dieser Erde aufzubringen vermochte. Denn in seiner Gegenwart spürte sie nicht das ständige Bedürfnis, ihren Schild aufrecht zu erhalten und das machte den Umgang mit ihm so einfach. Ungezwungen. Der Umgang mit Karthago hingegen... er zehrte an ihrer Contenance. Und das nicht nur, weil seine Worte sich wie Lava durch ihre Venen fraßen, sondern weil er mit seinen Bemerkungen Dinge aufs Tableau brachte, mit denen sie sich bislang zu wenig auseinandergesetzt hatte, wie sie nunmehr erkennen musste. Wo würde sie stehen, wenn ihn nicht allzu ferner Zukunft die Karten neu gemischt wurden? Ihr Blick senkte sich in seine Augen, als könne sie dort die Antwort finden. Wie viel Wahlmöglichkeit hatte sie denn überhaupt? Als weiblicher Spross?
"Du willst wissen, ob ich dir in den Rücken falle oder dir selbigen stärke." Ihre Feststellung klang fast zu unbefangen für die Ernsthaftigkeit dieses Themas.
"Und das, obwohl du selbst noch nicht weißt, in welche Richtung du dich wenden wirst."
Ihre Ohren zuckten ob des Geräuschs sich nähernder Schritte. Eine kleine Gruppe von Pferden kreuzte ihren Weg und Khione ließ sie passieren, ohne ihren Blick von Karthago zu lösen. Erst als sie wieder außer Hörweite waren, durchbrach ihre dunkle Stimme das Schweigen.
"Ich werde meine Fähigkeiten als Valkyre für den Schutz des Hauses Dracas aufwenden. Und für dessen rechtmäßigen Führer." Mit diesen Worten löste sich Khione und setzte sich ebenfalls wieder in Bewegung, dem Weg folgend, der sie zur Sammelstätte in der Steppe führte.
"Nichtsdestotrotz wäre es an der Zeit, sich für einen Weg zu entscheiden." Sie zuckte mit der Schulter, als wäre es nur eine Kleinigkeit und beträfe nicht die Zukunft ihrer Familie. "Oh... und ich werde dir gewiss keinen Erben schenken." Das Eher verrecke ich. fügte sie nicht hinzu, doch das schiefe Lächeln, welches sich auf ihre Lippen gestohlen hatte, ließ diesen Zusatz ohnehin überflüssig werden.

Karthago Dracas | Auf dem Weg zur Steppe

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#23
Aufmerksam wanderten die rubinfarbenen Iriden des jungen Hengstes über die weitläufigen Steppen ihrer neuen Bleibe. Wirklich sicher, woher dieses Empfinden rührte, war sich der Windfarbene nicht, doch irgendetwas in ihm sagte ihm, dass auch dieser Ort einer werden sollte, an dem sie bloß Gast waren. Am Ende waren es unrelevante Hirngespinste. Nichts weiter. Dennoch würden ihm der Verlust der Schwarzweite wie auch Valerias eine Lehre sein. Egal, wo sie waren. Egal, wohin ihre Wege sie führten. Der einzig wahre Schutz, der sie vor Leid und Unheil bewahren würde, waren sie selbst. Aufmerksamkeit war essenziell, jede Unachtsamkeit konnte ihnen schneller zum Verhängnis werden als ihnen lieb war. Sie waren noch nicht lange an diesem Ort, vor allem die unter ihnen, die Valeria einst ihre Heimat nannten, in die sie geboren wurden. Es galt sie zu schützen - jeden einzelnen und um jeden Preis.

Nun ja... Und Rhuen wäre nicht Rhuen, wenn er nicht eigennützig seine Pflicht zuletzt doch auch einfach eiskalt vorschob, um nicht Teil des Geschehens zu werden. Nicht in unsinnige Gespräche verwickelt zu werden und stattdessen seine geheiligte Ruhe zu genießen. Er war bekannt dafür, dass seine liebste Gesellschaft schlicht und ergreifend er selbst war, und die jenigen, die sich die Ausnahme nennen durfen, hatten an solch einem Tag wie dem heutigen ihre eigenen Gedanken und Aufgaben, mit denen sie sich auseinandersetzen durften. Oder mussten. So hatte er sich freiwillig als Wachposten zur Verfügung gestellt und nun verweilte er hier am Rande des Geschehens.

Als ihn der ein oder andere Vorbeischreitende mit einem höflichen, kurzen Nicken grüßte, der nächste an ihm vorbeischwebte als wäre er Luft, blickte der Rappe mit dem silberfarbenen Haar seinen Artgenossen nach, während seine Gedanken jedoch kurz beim König weilten. Schon wieder eine Hochzeit. Nero war es seinerzeit zu verdanken gewesen, dass Rhuen als Frischling überhaupt überlebt hatte, schließlich war er es gewesen, der den klagenden Worten seiner Schwester Gehör geschenkt hatte. Er hätte Rhuen auch einfach seinem Schicksal überlassen und verrecken lassen können, denn er hatte absolut keinen sinnvollem Nutzen von einem Waisen aus fremden Landen, den er letztlich mit durchziehen musste. Dass Rhuen heute hier stand, als vollausgebildeter Soldat mit durchaus befleckter Weste und stoischer innerer und äußerer Ruhe, war schlicht und ergreifend der Gnade des Königs zu verdanken. Und heute... Heute tat Nero ihm insgeheim fast schon ein wenig leid. Schon wieder eine Maid, die ihm zugeschoben wurde. Ein neuer Spalt, der befruchtet werden wollte zur Erhaltung der alten Linien
Himmel. Rhuen war froh, von all dem verschont geblieben zu sein. Er wünschte dem König alles Beste für die Zukunft... Und vor allem endlich seine verfluchte, gottverdammte Ruhe. Er wandte den Blick ab und besah sich weiter seiner Umgebung.


Steppe, am Rande des Geschehens | anspielbar

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#24
Ein wenig schäbig fühlte sie sich ja doch angesichts der Tatsache, dass sie Aarons Gesellschaft nicht ganz uneigennützig aufgesucht hatte, denn er verstand sich wie kein Anderer darauf, sich in nahezu jedem Gespräch einfach selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Was in den Augen der Meisten eine Unart darstellte, war für Nyke eine willkommene Fähigkeit, die sie zu schätzen gelernt hatte. Denn es lenkte sie von ihren eigenen Problemen ab.
Was sie dabei allerdings außer Acht gelassen hatte war, dass Aaron trotz aller vermeintlichen Oberflächlichkeiten durchaus sehr gut in der Lage war, die Gefühlsregungen anderer zu erkennen und darauf auch einzugehen. Wenn er denn wollte. Und offensichtlich wollte er just in diesem Moment.
Der Ausdruck in seinem Gesicht ließ das Lächeln auf ihren Lippen wanken und der Versuch, es irgendwie retten zu wollen, scheiterte darin, dass es sich zu einem Kloß in ihrem Hals verwandelte, welchen sie mit einem schweren Schlucken zu lösen suchte.
"Es geht schon." Himmel, war sie schon immer so schlecht darin gewesen, zu lügen? Wahrscheinlich schon, denn  bislang hatte sie es nur selten für nötig gehalten, die Wahrheit zu verbiegen und ihr fehlte die Übung, was das leichte Brechen ihrer Stimme verriet. Sie atmete ein und ehe ein weiterer Gedanke sie davon abhalten konnte, nahm sie Aarons Angebot nicht nur an, sondern initiierte es selbst, indem sie sich an seine Brust lehnte und ihren zierlichen Kopf gegen seinen Hals drückte. 
Der warme Geruch, der sie umfing, war überraschend intensiv. Eine Mischung aus Zedern und... Salbei? Einen Moment lang verloren sich ihre Sinne in diesem holzig-erdigen Duft und alle Bilder, die vor ihrem inneren Auge tanzten, wischen einer angenehmen tiefen Schwärze, bis im nächsten Augenblick ein blitzartiges Gefühl durch ihr Rückgrat zuckte und sie mit einer raschen Bewegung dazu verleitete, von ihm zurückzuweichen. 
Wäre Nyke dem Glauben an Übersinnlichkeiten verfallen, sie hätte wahrscheinlich darauf bestanden, dass dieses Gefühl ihr siebter Sinn war, der sie davor warnen wollte, dass gleich der Blick ihres Vaters auf sie beiden fallen würde. Doch für solche Glaubenssätze war die junge Astoria zu rational. Es war schlicht ihr Verstand, der wieder eingesetzt und sie an ihre Erziehung und Tugend erinnert hatte.
"Entschuldige, ich...", sie wollte nach Worten suchen, die ihr Verhalten erklärten, ahnte aber gleichzeitig, dass sie auch hier nicht in der Lage sein würde, eine glaubhafte Ausrede zu finden. Also entschied sich Nyke für die Wahrheit.
"Es geht mir nicht gut. Mutters... Tod schmerzt so sehr. Aber ich... möchte nicht darüber sprechen. Kannst du..."
Sie suchte das Blau seiner Augen.
"... mich irgendwie ablenken? Egal wie."

Aaron Miles | Steppe

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#25
"Alle Tage sind lang." Das waren sie in der Tat. Selten traf man ihn überhaupt noch des Tages an. Ob aber wirklich etwas an dem Gerede dran war? Nicht, dass es ihn kümmerte oder Detheroc Dracas auch nur einen Wimpernschlag zögern würde, den toten Vater mit dem Sohn als künftigen Gatten auszutauschen. Sein Haus war nach wie vor nicht dafür bekannt, sehr rücksichtsvoll mit den Emotionen seiner Mitglieder zu sein. 
Karthago wusste nicht einmal, wohin er mit diesem Kommentar noch wollte. Das Ganze interessierte ihn nicht. Vielleicht war es der unterschwellige Drang nach Zerstreuung, der sich an allem festklammerte, das sich ihm irgendwie entgegenwarf. Vielleicht auch nur die Angewohnheit, sich das letzte Wort beizubehalten. 

Als sie sprach, löste sich sein flatterhaftes Grinsen in ein entspanntes Lächeln. Er mochte ihre Stimme. Ruhig und kontrolliert. Würde sie in einen Wald hineinrufen, wanderte ihr Laut wohl von jedem Echo befreit hindurch. Es löste eine Art von Melancholie in ihm aus. Und da er nun einmal ein höchst sensibles Tier war, war es ebenso einfach ihn ruhig zu stimmen wie ihn aus der Haut fahren zu lassen. 
"Und das, obwohl du selbst noch nicht weißt, in welche Richtung du dich wenden wirst."
"Vorsicht, Cousine. Manch einer könnte das als Drohung verstehen", gab er zurück und lief dennoch unbeirrt mit ihr. "Glaubst du denn wirklich, dass der 'rechtmäßige'", äffte er gehässig in die Luft, bevor er fortführte, "damit einhergehend die beste Wahl ist? Ich habe vor, die beste Wahl zu sein. Nicht aber, weil ich zufällig in einen Schoß geboren wurde." 
Und dabei konnte man ihnen ihre Abstammung in keinster Weise absprechen. Wo andere adrett und anmutig voranschritten, war jeder Tritt der dunklen Körper ein Vorbote. Selbst wenn ihnen Ruhe innewohnte, lag ein Dracas Gesicht in kalten, harten Zügen und blickte aus lieblosen Augen in die Welt. Und wo ihnen Pferde in die Augenpaare aus Feuer und Eis blickten, lösten sie sich ganz natürlich aus ihrem Weg. 
Wie ein ungeschriebenes Gesetz. Wie sollte man nicht hochmütig sein? 

"Wie schade," liebkoste er die Worte mit bizarr verzerrter Stimme. "Wir wären solch ein nettes Paar." In der Tat konnte er einen solchen Nachwuchs nicht im Lande Valieras sehen. Auf der Spielwiese mit den anderen Fohlen? Hoffentlich stünde ihr Gott ihnen bei. Er fragte sich, ob sie wohl den Mut hätte, sich gegen eventuelle Wünsche und Pflichten durch ihren Vater aufzulehnen. Auch Artemis war immerhin eine Valkyre gewesen und wohin hatte sie es letztlich verschlagen? Gewiss hatte er nie vorgehabt, sie zu ehelichen. Dennoch wollte er ihr nicht verzeihen, dass sie nicht wenigstens ein wenig um ihn gebettelt hatte. Es hätte ihm den Alltag vielleicht ein wenig erheitert. 
Und er brauchte die Erheiterung. 
Denn kaum hatten sie den Schauplatz betreten, suchten seine Augen instinktiv. Nach seinen Männern, nach Fehlern in ihren Formationen, möglichen Bestrafungen - und nach ihr. 
Und er fand sie nicht. 
Dort stand das schwarze Mädchen mit silbernen Augen, dessen Körper frei und unversehrt von Narben war. Dieses dumme Ding. Leonita hieß sie? Er würde jemanden auf sie ansetzen müssen. Einmal hatte man sie mit Nova verwechselt und welch Spaß sich diese Made daraus gemacht hatte. Das Volk war nun einmal dumm. Und wenn man nicht mit Liebe vom Silberlöffel aufwuchs, so leckte man gierig sogar das Messer ab. 

Hach, er war wirklich ein sensibles Tier. Wie schnell sich ihm die Laune wieder vermiesen ließ. "Also dann, Schneeflöckchen. Auf das Hause Dracas und deine blinde Loyalität." 

Khione Dracas - Steppe

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#26
Die Hochzeit des Königs. Desmond hatte die Aufregung seiner Gemahlin wahrgenommen und sich irgendwann entschieden schon einmal zur Steppe zu gehen um die Vorbereitungen der Damen nicht weiter zu stören. Er hatte sowieso keine Ahnung davon wie man Blumen einflechtete, eher wie man sie abends wieder fachmännisch... entfernte. 

Die Steppe war natürlich schon voll und ein paar der hochwohlgeborenen Familien waren hier zu finden. Kurz sah sich Desmond nach seinem Cousin um, konnte ihn jedoch nicht entdecken. Kurz war geneigt sich dem Hofnarren zu nähern, der konnte schließlich manchmal ganz lustig sein, auch wenn er in Desmonds Augen zu viel wirres Zeug sprach - vielleicht fehlte dem Leibgardisten aber auch einfach die Philosophen-Ader. Die Halbstarken waren auch nicht so das Metier auf das er im Moment Lust hatte und als er die Dracas sah, drehte er sich wieder um. Es war einer dieser Momente, in denen er Gabriel vermisste. Mit seinem besten Freund hätte er jetzt einfach am Rande der Veranstaltung gestanden und über irgendetwas gesprochen, nur nicht über die Hochzeit oder die Anwesenden. Vielleicht über das letzte Training, vielleicht hätten sie aber auch über irgendeinen nicht angemessenen Spruch Desmonds debattiert. Naja. Der Schimmel nahm einen tiefen Atemzug, schob sich weiter durch die Menge und spürte einen unsanften Stoß an seiner Schulter. 

Sein Kopf schwenkte herum und seine blauen Augen blickten überrascht in das Gesicht von Aarin Miles. Oder auch 'die Hexe des Nordens' wie Desmond sie nannte. Sie kannten sich nicht sonderlich gut, aber ihr auftreten allein reichte schon aus, damit der kesse Leibgardist die Augen verdrehte. Aber seine Mutter hatte ihn natürlich höflich erzogen, weshalb er galant aber nicht übertrieben den Kopf neigte. "Aarin, wie schön Euch hier zu sehen.", eine Lüge. Aber gut, Desmond war schließlich schon immer gut darin gewesen, gute Miene zum vermeidlich bösen Spiel zu machen. "Seid Ihr heute Abend in Begleitung?", vielleicht ein Seitenhieb. Demonstrativ sah sich der Schimmel um, konnte aber keinen Herrn entdecken, der sich für ihr Gespräch zu interessieren schien.

Aarin Miles - Steppe

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#27
Atlas wusste nicht womit er es verdient hatte an diesem Tag hier zu sein und nicht irgendwo anders. Ja, es war sein Vater der heiratete. Aber es verband sie beide nichts. Er hatte nichts mit der königlichen Familie zu tun und Atlas wollte das auch gar nicht. Reichte schon aus, dass er gelegentlich seinem kleinen Bruder über den Weg lief und dieser ihn nach einem anfänglichen Aufwärmen mittlerweile mit Fragen löcherte. Atlas hatte nichts gegen dieses Kind, oder Kinder allgemein, aber es fühlte sich sonderbar verpflichtend an, mit ihm zu sprechen. Als würde er diesem schwächlichen Bürschchen etwas schulden - und das tat er nicht. 

Am Rande der Veranstaltung stehend, betrachtete der Bastard die Mitglieder der Monarchie die langsam eintrafen. Alle waren sie herausgeputzt, unterhielten sich in gespielter Höflichkeit und kokettierten miteinander, in der Hoffnung eine besonders gute Partie an diesem Abend abzustauben. Nichts, was Atlas verstehen konnte oder wollte. Er verstand Begehren und er Verstand auch den Wunsch, seine Gene in die nächste Generation zu tragen, ober diesen Tamtam um die einfachste Sache der Welt, verstand er nicht. Vielleicht sollte er nicht so negativ sein, vielleicht war er aber auch der Einzige, der wirklich noch einen Durchblick hatte zwischen all dem Schauspiel.

Er seufzte, schüttelte den Kopf und ließ einmal mehr seine Schultern kreisen, ehe er seinen Blick schweifen ließ. Er hatte fast schon bewusst nicht an sie gedacht. Nicht, weil er die Gefühle die sich in sein Herz geschlichen hatten leugnete. Nein. Sondern weil er dieses ganze Schauspiel von dem fern halten wollte, was ihm wirklich etwas bedeutete. Und das war nicht leicht, denn Sayyirah schien diese Welt zu mögen - oder zumindest leichter annehmen zu können als er. 
Doch als er die schwarze Schönheit ausmachte, entspannte sich beinahe automatisch seine Haltung ein wenig und ein sanfter Ausdruck schlich sich in das Gold seiner Augen. Seine Nüstern kamen der ihren entgegen und er berührte sie sanft. "Hi.", begrüßte er sie und war beinahe über die raue Nuance in seiner Stimme genervt, da sie ihn verriet. Und obwohl er dieses ganze Spektakel absolut albern fand, nahm er sich dennoch die Zeit den Haarschmuck zu bewundern, den sie sich hatte einflechten lassen. "Du siehst sehr schön aus.", sagte er also, auch wenn ein Kompliment aus seinem Mund immer etwas unbeholfen wirkte. Sie würde auch ohne diese Blüten schön aussehen. 
Ihre nächste Frage ließ den Rostfarbenen leise Lachen und ein gutmütiger Ausdruck legte sich auf das Gesicht des Bastards. "Es ist extrem nervtötend. Entweder begaffen die sich hier gegenseitig oder zicken sich an. Ein großes Schauspiel eben", erklärte Atlas mit einem kurzen Ruck seines Kopfes in Richtung von Desmond und dieser weißen Elfe. Diese war durchaus attraktiv, aber ihr schnarrendes Mundwerk... Apropos schnarrendes Mundwerk, wo war eigentlich dieser unsägliche Leibheiler?

Sayyirah - Steppe

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#28
Sein Stumpfsinn hätte sie nicht so überraschen sollen. Immerhin war er mit Ceres liiert. Wohl aber durfte sie durchaus gekränkt sein, ob seiner offensichtlichen Ignoranz - oder Hinterhältigkeit. In ihr lächelte ein gehässiger Kobold.
Ich sagte es dir, Liebes. Sie sind alle gleich. So grausam und kalt, dass sie sich hinter verschlossener Tür die blutigen Klauen wie Nektar lecken. 
Hatte sie in ihrer Gutmütigkeit denn nicht einmal mehr zu hoffen wagen dürfen? Sie wollte seufzen. Stattdessen verzogen sich ihre Lippen in ein betroffenes, verzeihendes, kalkuliertes Lächeln. Die Barmherzigkeit auf der Zunge tragend.

"Mein wertester Herr Aegidius. Ihr könnt wohl kaum annehmen, dass meine Familie mich hier gänzlich alleine auflaufen ließe. Eine wahrlich infame Unterstellung." Sie deutete an den Rand der Gesellschaft, irgendwo in die Schatten, wo ihre verschreckte Mutter sich wohl noch verkriechen musste. 

"Oder aber ihr deutet auf den äußerst vulnerablen Zustand einer alleinstehenden Dame hin. Angesichts dessen, aus wie viel Pein ihr werteste Ceres aber nun erlöst habt, wage wiederum ich es nicht eine solche Unterstellung zu tätigen. Einer solchen Grausamkeit will ich euch nicht für fähig halten." Und damit war sie eindeutig zu gnädig. Erneut. 

Sie wollte ihm seinen hirnlosen Versuch eines Gesprächseinstiegs allerdings durchaus verzeihen und ihm eine neue Chance gönnen. Es gab Schlimmeres als dabei gesehen zu werden,  sich vom Mann der Acillius-Hexe ins Gespräch leiten zu lassen.  Denn am Ende des Tages war da diese lästige Sache, der sie sich schlichtweg nicht entziehen konnte. Nach wie vor, belastete sie ihre Familie mit ihrer Ledigkeit. Sie hasste es. Wie viel lieber wäre sie selbst der Kopf des Hauses? Zu oft beobachtete sie ihren Bruder, den Stolz des Hauses, in seiner Freiheit und der Vergeudung all seines Potentials, wenn er sich mal wieder mit dem roten Tölpel prügelte oder sein loses Mundwerk nicht unter Kontrolle hielt. Sie wollte ihn dafür rügen - konnte aber nicht anders, als ihm immer dann all ihre ungenutzte mütterliche Liebe zu schenken, wenn die Strafe ihres Vaters zu schrecklich war. Niemals aber sollte sie so schrecklich sein. 

"Und gewiss hoffe ich, ihr verzeiht meinen kleinen Unfall." Damit löste sich ihr Blick von den zu hübschen Augen aus dem zu leeren Kopf und schweifte über den Rest des Platzes. Ihr Vater hatte sie eindeutig zu früh hierher gejagt. Bis auf kümmerliche Gestalten und den Alptraum in Person hatte sich noch nichts Brauchbares versammelt. Beim Anblick des Königs' Bastards und seines blutroten Fells aber lief es ihr eiskalt den Rücken hinab. War das ein Blickkontakt? Als sie noch jünger war, hatte Aaidan ihr damit gedroht, sie mit ihm zu vermählen, wann immer sie ungehorsam war. Aaron hatte sie dann aufgezogen. Die Braut des Monsters. Diese Kreatur war wahrlich Stoff für Alpträume. 
Und das alles hier war ein Alptraum. Wenn sie den heutigen Tag nicht nutzen würde, würde er sie vielleicht doch noch an Atlas vermählen. 
Beinahe unsicher glitt ihr Blick zurück zu Desmond. 

Desmond Aegidius

 
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#29
Gaia stellte mit einer gewissen Zufriedenheit fest, dass ihre mollige Nichte endlich keine Widerworte mehr gab und allem Anschein nach erkannt hatte, wo ihr Stand und vor allem, was ihr Zweck sei. Die erfahrene Matriarchin glaubte nicht daran, dass in Desmonds verdorbenen Kopf etwas anderes steckte als Watte und einzig sein Name war es, der ihn wertvoll für eine Vermählung mit ihrer Nichte gemacht hatte. Und auch nur mit Ceres, Vesta wäre zu schade für den Leibgardisten gewesen.
So musterte Gaia die andere Fuchsstute noch einen Moment nachdenklich, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die zukünftige Königin richtete, die nun endlich eine Magd dazu rief. “Tritt zur Seite, Ceres.”, schallte Gaia ihre Nichte und schnickte mit dem Kopf in ihre Richtung, ehe sie zufrieden beobachtete, wie die Magd Ceres’ Arbeit vollendete. Konnte dann ja nicht so schwer gewesen sein.

Mit einer ebensolchen Zufriedenheit erfüllte sie die Tatsache, dass Vesta sich keine Gedanken mehr um das gemeine Volk zu machen schien. Zu denken und sich Sorgen zu machen, oblag ihr schließlich auch nicht. Das war die Aufgabe des Königs und nicht eines närrischen Mädchens, dass die verlernt hatte zu träumen. So nickte Gaia nur schwach, als Ceres Vesta an ihre Aufgaben erinnerte - auch wenn Ceres selbst von dem, was sie da von sich gab, keine Ahnung hatte - und schob das Thema gedanklich damit auf die Seite.

“Es ist sehr löblich, dass du nicht zu spät sein möchtest. Aber du kommst als letztes zum Fest, das Volk…” oder auch der Pöbel “muss sich erst vollzählig einfinden. Und die Sonne steht auch noch nicht an ihrem höchsten Punkt.”, erklärte Gaia mit aufgesetzter Geduld und sah sich dann noch einmal nach ihrem Sohn um. Der stand immer noch am anderen Ende des See’s und unterhielt sich mit Juno. Als sich ihre Blicke trafen, setzte sich der große Hengst in Bewegung und kam in ihre Richtung - in einem Müßiggang, der Gaia fast zur Weißglut trieb.. “Euer Vater trifft hier in ein paar Minuten ein.”, damit Tiberius seine Tochter übergeben konnte. Wenn es nach Gaia ginge, würde sie als Familienoberhaupt diese Rolle einnehmen, aber man brach nicht mit Traditionen.

“Ceres, bleib bei deiner Schwester. Ich gehe schon einmal zur Steppe und schaue, ob die Bediensteten auch alles erledigt haben.”, denen musste man nämlich auch andauernd hinterher räumen und sie auf alle möglichen Kleinigkeiten aufmerksam machen. Die erfahrene Stute ließ ihren Blick noch einen Moment über die beiden jungen Damen gleiten, eher kontrollierend als wohlwollend, ehe sie sich abwandte und in einem bestimmten aber erhabenen Tempo in Richtung der Steppe entschwand.

Ceres & Vesta - geht vom See zur Steppe - anspielbar

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#30
Damhnait hatte früher immer geglaubt zu wissen, was Schönheit war. Als Fohlen war er mit großen Augen durch die Welt gegangen, hatte alles schön gefunden. Den Himmel, egal ob er strahlend blau oder von Gewitterwolken verhangen gewesen war. Den Wald, der in Valeria hauptsächlich aus Pinien bestanden hatte, die Glühwürmchen, die sich abends in eben jenem offenbart hatten und mit denen er um die Wette gestrahlt hatte. Der Goldjunge. Der seine Mutter immer angesehen hatte, mit ihrem schwarz-braunen Fell und den bernsteinfarbenen Augen, weil sie für ihn das schönste Geschöpf auf dieser Welt gewesen war. Er hatte sie geliebt. Aufrichtig. Mit einer Inbrunst, die Sunlit vielleicht sogar eifersüchtig gemacht hatte.
Heute war Schönheit etwas verqueres. Er fand sie nicht in der Unschuld ihrer Welt. Nicht in einem Sonnenaufgang, der das Land, in dem sie lebten, in lebendiges Feuer tauchte. Und auch nicht in der sanften Berührung des Regens, wenn er sich über sie entlud. Schönheit war schwer zu definieren und er fand es mittlerweile in den unvollkommenen Dingen und Geschöpfen. Selene Miles, zum Beispiel. Ihre Angst berührte etwas in Damhnait. Etwas, das bei jedem Treffen immer weiter zersprang und die Dunkelheit, die in seinem Herzen lebte, einen Weg nach außen wies. Und darin sah er Schönheit. Raue, ehrliche Schönheit. Er schluckte und wandte sich wieder dem Schecken zu.

Er war nicht zu schön. Nicht wie Sunlit, Vesta, Aarin… Damhnait dachte kurz über die Namen nach, versuchte das Muster zu erkennen, nachdem Briony dachte. Und er glaubte es zu verstehen, glaubte, dass es seinen eigenen Gedanken ähnlich war. Und dann fiel ihr Name. Der Goldjunge schluckte kurz, seine Nüstern blähten sich leicht, als könnte er die feine Note aus der Menge isolieren, die er an Nova wahrgenommen hatte. Ja, sie war nicht zu schön. Er hatte sie innerlich schon oft hässlich genannt - und doch war sie eines der schönsten Geschöpfe, das er kennenlernen durfte. Auch wenn ihre Wege sich nicht noch einmal gekreuzt hatten. “Ja, es tut weh, den Blick von ihr abzuwenden.”, sprach er leise und schloss für einen Moment die goldenen Augen, ehe er den Schecken wieder ansah. “Und gleichzeitig tut es weh, hinzusehen.”, fuhr er ehrlich fort und dachte dabei an die Geschichte, die Nova ihm erzählt hatte. An das, was sie erlebt hatte. Und an das, was sie dennoch verschwieg.

“Der König kam in deiner Aufzählung gar nicht vor.”, merkte der Geächtete an und neigte den Kopf leicht zur Seite. “Schön oder hässlich?”, fragte er den Narren, interessiert diesmal, selbst keine Antwort darauf findend. Nero war das Schwarz. Damhnait erkannte die Dunkelheit in ihm. Eine Dunkelheit, die selbst er fast fürchtete.

Briony - Steppe

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