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Die Legenden von Valeria, einst ein strahlendes Reich voller Pracht und Macht, sind nun nicht mehr als flüsternde Erinnerungen im Wind der Vergangenheit. Ein feuriger Zorn aus den Tiefen der Erde hat es verschlungen, ein Inferno, das Leben und Träume gleichermaßen zu Asche verbrannte. Du bist durch ein gnadenloses Land gezogen, warst ein Wanderer ohne Heimat, getrieben von der verzweifelten Suche nach einem neuen Morgen.


Die Schwachen zerbrachen auf diesem Weg, manche folgten dem Ruf der Verzweiflung und wendeten sich vom König ab.

Doch es gibt jene, deren Herzen ein unbezwingbares Feuer tragen – eine Hoffnung, die selbst die finsterste Nacht nicht ersticken kann. Bist du einer von ihnen? Oder haben die Schatten bereits Besitz von deiner Seele ergriffen?
Das Pass Into Oblivion ist ein textbasiertes Rollenspiel in welchem du in die Rolle eines Pferdes schlüpfst. Wir schreiben in einem plotbasierenden System und sind immer bemüht die Charaktere so tief wie möglich in die Geschichte zu integrieren und einen möglichst breiten Anschluss zu bieten. Schau dafür gerne einmal auf unserem Discord-Server vorbei!

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29.05.2026

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03.05.2026

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11.02.2025

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II. Unter dem Schleier der Pflicht
5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas
#1
II. Unter dem Schleier der Pflicht

Für die Familie Acillius läuft es in diesem Jahr ausgesprochen gut. Bereits im Herbst fand die Vermählung von Ceres und Desmond statt und nun, an diesem Tag, wurde die älteste Tochter Vesta mit Nero Valerius verheiratet. Der Adel ist aufgeregt. Eine neue Königin. Eine würdige Königin. Altes Blut, das mit ebenso altem Blut verbunden wurde. Heilig nennen die einen diese Verbindung - nötig, sagen die anderen. Das normale Volk ist Zwiegespalten, während manche sich nicht für die Herkunft der Königin interessieren, zweifeln andere an der Echtheit dieser Verbindung.
Doch wie echt war die Liebe im Königshaus jemals? Aurelian und Danae hatten vielleicht einen neuen Standard gesetzt und auch Nero, als er sich für Echo entschied. Doch die Tradition war stets eine andere gewesen. Die Enttäuschung über das Verschwinden der Königin war groß - zumindest unter den Pferden des gemeinen Volkes. Der Adel behauptet mittlerweile, dass er es hätte prophezeien können.
Also macht es in vielen - aber nicht allen - Augen Sinn, wieder zur gewohnten Tradition zurückzukehren. Weg von der Heirat aus Liebe hin zu der Heirat aus logischen Gründen. Für das reine Blut, das erhalten werden musste.

Wie stolz wäre wohl Gavríil auf diese Entwicklung?

Wir schreiben den 05. Tag des Spätherbstes. Bereits am Morgen gab es vereinzelte Schauer, aber am Vormittag zeigt sich das Wetter stabil. Die Sonne hat an Wärme verloren, aber es ist nicht unangenehm. Die Temperatur liegt bei 17°C, vereinzelt tröpfelt es aus dem sanften Wolkenschleier, durch den die Sonne dringt.
Am Mittag soll die Hochzeit stattfinden, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat. Langsam findet sich das Volk der Monarchie auf der Steppe ein, während die Familie der Braut noch mit ihr am See die letzten Vorbereitungen trifft. Der weiße Hirsch steht Seite an Seite mit einer braunen Hirschkuh am toten Baum und beobachtet das Spektakel aus der Ferne. Vielleicht ein gutes Omen?
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#2
Eine leise Genugtuung erfüllte Gaia seit dem Tag, an dem der König um Vesta angehalten hatte. Es war, als würde ein Plan, der schon immer existiert hatte, endlich aufgehen. Ihre Familie war - wieder - mit dem des Königshauses vereint. Der Schlick löste sich von dem reinen Blut und damit war der erste Schritt in eine glorreiche Zukunft getan. Es gab nicht viel, was Gaia im Moment störte. Nicht die Maßlosigkeit ihrer jüngsten Enkelin, die seit der Hochzeit mit Desmond Aegidius zugenommen zu haben schien, nicht die Unruhe, die sie aus Vesta’s Richtung spürte. Eigentlich gab es nur eines, was ihrem Ziel nun noch im Weg stand. Und das war Garrus. Der Sohn einer niederen Dirne, einer Hexe. Für Gaia war klar, dass der Junge verschwinden musste, damit das Königreich wieder aufblühen konnte. Damit ihr Erbe an die Macht kam und nicht dieser minderbemittelte Junge, der tagein, tagaus von Dingen sprach, für die ihr einfach das Verständnis fehlte. Silas hätte Echo am besten schon nach der Entführung getötet - dann wäre dieser schwächliche Schandfleck gar nicht erst auf die Welt gekommen. 
Über den anderen Bastard konnte die alte Stute im Moment hingegen fast gutmütig hinweg blicken. Er würde nie anerkannt werden und so wie er aussah, hatte er daran auch kein Interesse. Natürlich hatte sie sich trotzdem auch dafür bereits einen Plan zurechtgelegt - anders als Gavríil verließ sie sich nicht auf ihre eigenen Vermutungen. Doch solange der Bastard für den Schutz der Monarchie sorgte, in dem er im Zweifel sein eigenes Leben opferte, war Gaia geneigt, ihn zu akzeptieren. 

“Mach nicht so ein verkniffenes Gesicht.”, schnarrte die Acillius und reckte leicht das Kinn, während sie Vesta betrachtete. Ihre Enkeltochter war ohne Zweifel eine Schönheit - auf ihre Art. Vielleicht ein bisschen zu schlank, das Becken dürfte breiter sein für die zukünftigen Erben dieses Landes. Was Vesta zu wenig auf den Rippen hatte, hatte Ceres dafür zu viel. Kritisch glitt ihr Blick über ihre Enkelin, sagte jedoch nichts. “Sieh zu, dass du die losen Härchen noch geglättet bekommst.”, sagte sie in Ceres’ Richtung, die gerade dabei war, Vestas Mähne zu richten. Der Ton der alten Stute war dabei streng, beinahe etwas genervt, als würde sie mit einer Minderbemittelten sprechen. 
“Ich erwarte von euch Perfektion heute.”, wie eigentlich an jedem Tag. “Auch von dir.”, dabei sah sie wieder zu Ceres, dem plumperen der beiden Mädchen. “Und ich hoffe, dass du das lose Mundwerk deines Gatten heute besser im Griff hast, als beim letzten Mal. Diese unsägliche Selbstüberschätzung von diesem… Tor.”, Ja, Gaia hielt nicht viel von Desmond. Wohl aber von seinem Namen. Trotz seines Fehlverhaltens war er eine ausreichend gute Partie für ihre weniger schöne Enkelin. Anchor wäre auch noch akzeptabel gewesen, obwohl… dessen verdorbener Samen schien den Tod der Prinzessin zu verantworten. Also lieber nicht. Und da die Aegidius sonst quasi nicht mehr existent waren, Acolo sollte schließlich eine Miles heiraten - um Himmels Willen - war Desmond eben das Beste, was zu kriegen war. Er war immerhin der Retter des Königs. “Brauchst du noch Informationen darüber, was nach der Hochzeit auf dich zukommt?”, Ceres hatte es schließlich auch schon erlebt und offensichtlich überstanden. Sie glaubte nicht, dass Nero ein grober Partner war. Vesta sollte daraus kein Drama machen.

Vesta & Ceres - Am See

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#3
Eine der Strähnen wollte einfach nicht gerade liegen, egal wie sehr sie sich darum bemühte. Sie war seltsam kraus, erinnerte eher an ihre eigene Mähne als an die Seide, die an Vestas Hals herabhing. Und dennoch ließ diese eine unvollkommene Strähne sie heute lächeln. Sie verriet, dass sie irgendwo doch verwandt waren. Wenn man sie nebeneinander stehen sah, mochte man es kaum glauben. Aber diese eine vorwitzige Strähne...
Natürlich war das nur Gefühlsduselei. Eine wilde Strähne begünstigte ein wildes Äußeres, und ein wildes Äußeres war ein Zeichen von fehlender Kontrolle. Ihre Großmutter hatte ganz recht. Vesta war größer als Ceres, ragte über sie empor und sah jetzt schon aus wie eine Königin. Sie sah bezaubernd aus, mit dem lackschwarzen Fell und der schlanken Gestalt, aber es ging eben noch besser. Die ins Haar geflochtenen Blumen hätte es vielleicht nicht gebraucht, aber dennoch gab sich Ceres die Mühe, das nachzustellen, was die Dienstmädchen so sorgfältig geplant hatten. Wie hatte die eine noch gleich gehießen? Opal? Voller Vorfreude hatte sie gearbeitet und geplant. Es schickte sich natürlich nicht, dass eine niedere Magd einer werdenden Königin die Hochzeitszöpfe flochte, aber gestrahlt hätte sie gewiss, wenn man es ihr ermöglicht hätte. Und sie wäre darüber hinaus auch wesentlich schneller fertig gewesen. 

"Ja, Großmama", sagte Ceres und glättete die Strähne, die Vesta und sie als Familie brandmarkte.
Ihre Großmutter war heute besonders erpicht darauf, sie in voller Größe erstrahlen zu lassen. Ihre Kommentare waren bissig, vielleicht sogar etwas härter als sonst. Aber wer konnte es ihr verübeln? Heute musste alles perfekt sein. Alle Augen waren auf ihre Familie gerichtet, und Gaia sorgte sich um sie. Ohne ihre Hilfe wäre all das hier nie zustande gekommen, und es war gewiss schwer, die Kontrolle loszulassen, wenn man so lange für Zufriedenheit gesorgt hatte. Dennoch hielt Ceres inne, als der Name ihres Mannes fiel. 
"Er ist sehr von sich überzeugt, das stimmt." Wie er sich in die Brust geworfen hatte, als Ceres ihn beim Training angesprochen hatte. Unmöglich! Aber sie erinnerte sich auch an die Debatten, die sie abends führten. Daran, wie er den Kopf schieflegte und zuhörte, selbst wenn sie einen Standpunkt vertrat, der sich nicht mit dem seinen deckte. Wie er ihr neue Ideen gab und sie zum Nachdenken anregte, und an seine überraschende Zärtlichkeit, als sie...

"Aber er ist kein Tor."
Ihr Herz raste, doch ihre Stimme zitterte nicht.
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#4
Wahrscheinlich wäre es wohl auch ihre eigene Aufgabe gewesen, ihre Schwester zu mehr Geschick zu ermahnen. Immerhin stand ihr Aufstieg im Rang so nah, wie jeder Atemzug, den sie ein wenig zu hastig in die Kehle zog. Hatte Gaia Acillius es bereits vernommen, so musste es eine besondere Art von Gnade sein, die sie heute darüber hinwegsehen ließ, dass ihre sonst so adrette Enkelin nun den Nerven verfiel. Denn tatsächlich hatte die Nervosität Vesta nun doch übermannt. An Schlaf war nicht zu denken gewesen. Die letzte Nacht war in mehrerer Hinsicht ein Alptraum gewesen. Es war ein Wunder, dass ihre feinen Züge die Müdigkeit nicht verrieten.Ob ihre Genetik oder die gute Pflege durch ihre Bediensteten, sie sprach sicherheitshalber mehrere Dankessprüche an den lieben Herrn. 
Die Ankunft des heutigen Ereignisses, so freudig es auch war, raubte ihr sämtliche Kraft. Sie hätte nicht erwartet, dass dieser Wandel so vieles in ihr aufwühlen würde. Was war mit der Vorfreude geschehen, die ihre Gedanken an ihn seit ihrem gemeinsamen Tanz begleiteten? Tatsächlich hatten sie sich kaum noch gesehen. Natürlich war sie kein kleines Kind mehr und wusste, dass es dafür keine Notwendigkeit gegeben hatte. Es war immerhin beschlossene Sache. Was gab es noch zu reden? Dennoch hatte sie sich erhofft, nun, mehr von ihm zu sehen. Alleine. Und als sie dann in der gestrigen Nacht in kaltem Schweiß erwachte, hatte sie sich jemanden an ihrer Seite gewünscht. Irgendjemand, dem sie völlig offen und ohne die Maske tragen zu müssen, von all dem berichten konnte. Woher genau diese Ungeduld, diese Unsicherheit plötzlich kam, konnte sie nicht sagen. Da waren so viele Gründe, die dann doch alle zu klein und kläglich schienen. Zumindest für eine Acillius. 

Die Stimme ihrer Schwester holte sie aus ihrem Gedankensumpf. Richtig. Sie hätte Ceres wohl ermahnen sollen, sorgsamer, geschickter mit dem Haar der künftigen Königin zu sein. Aber nur für dieses eine, letzte Mal, wollte sie das Schimpfen ihrer Großmutter überlassen. Ohnehin war diese geübter darin. Wie sie so eloquent vorführte. 
Ob Ceres denn wusste, dass ihr kleiner Trotz das Herz ihrer Schwester etwas zu beruhigen vermochte? Es war das letzte Mal, dass sie es sein würde, die ihr bei Vorbereitungen half. Das letzte Mal, dass sie hier gemeinsam den endlosen Tadeln der roten Matriarchin unterlagen. Das letzte Mal in ihrem alten Leben. Gerade wollte die. gewohnte Nonchalance und kühle, erprobte Maske sich über ihre Züge legen, da stahl sich das Lächeln auf ihre Züge. "Er wählte dich zur Frau, Ceres. Er kann gewiss kein ganz so dummer Kerl sein. Nicht wahr, Großmutter?" Wie konnte man die Wahl einer Acillius jemals ins Lächerliche ziehen. 

Bei den nächsten Worten musste sie dann doch verlegen schlucken. Brauchte sie noch mehr zu wissen? Sie war keine Närrin. Das nötigste ließ man die feinen Damen natürlich wissen. Aber abseits der wohlgehüteten Gefilde hatte sie bereits mehr in Erfahrung gebracht als ihr lieb war. All diese, nun, Erzählungen, die in den Klatschgruppen ihrer Generation schelmisch abgetan wurden, erweckten andere Bilder in den Köpfen der jungen Mädchen. Natürlich gingen diese - sie schluckte - Fantasien auch nicht an ihr vorbei. Was letztlich wirklich der Wahrheit entsprach, würde wohl nur ihr Gatte zum Besten tragen können. "Nicht in jenen Angelegenheiten, Großmutter. Was aber, wenn das Volk mich verpönt? Mit Unsergleichen kann ich umgehen. Wie aber die Herzen jener gewinnen, die ich nicht verstehe." Kaum hatte sie es ausgesprochen, bangte sie um die bisherige Ruhe dieses familiären Momentes. "Ich meinte nur..." Die Herzen des Volkes waren gewiss nichts, was eine Acillius zu kümmern hatte. Auch, wenn sie bald eine Valerius sein würde. Diese kleine Unachtsamkeit, und lag sie nur in der Wortwahl, würde wohl nur unnütze Zweifel aufwerfen. Am Ende würde Gaia sie doch weniger aus den Augen lassen, als sie gehofft hatte. Oh Gott. Politikstunden? Sie hätte schweigen sollen.
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#5
Die dunklen Augen der alten Fuchsstute ruhten auf den Bemühungen ihrer jüngsten Enkeltochter und sie musste stark an sich halten, das ungeschickte Ding nicht beiseite zu schieben und diese wilde Strähne selbst zu bändigen. Gut, dass Ceres bereits verheiratet war, sonst würde sich Gaia spätestens bei dem Gezupfe sorge darum machen, ob sie das Mädchen überhaupt an den Mann bringen konnte. Zwar besaß sie denselben Rotton wie sie selbst im Fell, doch Ceres fehlte es bei weitem an ihrer Eleganz und Erhabenheit. Vielleicht würde das noch mit den Jahren kommen, vielleicht war bei ihr jedoch auch jede Mühe umsonst. Es gab einfach Frauen die besaßen es von Natur aus. Vesta zum Beispiel, oder Penthesilea. Und dann gab es noch die Bauerntrampel, wie Ceres, die egal wie sehr sie sich mühten, immer nur blass neben den anderen aussehen würden. 

Gaia wusste, dass sie heute ungnädig war. Es wäre nicht ihre Art gewesen zuzugeben, dass sie nervös war. Vermutlich würde diese Nervosität auch erst verschwinden, wenn Nero und Vesta endgültig vermählt wären, als fürchtete sie, dass auf den letzten Metern doch noch etwas schief gehen könnte. 
Die Matriarchin nickte schwach, als Ceres ihre Worte bestätigte und wandte kurz den Blick ab, als sie ihren Sohn sah, der auf der anderen Seite des See’s auf sie wartete und mit seiner Gattin sprach. Auch eine Miles. Aber eine der wenigen, die Anstand und Eleganz besaßen. Nur deswegen hatte sie ihm gestattet, Juno zu ehelichen. Außerdem war sie gewillt etwas von ihr zu lernen. 

Dann jedoch zog sich etwas in Gaia zusammen und ihre dunklen Augen schienen sich noch etwas mehr zu verschatten. Ceres gab ihr… Widerworte? Ihre Lippen waren zu einer strengen Linie gerade gezogen und ihre Stirn zog sich leicht zusammen. Und nicht nur das, ihre große Schwester mischte sich ebenfalls ein. Der Blick der alten Stute verschärfte sich und sie sah von Ceres zu der zukünftigen Königin. “Er ist ein Mann, meine Liebe. Er sieht  nur den Nutzen deiner Schwester - ein Schoss, der ihm Nachkommen schenken kann.”, ihre Stimme klang ruhig und zugleich lag eine Mahnung in ihr. Zu mehr würde Ceres auch nicht taugen. “Eure Existenz ist nicht von Bedeutung, wenn ihr ihnen keine Söhne schenkt.”, sie glaubten doch nicht tatsächlich an Liebe? Oder dass sie von Wert waren, wenn sie ihren Soll nicht erfüllten? Vesta würde ohne jener Pflicht bestimmt nicht ein Leben lang die Vorzüge als Königin genießen dürfen. Sie schnaubte, ehe ihr Blick sich wieder auf der widerspenstigen Strähne verfing. Keiner ihrer Enkelinnen würde sie zutrauen, sich selbst in dieser Welt wirklich behaupten zu können. 

Vestas Sorge, sie könne nicht das Herz des Volkes für sich gewinnen, ließ Gaia kaum merklich die Luft tiefer in ihre Lungen ziehen. Das einfältige Ding war immer so sehr darauf bedacht, allen zu gefallen - selbst jenen, die es nicht einmal Wert waren, den Dreck unter Gaias Hufen zu fressen. “Wenn du beständiger bist als die letzten beiden Königinnen, wirst du sie für dich gewinnen.”, erklärte Gaia mit ruhiger Stimme, als wäre es etwas völlig offensichtliches. “Du darfst deine Untertanen und deine Familie nicht im Stich lassen. Wie Echo.”, erklärte sie ihre Worte und ging dabei einmal um Vesta herum. “Und nicht rumhuren, wie Danae.”, ein kalter Hauch fuhr durch Gaias Stimme. “Beständigkeit schafft Vertrauen.”

Vesta & Ceres - Am See

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#6
Gleichwohl der Anlass dieser Zusammenkunft ein so freudiges Ereignis war, war das Herz der jungen Astoria schwer. Der Schmerz über den Verlust ihrer Mutter war noch immer frisch, er hatte sich durch ihr Bewusstsein gefressen und tauchte jeden Gedanken in ein melancholisches Blau, welches sie von sich selbst nicht gewohnt war. Heute hier zu stehen, an der Seite ihrer Schwester und ihres Vaters, die beide den selben Verlust wie sie selbst zu tragen hatten, kam ihr seltsam unreal vor. Vor allem, da Lucius und Eris ihn weitaus besser zu verkraften schienen als sie. Nicht dass sie nicht auch von Trauer erfüllt waren - im Gegenteil. Sie vermochten es nur besser auszuhalten. Nyke hob die Lider und warf einen vorsichtigen Blick hinauf in das Gesicht ihres Vaters. Dass seine Züge in den letzten Wochen an Härte gewonnen hatten, war ihr nicht entgangen. Ebenso wenig, dass die klugen Augen ihrer Schwester an Glanz eingebüßt hatten. Und genau das war es, was diese ganze Situation für sie so unerträglich machte. Der Schmerz ihrer Familie. Er summierte sich auf ihren Schultern. Und dennoch - hätte sie es gekonnt, sie hätte ihn vollkommen auf sich genommen, wenn dafür Eris und ihr Vater mit Leichtigkeit gesegnet worden wären.
Nyke unterdrückte ein Seufzen und löste den Blick von Lucius. Eigentlich hatte sie ihn in die Ferne schweifen lassen wollen, hin zu einem unbestimmten Punkt in dem er sich verlieren konnte bis ihre Augen schmerzten. Doch bevor sie dazu in der Lage war, streifte ein bekannter Geruch ihre Nüstern und veranlasste Nyke dazu, den Kopf unwillkürlich in jene Richtung zu drehen, aus welcher er zu ihr herangetragen worden war. 
Und ehe sie sich versah, hatte ihr Körper sich bereits in Bewegung gesetzt, einem unerklärlichen Impuls folgend.
"Ich bin gleich wieder zurück." Sie spürte den Blick ihres Vaters auf sich und es verwunderte sie selbst, dass er sie gehen ließ, ohne eine weitere Erklärung zu verlangen. Tatsächlich hegte Lucius schlicht die Hoffnung, dass seine Tochter für einen Moment aus ihrer Schwermütigkeit herausfand und ließ sie aus diesem Grunde ziehen.  Auch wenn es ihm nicht gänzlich behagte, dass es Aaron war, welchen sie anzusteuern schien.

"Hallo Aaron." Sie war in kurzer Entfernung zu ihm stehen geblieben, ein zartes Lächeln auf den Lippen, das jedoch von dem Ausdruck in ihren Augen Lügen gestraft wurde. Wie merkwürdig sich ihre Mundwinkel anfühlten. Spröde. Als hätten sie verlernt, wie was war, zu lachen. Erschreckend, wie schnell solche Dinge, die man tagtäglich tat, einem plötzlich fremdartig erschienen.
"Schön, dich zu sehen.", sprach sie schnell weiter um den Gedanken daran abzuschütteln. "Heute... ohne Verkleidung."

Lucius & Eris, dann Aaron

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#7
Wie schrieb man ein Gedicht über einen Mann, den man nicht kannte? Man konnte sich nur an dem Offensichtlichen orientieren. An der Farbe des Fells, der Augen oder an der Art, wie die Muse sich bewegte.
Gold, Gold, Gold...
Gold wie die Sonne. Viel zu einfältig. Der Wüstensand passte nicht. Vielleicht Gras, kurz bevor der Sommer sich verabschiedete und das Grün mit letzter Kraft zu Gelb verfärbte? Nein, zu negativ behaftet. Vertrocknetes Gras schmeckte nicht, und ein Gedicht über Damhnait sollte nicht negativ sein.

Damhnait tanzte nie mit ihnen.
Er hielt sich von den Festen des Volkes fern, aber das Besondere war, dass er sich von allen fernhielt. Er gehörte weder zum Volk noch zum Adel, entweder über alles erhaben oder untergeordnet. Wie Wolken, entschied Briony. Vergänglich, leicht zu zerschlagen, formbar, gold und strahlend, wenn die Sonne sie beschien, vielfältig und überraschend, wenn sie es nicht tat. Die Metaphern hatte er, jetzt brauchte er nur noch....
Briony trat ohne Scheu an die Seite des Goldenen, blieb stehen und musterte ihn ungehobelt. Er war groß und stattlich, aber wenn man den Gerüchten Glauben schenkte eben auch gefährlich. Briony warf einen Blick zu dem Volkssprecher, der sich umringt sah von anderen Persönlichkeiten, die mit ihm sprachen und lachten. Sunlit war alt, in Brionys Zählung sogar uralt, und trotzdem strahlte er noch. 
Was hast du gefressen, um dich so an den Jungen zu messen? 
Kurz summte er einen Ton zu dem Gedanken. Vielleicht machte er daraus ein neues Wiegenlied.

Sie alle freuten sich auf die Hochzeit. Briony war sie grundlegend egal. Er würde das tun, was er immer tat: ein Lied vor jenen singen, die nichts von Kunst verstanden, tanzen, damit sowohl die Trägen als auch die Scheuen sich trauten, und ein gestohlenes Gedicht zur ewigen Liebe zum Besten geben, das die hohen Herrschaften seit Jahrhunderten schätzten — ungeachtet dessen, dass es von dem Liebeslied einer Dirne abgekupfert worden war.
Ruckartig sah Briony zu Damhnait. 
"Du bist hässlicher als dein Vater." 

Damhnait

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#8
Es war eine Farce. Das er hier war. Dass er sich dieses Spektakel ansah und dass er überhaupt noch die gleiche Luft wie sie atmete. Schon als sie aus Valeria geflohen waren, hätte auch er fliehen sollen. Hätte dieses Land und seine Bewohner weit hinter sich lassen und sein Leben auf einem anderen Stück Land fortführen sollen. Aber nein, er blieb. Und warum?

Die goldenen Augen des jungen Hengstes ruhten einen Moment auf seinem Vater, der natürlich umgeben war von jenen, die ihn liebten. Auch er hatte ihn einst geliebt, hatte sich in seinem Licht gesonnt und den Boden verehrt, auf den Sunlit gegangen war. Bis diese Liebe einem Gefühl gewichen war, dass irgendwo zwischen Hass und Ekel pendelte. Damhnait verurteilte sich selbst, hatte sich selbst schon Schmerz zugefügt, um zu läutern. Und jetzt stand er hier, sah den Volkssprecher und wollte brechen. Der Kloß, der sich in seinem Hals bildete, war nur schwer zu schlucken. Der Hass, der in seinem Herzen loderte, etwas, das das Gold seiner Augen weiter verdunkelte. 
Damhnait bemerkte den Jungen, der sich an seine Seite stellte, doch er ignorierte ihn. Er war nicht hier, um gepflegte Konversationen zu führen, er wollte nur Vesta zeigen, dass er Anwesend war. Dass er an sie dachte und seine Unterstützung ihr gewiss war. Auch wenn ein Teil von ihm nicht glaubte, dass das von Bedeutung für die dunkle Königin war. 

Briony zwang ihn trotzdem, den Blick von seinem Vater abzuwenden und ihn einen Moment anzustarren, die Worte, die der Tölpel sagte, vage wahrnehmend. “Ist das so?”, fragte der Goldjunge mit einem leichten Runzeln seiner hellen Stirn. “Du würdest dich wundern, wie hässlich er sein kann.”, er drehte seinen Kopf in einer vogelartigen Geste zur Seite und senkte ihn leicht, als könnte er den kleinen Hengst so besser sehen. “Wie komme ich nun zu dieser herzlichen Beleidigung?”, fragte er mit monotoner Stimme, während sich seine Augen in das fleckige Fell des Komikers bohrte. 

BRIONY - STEPPE

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#9
Gelangweilt verharrte er am Rande ihres Familienreviers. Selbst diese milden Grade quälten ihn bereits und so hatte er es sich an einem der hohen Bäume zunächst bequem gemacht. Ein Bein entlastend, lehnte er also an dem rauen Stamm. Das Haupt leicht schräg, die Augen abwesend in die Ferne gewandt, blickte er erst nach wiederholter Ermahnung in die Richtung seiner Sippe. 
"Habt ihrs endlich?" Nicht, dass er sich so sehr auf das große Ereignis, das Spektakel des Jahres freute. Allerdings wusste er besseres mit seiner Zeit anzufangen als dabei zuzusehen, wie man seiner Schwester und Cousine tote Blumen ins Haar steckte. Grunzend löste er sich von seinem Platz und marschierte in Richtung der dunkleren der beiden. 
Es war ungewohnt, die Kriegerin wieder so häufig anzutreffen. Seit sie ihren Weg zurück zur Herde gefunden hatte, waren sie nicht oft in Konversation gewesen. Allerdings war da ohnehin eine gewisse Verstandenheit, die keiner Worte bedarf. Also stellte er sich direkt vor Khione und blickte argwöhnisch auf das Kunstwerk in dem seidenen Langhaar. "Du siehst lächerlich aus." Oh, er wusste, wie sehr sein Vater darauf bestand, alle Damen des Hauses zu präsentieren. Ob als Braut auf den Markt den Haien zum Fraß vorgeworfen oder schlichtweg als Trophäe des Hauses. Als Symbol des hervorragenden Erbgutes. Aber das hier?
"Das ist absurd. Sie ist ein Krieger. Muss die Scheiße wirklich sein? Nehmt ihr den Dreck aus den Haaren." 
"Mein Herr. Euer Vater und Onkel..." Noch bevor die Magd enden konnte, rollte er mit den Augen und wandte sich von ihnen ab. 
Wo zur Hölle war der Rest seiner Familie? Kaum wollte er sich nach ihnen erkundigen, grölte Dracerion selbst bereits mit seiner rollenden Stimme, brüchig und kratzend, ihnen entgegen. Sie seien ohnehin zu spät. 

Gott. Er konnte sich nichts schlimmeres vorstellen als das hier. Musste er sich wieder mit einer der ledigen Töchter zeigen? Vielleicht würde er diesmal Gaia zum Tanz auffordern. Als Spektakel vor dem Ableben der alten Generation. Ihm gefiel der Gedanke. Fast symbolisch. Vielleicht würde er ihn in die Tat umsetzen. Immerhin hatte ihre Enkelin endlich einen Gatten gefunden, nach ihrem letzten Auftritt mit Karthago. Eindeutig musste er dazu beigetragen haben. 
Karthago der Glücksbringer. 
"Sollen wir endlich, Khione?" drängte er an die schwarze Drachenwelpin, um ihr eine Reaktion zu entlocken. Er würde nicht weiter auf den Rest warten und begann seinen Weg in Richtung der Steppe.

Khione Dracas - Dracas Revier zur Steppe

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