„Starr nicht so“, ermahnte sie Lucian sanft, während sie dabei zusah, wie Aaron Miles drohte dem Herz ihrer Schwester eine weitere Wunde zuzufügen. Als sie bemerkte, dass sie das ungleiche Paar ebenfalls taxierte, löste sie sich quälend langsam von dem Anblick.
„Wir müssen ihm zugestehen, dass er in all den Jahren ihrer Bekanntschaft nicht ein einziges Mal versucht hat, ihrem Körper oder ihrer Ehre zu schaden.“ Was sehr niedrige Ansprüche waren, dem war sie sich durchaus bewusst. An ihr nagte außerdem zunehmend die Sorge, dass ihre Schwester glauben könnte, den anderen retten zu müssen. Es war nicht so, dass sie kein Mitleid mit dem Jungen hatte, aber das bedeutete nicht, dass sie ihn automatisch von all den Grausamkeiten freisprach, die er begangen hatte. Wenn er einen Helden brauchte, dann sollte das nicht ihre Schwester sein.
„Sie ist in einem Alter, in dem sie ihre eigenen Fehler machen muss“, sprach sie dennoch und führte sie taktvoll von den beiden fort. „Wenn sie fällt, werden wir da sein.“ So, wie sie es immer gewesen waren. Es gab keine Welt, in der Nyke ihr gebrochenes Herz alleine heilen musste, und wenn sie diese Freundschaft eingehen wollte, dann sollte sie dies tun. Es war ihre Entscheidung, und auch wenn Eris befürchtete, schon genau zu wissen, wie diese enden würde, glaubte sie auch, dass der Punkt erreicht war, ihrer Schwester etwas mehr Freiraum zu gestatten.
Ihr Vater widersprach dem. Vielleicht hatte er aber auch recht, und es war ein ungünstiger Zeitpunkt für Eris Überlegungen. Sie trauerten. Die ganze Familie tat das, und aus eigener Erfahrung wusste sie, wie leicht man sich in dem eigenen Schmerz verlor und gesunde Vorsicht vergaß, um etwas zu erleben, das einen wieder fühlen ließ. Andererseits war es auch an der Zeit, dem jüngsten Mitglied der Familie mehr Vertrauen zu schenken. Nyke war nicht dumm, sie war bloß traurig. Eris sorgte sich mehr um Lucian.
Sie war dankbar, dass er sie heute begleitete. Um nichts auf der Welt hatte sie diese Feier verpassen wollen. Die Verbindung, der sie heute beiwohnen durften, war vermutlich nicht aus Liebe geschlossen worden, auch wenn sie es den beiden Parteien von Herzen wünschte. Es war dennoch ein erfreuliches Ereignis, ein Beisammensein, in dem sie alle gemeinsam hoffnungsvoll in die Zukunft blickten.
Um ihren verstorbenen Verlobten zu ehren, hatte Eris sich tiefrote Dahlien in die Mähne stecken lassen. Sie sahen so finster aus wie die Dunkelheit, die drohte, sie zu verschlucken. Um sie zu bannen, hätte Eris gerne etwas lebhaftere Farben getragen, aber es fühlte sich falsch an. Jedes Lachen ohne ihn fühlte sich falsch an.
„Danke, dass du …“
Es war wohl nur Amatas schnellen Reflexen zu verdanken, dass sie nicht zusammenstießen und sich Prellungen zuzogen, die sie die nächsten Tage geärgert hätten. Eris schmunzelte.
„Hallo, Liebes“, antwortete sie, als zwischen ihnen eine kleine Blume herabsegelte. Die Aegidies war trotz ihrer wachsenden Fähigkeiten als Heilerin sehr nervös. Eris ging davon aus, dass es daran lag, dass sie sich sorgte, noch nicht genug beizutragen, aber das waren natürlich unbegründete Ängste.
„Darf ich?“, fragte sie, nahm die gefallene Blüte zwischen ihre Zähne und steckte sie der hübschen Stute zurück in den Schopf. „Sehr schön, nicht wahr, Lucian?“
„Wir müssen ihm zugestehen, dass er in all den Jahren ihrer Bekanntschaft nicht ein einziges Mal versucht hat, ihrem Körper oder ihrer Ehre zu schaden.“ Was sehr niedrige Ansprüche waren, dem war sie sich durchaus bewusst. An ihr nagte außerdem zunehmend die Sorge, dass ihre Schwester glauben könnte, den anderen retten zu müssen. Es war nicht so, dass sie kein Mitleid mit dem Jungen hatte, aber das bedeutete nicht, dass sie ihn automatisch von all den Grausamkeiten freisprach, die er begangen hatte. Wenn er einen Helden brauchte, dann sollte das nicht ihre Schwester sein.
„Sie ist in einem Alter, in dem sie ihre eigenen Fehler machen muss“, sprach sie dennoch und führte sie taktvoll von den beiden fort. „Wenn sie fällt, werden wir da sein.“ So, wie sie es immer gewesen waren. Es gab keine Welt, in der Nyke ihr gebrochenes Herz alleine heilen musste, und wenn sie diese Freundschaft eingehen wollte, dann sollte sie dies tun. Es war ihre Entscheidung, und auch wenn Eris befürchtete, schon genau zu wissen, wie diese enden würde, glaubte sie auch, dass der Punkt erreicht war, ihrer Schwester etwas mehr Freiraum zu gestatten.
Ihr Vater widersprach dem. Vielleicht hatte er aber auch recht, und es war ein ungünstiger Zeitpunkt für Eris Überlegungen. Sie trauerten. Die ganze Familie tat das, und aus eigener Erfahrung wusste sie, wie leicht man sich in dem eigenen Schmerz verlor und gesunde Vorsicht vergaß, um etwas zu erleben, das einen wieder fühlen ließ. Andererseits war es auch an der Zeit, dem jüngsten Mitglied der Familie mehr Vertrauen zu schenken. Nyke war nicht dumm, sie war bloß traurig. Eris sorgte sich mehr um Lucian.
Sie war dankbar, dass er sie heute begleitete. Um nichts auf der Welt hatte sie diese Feier verpassen wollen. Die Verbindung, der sie heute beiwohnen durften, war vermutlich nicht aus Liebe geschlossen worden, auch wenn sie es den beiden Parteien von Herzen wünschte. Es war dennoch ein erfreuliches Ereignis, ein Beisammensein, in dem sie alle gemeinsam hoffnungsvoll in die Zukunft blickten.
Um ihren verstorbenen Verlobten zu ehren, hatte Eris sich tiefrote Dahlien in die Mähne stecken lassen. Sie sahen so finster aus wie die Dunkelheit, die drohte, sie zu verschlucken. Um sie zu bannen, hätte Eris gerne etwas lebhaftere Farben getragen, aber es fühlte sich falsch an. Jedes Lachen ohne ihn fühlte sich falsch an.
„Danke, dass du …“
Es war wohl nur Amatas schnellen Reflexen zu verdanken, dass sie nicht zusammenstießen und sich Prellungen zuzogen, die sie die nächsten Tage geärgert hätten. Eris schmunzelte.
„Hallo, Liebes“, antwortete sie, als zwischen ihnen eine kleine Blume herabsegelte. Die Aegidies war trotz ihrer wachsenden Fähigkeiten als Heilerin sehr nervös. Eris ging davon aus, dass es daran lag, dass sie sich sorgte, noch nicht genug beizutragen, aber das waren natürlich unbegründete Ängste.
„Darf ich?“, fragte sie, nahm die gefallene Blüte zwischen ihre Zähne und steckte sie der hübschen Stute zurück in den Schopf. „Sehr schön, nicht wahr, Lucian?“



