Interessant. Es hätte ihn auch gewundert, wenn er sich auch nur ansatzweise gewandelt hätte. Spartacus war noch immer der störrische, arrogante Esel von früher. Ungehobelt und um keine Unverschämtheit verlegen. Rhuen kam um ein schiefes Lächeln nicht umhin, als der dunkle Fuchs sich näherte und sich immerhin überwinden konnte, seinen Namen auszusprechen. Welch Privileg. Aber irgendwie empfand er die Anwesenheit des Licinisnachkommen gewissermaßen doch fast als angenehm - auch wenn er das natürlich niemals offen aussprechen würde. Die letzten Monate waren geprägt von Leid und Verlust. Umso zufriedenstimmender war die Tatsache, dass es zumindest Spartacus gut ergangen war über die lange Zeit. Auch wenn sie sich sicherlich wieder bei der nächsten Unstimmigkeit gegenseitig die Rüben einschlagen würden. Aber das war schon okay. Es gehörte traditionell zum guten Ton der beiden, auch wenn heute sicherlich nicht der richtige Tag für den nächsten unbedeutsamen Kleinkrieg war. Anchor würde ihnen so dermaßen den Arsch aufreißen, dass sie vermutlich die nächsten drei Tage nichts zu essen bekamen und kurz davor stehen würden ins Licht zu gehen.
Und wenn er ehrlich sein sollte... Rhuen war sogar gewissermaßen dankbar, dass Spartacus gerade da war. Weil er für einen kurzen Augenblick nach Wochen nicht über dieses eine Thema grübelte. Sein Bruder, der inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst war. Für einen Außenstehenden mochte seine Sichtweise ein wenig melodramatisch klingen - umso besser, dass er mit noch niemandem darüber gesprochen hatte... Aber für ihn war Stück für Stück über die Zeit seine kleine eigene Welt zerbrochen. Meine Sonne und mein Mond hatten sie sie genannt, als Danae wie auch Kyra mit Obsidian und ihm gesprochen hatten, als sie noch kleine, hilflose Kinder waren. Tja. Und jetzt? Richtig. Sein Spiegelbild war zerbrochen. Er könnte ihn kaum noch ansehen, ohne Groll, Frust und Wut zu verspüren, während da auf der Gegenseite nicht viel mehr war als Nichts.
Er verbannte seine Gedanken augenblicklich, versuchte es zumindest, mehr oder doch weniger erfolgreich. Es war unterschwellig immer da. Seine Blicke wanderten recht unbegeistert über die Menge, wenngleich das Spektakel ihrer Gesellschaft Leben und einigen unter ihnen sogar Freude einzuhauchen schien. Die Männer standen auf ihre Weise herausgeputzt in ihren Reihen, und die Frauen gaben ein beinahe märchenhaftes Bild ab, wie sie da tanzten mit ihrer blütenreichen eingeflochtenen Haarpracht. Rhuen hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, dort wo er herkam.
Für einen Augenblick nur hing seine Aufmerksamkeit auf dem zarten, braunen Körper seiner Freundin aus Kindheitstagen. Dass Lea nicht mit Spartacus verheiratet wurde, wunderte ihn zugegebenermaßen sehr. Streng und sachlich genommen war er doch mitunter die erste Wahl, wenn es um diesen Blödsinn ging, irgendwelche Familien aneinanderzuschweißen, schließlich floss gleichermaßen Valerius- wie auch Liciniusblut durch seine Adern. Dass sie sich mochten, war schon so lange Zeit offenkundig gewesen - und jetzt wurde sie urplötzlich mit diesem sonderbaren Acilliustorfkopf verheiratet. Vielleicht hatte ja auch irgendein Trottel kurzerhand beschlossen, dass sie nicht gut genug und seines Erbes nicht würdig war. Sie tat Rhuen leid. Sogar Spartacus tat Rhuen leid. Auch wenn er es sich schenkte, das je auszusprechen.
"Und? Beschissen oder richtig beschissen?"
Er wandte den Blick von den Feierlichkeiten ab, besah sich für einen kurzen Moment sorgsam prüfend ihrer Umgebung, bis schließlich flüssiges Gold auf purpurnes Blutrot traf.
Und wenn er ehrlich sein sollte... Rhuen war sogar gewissermaßen dankbar, dass Spartacus gerade da war. Weil er für einen kurzen Augenblick nach Wochen nicht über dieses eine Thema grübelte. Sein Bruder, der inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst war. Für einen Außenstehenden mochte seine Sichtweise ein wenig melodramatisch klingen - umso besser, dass er mit noch niemandem darüber gesprochen hatte... Aber für ihn war Stück für Stück über die Zeit seine kleine eigene Welt zerbrochen. Meine Sonne und mein Mond hatten sie sie genannt, als Danae wie auch Kyra mit Obsidian und ihm gesprochen hatten, als sie noch kleine, hilflose Kinder waren. Tja. Und jetzt? Richtig. Sein Spiegelbild war zerbrochen. Er könnte ihn kaum noch ansehen, ohne Groll, Frust und Wut zu verspüren, während da auf der Gegenseite nicht viel mehr war als Nichts.
Er verbannte seine Gedanken augenblicklich, versuchte es zumindest, mehr oder doch weniger erfolgreich. Es war unterschwellig immer da. Seine Blicke wanderten recht unbegeistert über die Menge, wenngleich das Spektakel ihrer Gesellschaft Leben und einigen unter ihnen sogar Freude einzuhauchen schien. Die Männer standen auf ihre Weise herausgeputzt in ihren Reihen, und die Frauen gaben ein beinahe märchenhaftes Bild ab, wie sie da tanzten mit ihrer blütenreichen eingeflochtenen Haarpracht. Rhuen hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, dort wo er herkam.
Für einen Augenblick nur hing seine Aufmerksamkeit auf dem zarten, braunen Körper seiner Freundin aus Kindheitstagen. Dass Lea nicht mit Spartacus verheiratet wurde, wunderte ihn zugegebenermaßen sehr. Streng und sachlich genommen war er doch mitunter die erste Wahl, wenn es um diesen Blödsinn ging, irgendwelche Familien aneinanderzuschweißen, schließlich floss gleichermaßen Valerius- wie auch Liciniusblut durch seine Adern. Dass sie sich mochten, war schon so lange Zeit offenkundig gewesen - und jetzt wurde sie urplötzlich mit diesem sonderbaren Acilliustorfkopf verheiratet. Vielleicht hatte ja auch irgendein Trottel kurzerhand beschlossen, dass sie nicht gut genug und seines Erbes nicht würdig war. Sie tat Rhuen leid. Sogar Spartacus tat Rhuen leid. Auch wenn er es sich schenkte, das je auszusprechen.
"Und? Beschissen oder richtig beschissen?"
Er wandte den Blick von den Feierlichkeiten ab, besah sich für einen kurzen Moment sorgsam prüfend ihrer Umgebung, bis schließlich flüssiges Gold auf purpurnes Blutrot traf.



