Vor 9 Stunden
Ihr Fehler war offensichtlich, noch bevor ihre Schwester ihr töricht beipflichtete und glaubte, ihr damit zu helfen. Ceres’ zorniger Blick bohrte sich in den Vestas, aber es war bereits zu spät. Vesta hatte einen einfachen Kommentar — den verzweifelten Versuch, die Qualitäten ihres Ehemannes hervorzubringen — zu etwas Persönlichem gemacht. Ceres wusste, was ihre Großmutter sagen würde, noch bevor sie den Mund öffnete. Die Worte ließen sie dennoch beschämt den Blick senken.
Es war nicht so, dass sie sich etwas anderes erhofft hätte. Sie wusste all diese Dinge, und dennoch arbeitete sie schweigend weiter, glättete endlich diese verdammte Strähne und lauschte mit abgeklappten Ohren den Worten von Gaia Acillius. Sie hatte natürlich recht. Vesta und sie galten als Investitionen, ebenso wie die schöne Achilleas, Neptuns baldige Braut. Wenn sie sich nicht als würdig erwiesen und nicht hielten, was ihr Anblick versprach, waren sie wertlos. Die Schande, die dies über ihre Familie bringen würde, war kaum in Worte zu fassen, denn was tat man mit einer Dame, die nicht funktionierte?
Desmond hatte seinen Teil ihrer Abmachung bereits erfüllt: Er hatte sie im Stand erhoben. Ceres war nicht länger unverheiratet und mittellos, sie war nun eine Aegidius. Sie kam nicht als schwarzes Schaf der Familie zu dieser Hochzeit, sondern als Stütze, die ihre Hochzeit und ihre erste Nacht bereits hinter sich hatte und mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte. Aber sie hatte Desmond noch keine Erben geschenkt, und das war es, wozu sie da war. Sie, Vesta und Penthesilea — allesamt hatte man sie gleichzeitig mit dem Ruf der Acillius-Linie betraut. Ceres hatte sich nie Sorgen um ihre Fähigkeiten diesbezüglich gemacht. Wieso auch, wenn es bei ihr schon daran scheiterte, die Aufmerksamkeit eines Herren zu erwecken? Diese Sorgen waren nun jedoch Geschichte, und damit kehrten andere Ängste in ihr Leben ein. Denn Desmond sollte nicht leer ausgehen. Das hatte er gewiss nicht verdient.
Ceres war gerade dabei, zurückzutreten, als ihre Schwester sich einen weiteren Fehltritt erlaubte und vom Pöbel sprach, als gehöre er zu einem der Hochzeit beiwohnendem Ehrengast.
Ceres erstarrte. Dann freute sie sich.
Der Zorn ihrer Großmutter würde nun unweigerlich auf ihrer Schwester lasten. Das änderte selbstverständlich nichts an der Thematik, die Vesta dort ansprach und Sorge bereitete. Denn natürlich löste es Sorge in Ceres aus.
Vesta war schon immer eine Träumerin gewesen. Trotz ihrer anmutigen Gestalt trat sie über die Grenzen der Etikette hinweg, als wären diese schlicht Vorschläge und keine fest verankerten Mauern, die es niemals zu überwinden galt. Warum hegte ihre Schwester überhaupt den Gedanken, mit dem Volk zu sprechen?
Und dann erinnerte Ceres sich an goldenes Fell und das Lächeln ihrer Schwester. Sie hatte es vergessen. Desmond's Aufmerksamkeiten und was sie versprachen hatte ihren Fokus auf sie selbst gelenkt. Hier und heute und nach diesen Worten fiel ihr jedoch mit einem Schlag wieder ein, was sie auf der Verlobungsfeier beobachtet hatte.
Ohne Scheu hatten sie sich unterhalten, hatten sich gar dazu hinreißen lassen, in aller Öffentlichkeit eine Konversation zu führen. Respekt und Verehrung gegenüber ihrer Schwester waren nur angemessen, aber so viel Zeit mit dem Pöbel zu verbringen und dann auch noch das Ohr in die Richtung einer so bedenklichen Gestalt, wie Damhnait es eine war, zu drehen, war unverzeihlich.
Das Volk würde reden. Das war es, worüber ihre Schwester sich Sorgen machen sollte: über das zu breite Lächeln, und einen zu sanften Blick in die Richtung eines Mannes, der sie eigentlich nicht zu interessieren hatte. Gott allein wusste, was Vesta in dem verkommenen Sohn des Volkssprechers sehen mochte. Aber was auch immer sich zwischen ihnen entwickelte oder entwickelt hatte — damit war jetzt Schluss. Es würden nur ein paar Gespräche mit ihr, Tuana und Asariel nötig sein, dann wäre sie nicht nur in den richtigen Kreisen etabliert, sie würde den goldenen Narren auch schnell vergessen, ebenso wie ihre törichten Gedanken gegenüber dem Volk.
"Der König war lange Zeit zerrissen zwischen dem rechten Weg und der Ideologie seiner Frau", sagte sie. Es wäre kaum möglich, noch mehr zu enttäuschen als die alte Königin. "Du wirst ihn im Gegensatz mit Erben und Treue stützen, und er wird sich um sein Volk und dessen Meinung sorgen." Und Vesta würde alldem fernbleiben: dem Volk und der Versuchung, die es in ihr auszulösen schien.
Es war nicht so, dass sie sich etwas anderes erhofft hätte. Sie wusste all diese Dinge, und dennoch arbeitete sie schweigend weiter, glättete endlich diese verdammte Strähne und lauschte mit abgeklappten Ohren den Worten von Gaia Acillius. Sie hatte natürlich recht. Vesta und sie galten als Investitionen, ebenso wie die schöne Achilleas, Neptuns baldige Braut. Wenn sie sich nicht als würdig erwiesen und nicht hielten, was ihr Anblick versprach, waren sie wertlos. Die Schande, die dies über ihre Familie bringen würde, war kaum in Worte zu fassen, denn was tat man mit einer Dame, die nicht funktionierte?
Desmond hatte seinen Teil ihrer Abmachung bereits erfüllt: Er hatte sie im Stand erhoben. Ceres war nicht länger unverheiratet und mittellos, sie war nun eine Aegidius. Sie kam nicht als schwarzes Schaf der Familie zu dieser Hochzeit, sondern als Stütze, die ihre Hochzeit und ihre erste Nacht bereits hinter sich hatte und mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte. Aber sie hatte Desmond noch keine Erben geschenkt, und das war es, wozu sie da war. Sie, Vesta und Penthesilea — allesamt hatte man sie gleichzeitig mit dem Ruf der Acillius-Linie betraut. Ceres hatte sich nie Sorgen um ihre Fähigkeiten diesbezüglich gemacht. Wieso auch, wenn es bei ihr schon daran scheiterte, die Aufmerksamkeit eines Herren zu erwecken? Diese Sorgen waren nun jedoch Geschichte, und damit kehrten andere Ängste in ihr Leben ein. Denn Desmond sollte nicht leer ausgehen. Das hatte er gewiss nicht verdient.
Ceres war gerade dabei, zurückzutreten, als ihre Schwester sich einen weiteren Fehltritt erlaubte und vom Pöbel sprach, als gehöre er zu einem der Hochzeit beiwohnendem Ehrengast.
Ceres erstarrte. Dann freute sie sich.
Der Zorn ihrer Großmutter würde nun unweigerlich auf ihrer Schwester lasten. Das änderte selbstverständlich nichts an der Thematik, die Vesta dort ansprach und Sorge bereitete. Denn natürlich löste es Sorge in Ceres aus.
Vesta war schon immer eine Träumerin gewesen. Trotz ihrer anmutigen Gestalt trat sie über die Grenzen der Etikette hinweg, als wären diese schlicht Vorschläge und keine fest verankerten Mauern, die es niemals zu überwinden galt. Warum hegte ihre Schwester überhaupt den Gedanken, mit dem Volk zu sprechen?
Und dann erinnerte Ceres sich an goldenes Fell und das Lächeln ihrer Schwester. Sie hatte es vergessen. Desmond's Aufmerksamkeiten und was sie versprachen hatte ihren Fokus auf sie selbst gelenkt. Hier und heute und nach diesen Worten fiel ihr jedoch mit einem Schlag wieder ein, was sie auf der Verlobungsfeier beobachtet hatte.
Ohne Scheu hatten sie sich unterhalten, hatten sich gar dazu hinreißen lassen, in aller Öffentlichkeit eine Konversation zu führen. Respekt und Verehrung gegenüber ihrer Schwester waren nur angemessen, aber so viel Zeit mit dem Pöbel zu verbringen und dann auch noch das Ohr in die Richtung einer so bedenklichen Gestalt, wie Damhnait es eine war, zu drehen, war unverzeihlich.
Das Volk würde reden. Das war es, worüber ihre Schwester sich Sorgen machen sollte: über das zu breite Lächeln, und einen zu sanften Blick in die Richtung eines Mannes, der sie eigentlich nicht zu interessieren hatte. Gott allein wusste, was Vesta in dem verkommenen Sohn des Volkssprechers sehen mochte. Aber was auch immer sich zwischen ihnen entwickelte oder entwickelt hatte — damit war jetzt Schluss. Es würden nur ein paar Gespräche mit ihr, Tuana und Asariel nötig sein, dann wäre sie nicht nur in den richtigen Kreisen etabliert, sie würde den goldenen Narren auch schnell vergessen, ebenso wie ihre törichten Gedanken gegenüber dem Volk.
"Der König war lange Zeit zerrissen zwischen dem rechten Weg und der Ideologie seiner Frau", sagte sie. Es wäre kaum möglich, noch mehr zu enttäuschen als die alte Königin. "Du wirst ihn im Gegensatz mit Erben und Treue stützen, und er wird sich um sein Volk und dessen Meinung sorgen." Und Vesta würde alldem fernbleiben: dem Volk und der Versuchung, die es in ihr auszulösen schien.



