Vor 8 Stunden
II. Unter dem Schleier der Pflicht
Für die Familie Acillius läuft es in diesem Jahr ausgesprochen gut. Bereits im Herbst fand die Vermählung von Ceres und Desmond statt und nun, an diesem Tag, wurde die älteste Tochter Vesta mit Nero Valerius verheiratet. Der Adel ist aufgeregt. Eine neue Königin. Eine würdige Königin. Altes Blut, das mit ebenso altem Blut verbunden wurde. Heilig nennen die einen diese Verbindung - nötig, sagen die anderen. Das normale Volk ist Zwiegespalten, während manche sich nicht für die Herkunft der Königin interessieren, zweifeln andere an der Echtheit dieser Verbindung.
Doch wie echt war die Liebe im Königshaus jemals? Aurelian und Danae hatten vielleicht einen neuen Standard gesetzt und auch Nero, als er sich für Echo entschied. Doch die Tradition war stets eine andere gewesen. Die Enttäuschung über das Verschwinden der Königin war groß - zumindest unter den Pferden des gemeinen Volkes. Der Adel behauptet mittlerweile, dass er es hätte prophezeien können.
Also macht es in vielen - aber nicht allen - Augen Sinn, wieder zur gewohnten Tradition zurückzukehren. Weg von der Heirat aus Liebe hin zu der Heirat aus logischen Gründen. Für das reine Blut, das erhalten werden musste.
Wie stolz wäre wohl Gavríil auf diese Entwicklung?
Wir schreiben den 05. Tag des Spätherbstes. Bereits am Morgen gab es vereinzelte Schauer, aber am Vormittag zeigt sich das Wetter stabil. Die Sonne hat an Wärme verloren, aber es ist nicht unangenehm. Die Temperatur liegt bei 17°C, vereinzelt tröpfelt es aus dem sanften Wolkenschleier, durch den die Sonne dringt.
Am Mittag soll die Hochzeit stattfinden, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat. Langsam findet sich das Volk der Monarchie auf der Steppe ein, während die Familie der Braut noch mit ihr am See die letzten Vorbereitungen trifft. Der weiße Hirsch steht Seite an Seite mit einer braunen Hirschkuh am toten Baum und beobachtet das Spektakel aus der Ferne. Vielleicht ein gutes Omen?



