5. Spätherbst 83, Ganzer Tag | Steppe | Schicksalsschlag, Nero Valerius, Gaia Acillius, Ceres Aegidius, Vesta Valerius, Nyke Astoria, Briony, Damhnait, Karthago Dracas, Khione Dracas, Aarin Miles, Aaron Miles, Sayyirah
Und dann sah er es. Dieses blutjunge Ding mit seiner zu auffällig üppigen Rundung, um noch länger übersehen und abgetan zu werden. Karthago fand sich selbst des öfteren als lieblos, brutal. So seelenlos aber wie Dracerion Dracas, würde er niemals sein.
Er blieb stehen, ließ die braune Stute passieren und sah ihr noch eine Weile nach wie sie sich auf jenem Weg befand, den er und Khione so eben zurückgelegt hatten.
Aus gerümpften Nasenlöchern jagte ein Raunen und er bedeutete seiner Cousine mit einem Kopfnicken in Richtung der schwangeren Jungstute. "Vergleicht man mich mit dem alten wahnsinnigen, der unser reueloses Haus noch führt, treffen deine Worte wohl zu Cousine und ich bin für wahr ein liebes Ding." Er spuckte seinen Frust auf den Boden.
Einige unbeteiligte rauschten hastig an den beiden dunklen Gestalten vorbei. Vielleicht würde der Drachen gleich tatsächlich endlich Feuer speien.
"Von wegen Tradition. Wie alt wird dieses Kind schon sein? Und er pflanz ein weiteres in ihren Bauch. Wie kriegt er überhaupt noch einen hoch."
Jetzt wünschte er sich, er hätte die Schläge aus der Hand seines Vaters doch vergönnt. Wie hatte er doch noch vor Nova gestanden und ihr all seine Gefühle gegenüber seiner Familie entblößt. Ein Graus. Der Ekel löste sich wie Gift durch seine Kehle.
Außerdem: Nova.
Wieder die gerümpften Nüstern. Die Welt wollte ihm keine ruhige Minute lassen. Nichts ergab mehr Sinn.
Und jeder einzelne Gedanke in seinem Kopf quälte ihn.
Als sei eine Ewigkeit vergangen lösten sich seine Augen aus der Richtung des Familienplatzes und fanden die eisblauen seiner Cousine wieder. Er hatte fast vergessen, dass sie überhaupt noch anwesend war.
Und wie provokant diese rote Blume sich ihm doch präsentierte. Als lache sie ihm ins Gesicht.
Rot wie Blut.
Mit einem Knurren bewegte er sich ruckartig zu ihr und Riss ihr die Blüte mit einer Bewegung aus dem Langhaar. "Ich sagte doch weg mit der Scheiße." Oh, sie würde das nicht mögen. Natürlich nicht. Sie waren dennoch aus demselben Holz geschnitzt. Ein Glück für ihre Mähne, dass man ihm über die Jahre hinweg Geschick eingeprügelt hatte und keines ihrer Haare vom dunklen Kamm brach.
Gott sei Dank war er eine Persönlichkeit, die Kontenance wahrte.
"Was tun wir mit unserer Sippe, hm? Wir, die Todgeweihten."
Vielleicht keine schlechte Idee. Er sollte so früh wie möglich die Loyalitäten seines Hauses ihm gegenüber klarstellen.
Und dann mit Gaia tanzen gehen.
Khione Dracas - Auf dem Weg zur Steppe
Ihr Fehler war offensichtlich, noch bevor ihre Schwester ihr töricht beipflichtete und glaubte, ihr damit zu helfen. Ceres’ zorniger Blick bohrte sich in den Vestas, aber es war bereits zu spät. Vesta hatte einen einfachen Kommentar — den verzweifelten Versuch, die Qualitäten ihres Ehemannes hervorzubringen — zu etwas Persönlichem gemacht. Ceres wusste, was ihre Großmutter sagen würde, noch bevor sie den Mund öffnete. Die Worte ließen sie dennoch beschämt den Blick senken.
Es war nicht so, dass sie sich etwas anderes erhofft hätte. Sie wusste all diese Dinge, und dennoch arbeitete sie schweigend weiter, glättete endlich diese verdammte Strähne und lauschte mit abgeklappten Ohren den Worten von Gaia Acillius. Sie hatte natürlich recht. Vesta und sie galten als Investitionen, ebenso wie die schöne Achilleas, Neptuns baldige Braut. Wenn sie sich nicht als würdig erwiesen und nicht hielten, was ihr Anblick versprach, waren sie wertlos. Die Schande, die dies über ihre Familie bringen würde, war kaum in Worte zu fassen, denn was tat man mit einer Dame, die nicht funktionierte?
Desmond hatte seinen Teil ihrer Abmachung bereits erfüllt: Er hatte sie im Stand erhoben. Ceres war nicht länger unverheiratet und mittellos, sie war nun eine Aegidius. Sie kam nicht als schwarzes Schaf der Familie zu dieser Hochzeit, sondern als Stütze, die ihre Hochzeit und ihre erste Nacht bereits hinter sich hatte und mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte. Aber sie hatte Desmond noch keine Erben geschenkt, und das war es, wozu sie da war. Sie, Vesta und Penthesilea — allesamt hatte man sie gleichzeitig mit dem Ruf der Acillius-Linie betraut. Ceres hatte sich nie Sorgen um ihre Fähigkeiten diesbezüglich gemacht. Wieso auch, wenn es bei ihr schon daran scheiterte, die Aufmerksamkeit eines Herren zu erwecken? Diese Sorgen waren nun jedoch Geschichte, und damit kehrten andere Ängste in ihr Leben ein. Denn Desmond sollte nicht leer ausgehen. Das hatte er gewiss nicht verdient.
Ceres war gerade dabei, zurückzutreten, als ihre Schwester sich einen weiteren Fehltritt erlaubte und vom Pöbel sprach, als gehöre er zu einem der Hochzeit beiwohnendem Ehrengast.
Ceres erstarrte. Dann freute sie sich.
Der Zorn ihrer Großmutter würde nun unweigerlich auf ihrer Schwester lasten. Das änderte selbstverständlich nichts an der Thematik, die Vesta dort ansprach und Sorge bereitete. Denn natürlich löste es Sorge in Ceres aus.
Vesta war schon immer eine Träumerin gewesen. Trotz ihrer anmutigen Gestalt trat sie über die Grenzen der Etikette hinweg, als wären diese schlicht Vorschläge und keine fest verankerten Mauern, die es niemals zu überwinden galt. Warum hegte ihre Schwester überhaupt den Gedanken, mit dem Volk zu sprechen?
Und dann erinnerte Ceres sich an goldenes Fell und das Lächeln ihrer Schwester. Sie hatte es vergessen. Desmond's Aufmerksamkeiten und was sie versprachen hatte ihren Fokus auf sie selbst gelenkt. Hier und heute und nach diesen Worten fiel ihr jedoch mit einem Schlag wieder ein, was sie auf der Verlobungsfeier beobachtet hatte.
Ohne Scheu hatten sie sich unterhalten, hatten sich gar dazu hinreißen lassen, in aller Öffentlichkeit eine Konversation zu führen. Respekt und Verehrung gegenüber ihrer Schwester waren nur angemessen, aber so viel Zeit mit dem Pöbel zu verbringen und dann auch noch das Ohr in die Richtung einer so bedenklichen Gestalt, wie Damhnait es eine war, zu drehen, war unverzeihlich.
Das Volk würde reden. Das war es, worüber ihre Schwester sich Sorgen machen sollte: über das zu breite Lächeln, und einen zu sanften Blick in die Richtung eines Mannes, der sie eigentlich nicht zu interessieren hatte. Gott allein wusste, was Vesta in dem verkommenen Sohn des Volkssprechers sehen mochte. Aber was auch immer sich zwischen ihnen entwickelte oder entwickelt hatte — damit war jetzt Schluss. Es würden nur ein paar Gespräche mit ihr, Tuana und Asariel nötig sein, dann wäre sie nicht nur in den richtigen Kreisen etabliert, sie würde den goldenen Narren auch schnell vergessen, ebenso wie ihre törichten Gedanken gegenüber dem Volk.
"Der König war lange Zeit zerrissen zwischen dem rechten Weg und der Ideologie seiner Frau", sagte sie. Es wäre kaum möglich, noch mehr zu enttäuschen als die alte Königin. "Du wirst ihn im Gegensatz mit Erben und Treue stützen, und er wird sich um sein Volk und dessen Meinung sorgen." Und Vesta würde alldem fernbleiben: dem Volk und der Versuchung, die es in ihr auszulösen schien.
VESTA & GAIA - AM SEE
Vor 10 Stunden
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Vor 10 Stunden von Chou.)
Dieser Abend musste perfekt werden.
Weder ihr Vater, noch sie als das Ebenbild seiner Unantastbarkeit, würden etwas anderes als Perfektion akzeptieren können. So war es der erste Stich in ihren Stolz, als Aaidan ausgerechnet sie zurechtwies. Zwar hatte sie erwartet, dass diese Hochzeitsfeier genug Anhaltspunkte für den Zorn des herzlosen Miles darbot, nicht aber, dass sie die erste war, die jene in Empfang nehmen musste.
Ihr bestes Benehmen zeigen?
"Natürlich, Vater." Sich auf keine dummen Sperenzchen einlassen.
"Ja, Vater." Keine unnötigen Konversationen auf die Gefahr hin, das eigene lose Mundwerk nicht im Griff zu haben.
"Niemals, Vater." Und doch - und dieses Anliegen war ihm das wichtigste - keine Gelegenheit auslassen, die Potential bot. Für ihre Familie. Für ihr Ansehen. Für die Chance auf einen Ehegatten.
"Ja," in der kurzen Pause ruhte noch das Unbehagen über die Rüge, die sie heute Morgen erst über sich ergehen lassen musste. Und erst mit ihrer letzten Anrede wagte sie es Aaidan Miles in die Augen zu blicken. "Vater." Ein Spiegel. Sie blickte in einen Spiegel. Das schönste Gesicht in ganz Valeria und man hatte es ausgerechnet ihr in die Wiege gelegt. Es war ungerecht. Wie sollte man mit dieser Bürde gerechtfertigt umgehen? Natürlich war sie noch unvermählt. Gewiss doch! Wer würde denn auch genug Mut besitzen, um mit so viel Missgunst und Neid gegenüber der eigenen Gattin Tag für Tag kämpfen zu müssen? Nicht einmal der König. Nicht einmal Karthago.
Innerlich seufzte das weiße Mädchen. Karthago. Es hatte ihr das pochende Ding in ihrer Brust gebrochen, dass sie mit ihm brechen musste. Aber er war ein Dummkopf. Zwar hatte sie es ihm vergeben können, dass er Ceres Acillius auf der Hochzeitsfeier ihres Bruders so offenkundig gedemütigt hatte. - Denn wie plump und unbeherrscht hatte sie doch neben ihm ausgesehen. Es war absurd! Diese fette Plunder hatte natürlich weder den Grips, noch die Manieren besessen, den Tanz auszuschlagen. -
Aber: sich mit einer fremden einzulassen? Das würde sie ihm nicht vergeben. Und wenn er auf Knien angekrochen kommen würde. Es brach ihr das Herz, ihm das Herz zu brechen.
Aber jetzt galt es, dem Auftrag ihres Vaters zu folgen. Denn er hatte Recht. Sie hasste es. Aber er hatte Recht. Ihre Zeit tickte und die Drohung, sie bald an den nächstbesten zu vermählen, zeigte Wirkung. Was, wenn sie wie Ceres enden würde? Natürlich war der Name Aegidius keine schlechte Partie aber für immer an einen glucksenden Idioten wie Desmond gebunden zu sein?
Gut, dass das Hause Astoria geradezu vernarrt in ihre Familie zu sein schien. Vielleicht war die junge Nyke doch endlich ein Hoffnungsschimmer für die jüngere Generation. Und wenn nicht Lucian, würde selbst der ältere Herr Lucius eine gute Partie abgeben. Und bei Gott, es war ihr lieber sich mit Melancholie zu beschäftigen als der unermesslichen Arroganz eines Aegidius. Allein der Gedanke an den roten Soldaten. Sie erschauderte.
Hoffentlich musste sie sich niemals dem alten, glanzlosen und schalen Bild von einem Mann stellen, dass sich Anchor Aegidius schimpfte.
Gerade endete ihr Vater seine letzten Warnung an den heutigen Abend, da schien auch er endlich Nyke bei Aaron zu erblicken. Das Deja Vu musste ihn wild schnauben lassen und mit gemurmelten Flüchen verschwand er irgendwo aus der Menge.
Nun gut. Dann war es auch an ihr, sich aufs Schlachtfeld zu begeben. Gerade setzte sie an, Haupt hoch erhoben, die schönste Dame in ganz Valeria und durchquerte die Menge. Wie sie alle nach ihr gafften und Eifersucht ihre Augen verengte. Es fiel ihr schwer, das süffisante Lächeln zu kontrollieren.
Und dann rammte dieses junge, hässliche Ding in sie hinein. Schock weitete ihre Augen, gab die Sicht auf eiskalte Iriden frei. "Du ungehobeltes...!" Sie bemerkte zu spät, in wessen Schulter sie dieses Ungeschick gedrückt hatte.
Entsetzen. Pures Entsetzen starrte in das Gesicht von Desmond Aegidius.
"Mein Herr Aegidius!" Ihr Körper schälte sich ganz von selbst in die adrette Haltung.
Ungehobelter Klotz. Natürlich musste er ihr den Auftritt bereits verderben.
Desmond Aegidius - Steppe
Oh, er antwortete! Er antwortete!
Der goldene Leib riss endlich die Aufmerksamkeit von dem los, was ihn so vereinnahmte, und wandte sich ihm zu. Briony imitierte augenblicklich die Haltung seines Gegenübers, sank ein wenig in die Vorderbeine ein, bog den Hals in Richtung Boden und neigte das Köpfchen zur Seite. Er war ein verzogenes, übertriebenes Spiegelbild des Mannes vor sich.
"Du würdest dich wundern, wie hässlich er sein kann."
Briony grinste.
"Du hast ihn also kennengelernt?"
Wenn er auch hässlich sein konnte, war er zumindest echt. Briony hatte manchmal seine Zweifel gehabt, aber die hatte er auch bei der goldenen Kreatur vor sich. Manchmal wirkte es, als würde der Wind seinen Geist davontragen und nichts zurücklassen. Heute jedoch war er da. Präsent vor ihm, und Brionys breites Grinsen verwandelte sich in ein sachtes Lächeln. Das war ein Geschenk. Er wusste das zu schätzen.
"Wie kommst du darauf, dass es eine Beleidigung war?"
Er streckte die Beine durch, kam wieder hoch und reichte dem stattlichen Hengst dennoch gerade mal bis zu seiner Schulter. Briony schüttelte sich, erst den Kopf und die mehrfarbige Mähne, dann den gescheckten Leib.
"Er ist zu schön", antwortete er schlicht, bevor er in die Richtung von Aaidan Miles deutete, dessen helles Fell in der Sonne glitzerte. "Genau wie er." Sein Blick strich weiter über die Versammelten.
"Vesta Acillius", zählte er weiter auf, obwohl er sie noch nicht sehen konnte. "Aarin Miles", machte er weiter.
"Aruna und..." Sein Blick blieb an Selene Miles' haften, an den dunklen Schatten unter ihren Augen und an der leicht eingesunkenen Haltung. Briony schüttelte den Kopf. Nein, sie gehörte nicht dazu. Ihre Schönheit war zeitlos, nicht geboren aus Perfektion, sondern aus einer Natürlichkeit, über die Künstler in Zukunft Klagelieder schreiben würden.
"Naja, du weißt was ich meine."
Damhnait — Steppe
Sein Vater sprach nicht mehr mit ihm. Zuerst die Beeren und dann das schlammverklebte Fell — es war zu viel gewesen.
„Bitte richte meinem Sohn aus, dass ich heute etwas mehr Contenance von ihm erwarte.“
Er hatte die Worte genau vor ihm ausgesprochen, aber an seine Mutter gewandt, als wäre Aaron nicht dazu fähig, zu hören, was er da sagte. Empört hatte er den Mund geöffnet, doch da hatte Aaidans strafender Blick Selene bereits dazu gebracht, seine Worte zu wiederholen. Dumm wie sie war, hatte sie sich verhaspelt, Aaidan ein Augenrollen entlockt und ihn vertrieben, bevor Aaron die gebrochene Beziehung wieder kitten konnte. Seine Mutter hatte, den Blick gesenkt, ihm geraten, es einfach zu akzeptieren. Aaron war ihren weichen Nüstern zischend ausgewichen und hatte am Rande ihres Gebiets darauf gewartet, dass seine Schwester es endlich vollbrachte, ihre Mähne fertig zu glätten. Wer wusste schon, was sie dieses Mal dafür benutzte? Schneckenschleim?
Er hatte gewartet. Gewartet und gewartet, und als er schließlich genervt den Blick gehoben hatte, da sie sich doch sehr viel Zeit ließen, hatte er sie am Horizont bereits in Richtung Steppe gehen sehen. Eiligst war er ihnen gefolgt. Er hatte sie erst eingeholt, als sie sich schon unter die Menge mischten. Aber auch das machte keinen Unterschied. Sie bemerkten weder seine Abwesenheit noch seine Anwesenheit. Also blieb Aaron stehen, ließ die Miles weiterziehen und verharrte vollkommen allein inmitten einer Gesellschaft, die ihn wegen ein paar lächerlicher Beeren auszustoßen wagte.
Er begann unschlüssig, mit dem Huf zu scharren. Sein Vater war doch nur sauer, weil der König lieber eine der hässlichen Acillius-Töchter bestieg, als seine Schwester. Aaron wusste nicht, warum das seinen Vater wunderte. Seine Majestät hatte schon von Beginn an unter Geschmacksverirrungen gelitten, das sah man sowohl an der Wahl seiner Frauen als auch an der seiner Freunde. Kein einziger Miles mehr wehrte in seinem Umfeld.
Aarin würde schon noch wen finden. Aber sie war eben nur eine Frau. Letztendlich war wichtig, dass ihre Linie erhalten blieb, und dafür war er zuständig. Oder man pfiff seinen Onkel zurück und zwang ihm Aarin auf. Das wäre vielleicht besser, als die erhabenen Gene seiner Schwester an irgendeinen Trottel zu verkaufen. Viel Gutes war ja nicht mehr übrig, auch für ihn nicht. Vielleicht sollte er wirklich einen Pakt mit Karthagos Familie eingehen, oder aber er wartete noch ein paar Jahre, bis die Valerius genügend Mädchen hervorgebracht hatte, um seine Familie wieder ein wenig in der Gunst seiner Majestät zu erheben.
Eine leise, sanfte Stimme drang an seine Ohren, und Aaron schreckte auf.
„Oh!" — er lächelte warm; das kalte Gefühl in seiner Brust wagte es, ein wenig aufzutauen. Sich räuspernd schüttete Aaron das kleine Loch, das er in den Boden gegraben hatte, wieder zu.
"Nein, heute keine Verkleidung." Seine Flanke schmerzte immer noch von dem Tritt, den ihm das eingebrockt hatte. „Vielleicht beim nächsten Mal“, lächelte er tapfer.
Jetzt, mit einem gefestigten Stand, konnte er seine Freundin etwas aktiver betrachten. Sie sah wie immer bezaubernd aus. Das perfekte Bild vom Adelsgeschlecht. Wann immer sein Vater über eine perfekte Dame sprach, stellte er sich Nyke Astoria vor. Der Mann, der sie ehelichen durfte, konnte sich als der glücklichste von ganz Valeria verstehen. Aber irgendwie... Irgendetwas stimmte nicht. Aaron legte die Stirn in Falten und neigte den Kopf zur Seite.
„Du siehst traurig aus, Liebes“, sagte er leise. „Brauchst du eine Umarmung?“
Nyke — Steppe
Mit einem dankbaren Lächeln sah Sayyirah zu der älteren Stute, mit der sie sich über die letzten Monate angefreundet hatte, während diese eine kleine Blüte zwischen den seidigen Strähnen ihrer dunklen Mähne feststeckte. Nur eine, um nicht die Aufmerksamkeit der Braut oder anderer Adeliger auf sich zu ziehen. Doch im Herzen war sie ein Mädchen, das Blumenschmuck liebte und sich am liebsten über und über damit geschmückt hätte.
So aber fühlte sie sich hübsch und war trotzdem unauffällig genug, um als Gast dem großen Geschehen beiwohnen zu können. "Ich danke dir, meine Liebe", lächelnd sah sie noch einmal zu ihrer Freundin, der sie selbst zuvor geholfen hatte. Nun aber wurde es langsam Zeit, sich auf den Weg zur Steppe zu machen.
Sie hegte die Hoffnung, noch einen ungestörten Moment mit Atlas teilen zu können, ohne dass der ganze Trubel um seinen Vater und dessen königliche Hochzeit anfing. Die Rappstute wusste zu gut, wie sehr es Atlas missfiel, dem ganzen beiwohnen zu müssen. Immerhin hatte er sich bei der Verlobungsfeier von Penthesilea und Neptun schon beim See einteilen lassen, um keine oberflächlichen Gespräche mit anderen führen zu müssen.
Dieses Mal würde er dem aber nicht auskönnen und die Rappstute hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihm diesen Tag so angenehm wie möglich zu bereiten. Schließlich kannte sie ihn doch schon gut genug und wusste, dass er auch jetzt nur am Rande der Steppe zu finden war. Weswegen es ihr auch nicht schwer fiel, den großen Rotbraunen zu entdecken, dem ihr Herz inzwischen gehörte. Denn ihre Gefühle hatte sie sich inzwischen eingestehen müssen, nachdem sie auch nachts regelmäßig von seinem Gesicht und seinen Berührungen träumte.
Mit einem sanften Lächeln näherte sich Sayyirah dem stattlichen Hengst von der Seite, schon früh mit einem Schnauben auf sich aufmerksam machend.
Wäre er Ezrael oder einer ihrer anderen Freunde, würde sie sich wohl von hinten anschleichen und spielerisch in die Kruppe knabbern. Aber sie wusste, dass es bei Atlas nur zur automatisierten Reaktion eines guten Soldaten führen würde.
"Hi", lächelnd hob sie ihm ihre Nüstern zur Begrüßung entgegen. "Schau, ich hab mich doch dazu entschieden, etwas Schmuck zu tragen", kurz drehte sie ihren Hals, um ihm die weinrote Blüte zu zeigen.
Ihr Blick schweifte kurz über die bereits versammelten Gäste, ehe sie wieder zu Atlas empor sah. "Nun, wie nervtötend ist es bisher?", ein Schmunzeln konnte sie sich nun doch nicht verkneifen.
Atlas — Steppe
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