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Geschützt vor den Einflüssen und Blicken der Außenwelt, liegt Valeria da. Ein Land wie kein zweites, mit immergrünen Wiesen und nie versiegendem Wasser. Und du bist mittendrin. Ein imposanter grauer Hengst schreitet an dir vorbei, zwinkert die zu und fragt dich, ob du denn schon dieselbe Verbundenheit verspürst wie sie alle, die sie in diesem Land leben. Du atmest tief die frische Luft ein, lächelst und nickst. "Ja.", ist deine schlichte Antwort, die mit einem breiten Grinsen seinerseits kommentiert wird.
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I think we're like fire and water
18. Sommer 82, Abends | See | Daphne, Desmond Aegidius

They judge me like a picture book
By the colors, like they forgot to read
I think we're like fire and water
I think we're like the wind and sea.
#1
Für gewöhnlich fiel es ihr nicht schwer, neue Bekanntschaften zu schließen. Daran hatten auch die Grausamkeiten nichts ändern können, die ihre Vergangenheit zeichneten - im Gegenteil. Daphne war sich recht genau darüber im Klaren, dass ihre Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, sich auf Begegnungen einzulassen, Resultate der Schmerzen und Demütigungen waren. Sie hatte die Wahl gehabt, sich selbst aufzugeben und in der Dunkelheit unterzugehen, oder aber als Phönix aus der Asche aufzuerstehen und so den Dorn tiefer in die Augen jener zu treiben, die sie und ihre freiheitsliebende Art als einen solchen empfanden. Die Entscheidung an sich war ihr nicht schwer gefallen, allerdings hatte Daphne schnell feststellen müssen, dass es Dinge gab, die sie nicht einfach überstehen, nicht einfach zurücklassen konnte. Da waren Narben auf ihrer Seele, die das Gefieder des Phönixes weniger prächtig strahlen ließen, nach außen hin unsichtbar, aber für Daphne doch deutlich spürbar. So war ihr das Gefühl von Nähe nahezu unerträglich. Geistige Nähe, wie auch körperliche. 
Einen kurzen Moment lang musterte Daphne das Gesicht des Hengstes, selbst ob ihrer Unachtsamkeit verwundert, doch als seine Worte an ihre Ohren drangen, verflog die Verwunderung und sie war sich der fehlenden Distanz schlagartig schmerzlich bewusst. Mit einem geschmeidigen Schritt trat Daphne zurück, wobei das Lächeln, das sich auf ihre Züge setzte, über den Hintergrund ihres Zurückweichens hinwegtäuschte. Amüsement spiegelte sich in ihren blauen Augen, als sie diese über den silbrigen Körper gleiten ließ, dabei noch zweit weitere Schritte zurück tretend um ihn vorgeblich in seiner Gänze in den Blick fassen zu können.
"Interessant."
Sie hob eine Augenbraue und erwiderte seinen Blick, der so nonchalant wirkte, dass es beinahe unverschämt war.
"Ist das der valerianische Charme, von dem man so hört?"
Sie war sich der Groteske dieser Situation durchaus bewusst, gleichzeitig konnte Daphne jedoch nicht anders, als sich auf seine lockere Art einzulassen. Wenigstens für den Augenblick, denn die Anspannung würde ihr früher oder später unerträglich werden.
 "Überleben wär' ein guter Anfang, schätze ich. Es würde mich ein klein wenig ärgern, Silas' Gefangenschaft zu entkommen nur um keine 24 Stunden später als Fackel zu enden."
Und als sei diese Bemerkung Teil einer vollkommen alltäglichen Unterhaltung, zuckte sie mit der Schulter. Den Blick hatte sie dabei noch immer in sein Gesicht gewandt, hatte nur während ihrer Antwort kurz zum Vulkan hinauf geblickt.
"Und danach... mal sehen. Ich tendiere dazu, die Dinge auf mich zukommen zu lassen. Ähnlich wie... die Schwerkraft."
Sie konnte das Zucken ihrer Mundwinkel nicht verbergen, versuchte es auch gar nicht.
"Und du? Hast du Pläne, die du einer vollkommen Fremden als Einstieg in eine zwanglose Unterhaltung erzählen möchtest?" 
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#2
Ein heiseres Lachen drang aus der Kehle des jungen Gardisten als er die Worte der Rappin vernahm und mit einem spitzbübischen Lächeln auf den dunklen Lippen nickte der helle Hengst. "Ich bin froh, dass unser Ruf und voraus geht und ich hoffe, dass du dein Glück kaum fassen kannst, auf den charmantesten von allen Einwohnern dieses sich selbst zerlegenden Fleckchen Erde zu treffen.", frotzelte der Apfelschimmel und seine blauen Augen wirkten, trotz der Müdigkeit die man darin lesen konnte, ein wenig amüsiert. Man musste das beste aus jeder Situation machen und Desmond war in dieser Disziplin einfach der König. Da konnte ihm keiner etwas vormachen. 
Ihre weiteren Worte ließen Desmond grinsen. Ihr Humor war genau das, was der Aegidius nun brauchte. "Klingt auf jeden Fall nach einem guten Plan.", nickte Desmond. "Heißt also, wenn du der Schwerkraft - mir - folgst, dass du mit uns kommst?", fragte er entspannt nach, blickte sich einen Augenblick wachsam um, die fremden Gesichter musternd die erschöpft und abgekämpft um sie herum standen. Sie würden sich nicht in einer falschen Sicherheit wiegen dürfen, auch wenn sie sagten, dass sie sich gegen Silas gewandt hatten. 

"Naja.. also ich bin Mr. Zwanglos in Person und ich denke der Plan der Monarchie ist ziemlich offensichtlich. Das Land muss verlassen werden wenn wir nicht alle wie kleine Kohlestückchen enden wollen. Wohin es geht weiß ich nicht, es gibt so viel besetztes Land um Valeria, dass es wahrscheinlich darauf hinauslaufen wird, dass wir weit in den Norden wandern müssen.", plauderte der Schimmel, der im vergangenen Jahr durch die Reise mit Kýra viel von den Ländereien kennengelernt hatte. Die Wanderung würde hart werden und er bezweifelte, dass sie alle verletzten Soldaten überleben würden. "Wo kommst du ursprünglich her?", fragte Desmond unverwandt und neigte den Kopf leicht zur Seite, ehe er in die Richtung ihrer Ohren nickte. "Dieses Merkmal ist sehr.. auffällig und hier nicht weit verbreitet.", und der Gardist wollte natürlich wissen, wie weit die Fangarme von Silas tatsächlich gewesen waren. Ob sie nur durch einen bösen Zufall bei ihm gelandet ist? Berechnung? Entführt?
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#3
Daphne musste zugeben, dass seine lockere Art - mochte sie in diesem Moment auch noch so unangebracht sein - das Einzige war, das die Unruhe in ihrem Inneren ein wenig lindern konnte. Nun, da sie wieder frei in ihren Entscheidungen war, sehnte sie sich zurück auf die verschlungenen Pfade; konnte es kaum erwarten, ihre Wanderschaft wieder aufzunehmen. Und der bevorstehende Vulkanausbruch tat diesbezüglich sein Übriges. Gleichzeitig war sie sich jedoch bewusst, dass sie derzeit kaum in der Lage war, allein' einen Weg aus dieser misslichen Lage zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in diesem ihr unbekannten Gelände einen falschen Weg einschlug, der sie letztlich in ihr Verderben führen würde, war zu groß und so blieb ihr schlicht keine andere Wahl als sich den Flüchtenden anzuschließen und auf deren Aufbruch zu warten.
"Für's Erste, ja." antwortete die Schwarze auf seine Frage hin und nutzte dabei den Moment, in welchem er sich umblickte, um ihn ein wenig genauer zu mustern. Er wirkte angeschlagen, aber nicht außerordentlich schwer verletzt und auch wenn dieser Eindruck durchaus trügerisch sein konnte, so hatte sie nicht das Gefühl, dass ihm das Herz angesichts des bevorstehenden Aufbruchs allzu schwer wog. 
Ein rollender Stein, hm?
Als er schließlich weiter sprach, zuckten die sichelförmigen Ohren der Rappstute. "Nach Norden also." Ihr Haupt geriet in leichte Schräglage, während sie kurz ihre Gedanken schweifen ließ. Die Tatsache, dass sie in den umliegenden Liegenschaften kein längeres Bleiberecht erhalten würden, verwunderte Daphne weniger. Neben dem valerianischen Charme waren ihr durchaus andere Dinge über die Einwohner dieses Tals zu Ohren gekommen, die nicht unbedingt schmeichelhafter Natur waren. Insbesondere die Angelegenheit hinsichtlich irgendeines Zirkels hatte Valeria in ein schlechtes Licht gerückt und war sicherlich dafür verantwortlich, dass ihnen eine weite Reise bevorstand, ehe sie einen Ort finden würden, an welchem sie sich niederlassen konnten. Oder durften.
"Meinetwegen, warum nicht? Nördlicher als Elrador hat es mich bislang noch nicht verschlagen."
Sie löste ihre blauen Augen von dem Punkt am Horizont, der jene Richtung markierte und legte ihren Blick wieder in den des Weißen, just da dieser wieder zu sprechen begonnen hatte. Ein leichtes Kräuseln ihrer Mundwinkel deutete das schief Lächeln an, das sich angesichts seiner Bemerkung wieder auf ihre Züge schlich.
Dieses 'Merkmal', wie er es nannte, war bei Weitem nicht das Einzige, was sie von den Meisten hier unterschied. Für eine Stute war sie vergleichsweise hoch gewachsen, hatte einen drahtigen Körperbau und ihre langen Beine verliehen ihr dennoch ein elegantes Erscheinungsbild. Die gebogenen Ohren, deren Spitzen einander so weit zugeneigt waren, dass sie sich beinahe berührten, waren dennoch der deutlichste Hinweis darauf, dass sie aus anderen Breitengeraden stammte.
"Du scheinst weit herumgekommen zu sein, wenn du behaupten kannst, dass dieses Merkmal hier nicht weit verbreitet ist.", bemerkte sie statt einer direkten Antwort.
"Aber ich habe nichts zu verbergen; ich stamme aus Mandore." aufmerksam betrachtete Daphne die Miene des Schimmels, darauf achtend, ob ein Funke des Widererkennens hinsichtlich des Namens ihres Geburtslandes über sein Gesicht huschte. Doch als dieser zunächst ausblieb fuhr sie fort; "Du weißt schon - weit im Südosten, am Ufer des Mando-Sees, hinter den sieben Bergen... " nun konnte sie ein Lachen nicht mehr unterdrücken. Zwar hatten die ersten Hinweise noch der Wahrheit entsprochen, doch es wunderte Daphne nicht, dass ihm weder Mandore, noch der Mando-See etwas sagten und sie hatte nicht ganz unabsichtlich für diese Verwirrung gesorgt, ehe sie es nunmehr auflöste.
"Die Gebietsbezeichnung Pratihara dürfte dir vielleicht eher bekannt vorkommen. Viele glauben, es sei ein eigenes Land, aber tatsächlich besteht Pratihara aus vielen kleinen Splitterländern. Eines davon nennt sich Mandore. Und dort..."
sie musste sich für einen kurzen Moment darauf besinnen, ihren Kiefer zu lockern. Hin und wieder stieß die Erinnerung an ihre alte Heimat Empfindungen in ihr wach, die sie weit in den Hintergrund gedrängt hatte.
"... erscheine ich weitaus weniger exotisch als hier."
Sie entlastete einen Hinterlauf und wieder legte sie dabei den Kopf ein wenig schräg. Als sie ihn nun jedoch musterte, war die Albernheit aus ihrem Blick verschwunden. Zurück blieb ein amüsiertes Lächeln, dessen wahre Natur nicht gänzlich zu durchschauen war.
"Mit welchen Antworten kann ich dir noch zur Verfügung stehen? Wie ich zu Silas stand? Warum ich hier bin? Oder wollen wir mit etwas Unverfänglicherem wie meinem Namen weiter machen?"
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#4
Desmond wandte den Blick von der schwarzen Stute kurz ab, musterte Kýra die voll und ganz in ihrem Tun aufging und sich um die Verletzten kümmerte. Ebenso fiel ihm auf, dass sie sich immer wieder suchend umschaute und der weiße Hengst wusste ganz genau, wen sie suchte. Anchor. Sein Cousin war von dem Schlachtfeld noch nicht zurück gekommen, doch Desmond bezweifelte, dass er dort gefallen war. Der Aegidius schluckte einen Moment, dann richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf die Rappin und ein bestätigendes Lächeln umfing seine Lippen. "Ich habe ein wenig gesehen, aber wahrscheinlich noch nicht annähernd so viel, wie jemand der aus Mandore kommt..", bestätigte der Gardist ihre Vermutung und lauschte mit einer Mischung aus Amüsement und Interesse ihren weiteren Ausführungen. In der Tat kannte Desmond die Lande nicht aus denen die Fremde kam, doch das wunderte ihn nicht. Die Reise mit Kýra kam ihm unendlich weit entfernt vor und der zarte Splitter in seinem Herzen, schob tiefer in das bereits blutende Muskelgewebe. "Thar ist ein weiteres König... beziehungsweise Kaiserreich, in welchem dieses Merkmal weit verbreitet ist.", doch ihre politischen Beziehungen zu Thar, waren weniger gut, sodass Desmond und die Prinzessin dieses Land nur bis zu seinen Grenzen aufgesucht hatten. Der Graue wirkte einen Moment ernst, doch das verschmitzte Lächeln auf den Lippen des Gardisten fand sich schnell wieder. "Dann wären bei euch wohl so Hengste wie ich es bin eher exotisch..", die blauen Augen Desmonds ruhten einen langen Moment auf der schwarzen Stute. "Man munkelt Exoten haben es immer leichter bei den Damen.. Alleinstellungsmerkmale und das unbekannte machen interessant.", er erinnerte sich an Caras Geschichten aus ihrer Heimat - es gab so viele Orte - und Damen -, die der Aegidius noch sehen wollte. Doch bevor Desmond noch weiter ernst bleiben konnte, fiel er in ein leises aber heiteres Lachen. 

Es war dem Schimmel gar nicht weiter aufgefallen, dass er den Namen der Rappstute war nicht kannte oder erfragt hatte. Er aber auch sie hatten sich mit einer solchen Selbstverständlichkeit unterhalten, dass er das irgendwie... vergessen hatte? "Ja stimmt, ich habe ja auch Pflichten - Name, Herkunft, politische Orientierung Ehestatus, Kinder die angemeldet werden müssen?", ein amüsiertes Funkeln lag in den hellblauen Iriden des Aegidius ehe er - ganz vornehm wie er natürlich sonst auch immer war - sein Haupt senkte. "Mein Name ist Desmond Aegidius."
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#5
Dass seine Aufmerksamkeit nicht voll und ganz ihr galt, nahm sie ihm nicht übel. Im Gegenteil, Daphne empfand es als eine gewisse Erleichterung, wenn sein Blick sich von ihr löste und ihr damit ein wenig mehr Raum zum Atmen gab. So nutzte sie den Moment, in welchem er eine ihr unbekannte Braune musterte, um sich ihrerseits nach Belana umzusehen. Als sie die Gescheckte jedoch nicht zwischen den anderen Körpern ausmachen konnte und die Stimme des Weißen ihr bedeutete, dass er sich wieder ihr zugewandt hatte, legten auch ihre blaue Augen sich wieder in sein Gesicht.
"Thar...ja." sie nahm sich einen Augenblick um ihre Gedanken nach Erinnerungen an dieses Land zu durchforsten. Es war ihr nicht unbekannt; nicht zuletzt, weil entfernte Äste ihres eigenen Familienbaumes dorthin reichten. 
"Nicht unbedingt meine Wahlheimat." 
Sie selbst hatte die Grenzen Thars einmal einziges Mal übertreten. Damals, als sie im zarten Alter von eineinhalb Jahren noch so herrlich unschuldig und naiv gewesen war und nichts von dem geahnt hatte, was ihr bevorstand. Im Nachhinein hätte Daphne ihr jüngeres Ich für diese infantile Naivität gerne geohrfeigt, denn die Anzeichen waren von Geburt an da gewesen. Sie war nur zu blauäugig gewesen, es zu verstehen. Oder aber schlicht zu jung. Was zum Teufel verstand ein Kind schon von politischen Ränkespielen, Machtmissbrauch und Zwangsheiraten? 
Sie lächelte, froh, dass seine nächste Bemerkung die aufkeimende uralte Wut in ihrem Inneren erstickte und schaffte es dabei, die Unverbindlichkeit ihres Ausdrucks aufrecht zu erhalten.
"Wahrscheinlich würde man dich in eine Höhle sperren und von Jedem, der dich sehen möchte, Eintritt verlangen."
Sie zuckte mit der Schulter, ihre Lüge bewusst als vollkommen profane Tatsache darstellend. Doch das Zucken ihrer Mundwinkel verriet sie. Natürlich pflegte Mandore durchaus normale diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern, deren Bewohner keine Sichelohren aufwiesen und deren Abgesandte wurden nicht wie wilde Tiere an einem Ring in der Nase durch die Menge geführt... eine Erfahrung, die Mandoren selbst im Gegenzug häufiger hatten machen müssen. Töchter aus ihrem Land waren beliebte Bräute. Gut erzogen und hübsch anzusehen. Exotisch. Das Angebot war gering, die Nachfrage hoch. Kein Wunder, dass Väter ihre Töchter so leicht verkaufen konnten.
"Ja, in der Tat." Dieses Mal schaffte Daphne es nur mit Mühe, die Bitterkeit aus ihrer Stimme fern zu halten. Den Grauen traf weder eine Schuld an diesen Missständen, noch hatte er es darauf abgesehen gehabt, sie daran zu erinnern. Tatsächlich zweifelte Daphne sogar daran, dass ihm dieser Zustand in ihrem Heimatland überhaupt bekannt war.
Also konzentrierte sie sich auf den eigentlichen Sinn seiner Worte und erwiderte mit einem plötzlichen Anflug von Sehnsucht in ihrer Stimme "Das Unbekannte ist wohl das Interessanteste überhaupt..."
Sein Lachen schließlich war es, das sie endgültig von diesen Gedanken fort trieb und sie ließ im Gegenzug das Lächeln auf ihren Zügen intensiver werden, bis sie selbst ebenfalls auflachte.
"Meine Herkunft haben wir abgehakt, alles weitere lässt sich mit liberal, ledig und nein beantworten." Auf seinen Namen hin nickte sie. "Es freut mich, Desmond Aegidius. Mein Name ist Daphne..." sie zögerte kurz, die Lippen geöffnet, als wollte sie ihrem Vornamen noch etwas anfügen, dann jedoch schwankte ihr Haupt in einem kaum merklichen Kopfschütteln. "Einfach nur Daphne."
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#6
Es war.. erleichternd und für den Schimmel nicht weiter verwunderlich, dass die Rappstute das Land Thar nicht als ihre Wahlheimat bezeichnete. Die Pferde die dort lebten entsprachen nicht ihrem Naturell oder zumindest dem welches sie ihm preisgab. Deswegen nickte er, nicht wissend, ob er das Gespräch in dieses Thema weiter vertiefen sollte oder nicht. Möglicherweise konnte sie diese Unschlüssigkeit in seinem Blick auch erkennen, doch was sie daraus machte, das oblag ihr. Desmond würde sie nicht zwingen von vergangenen Geschichten zu sprechen, die sie womöglich schmerzten oder wütend machten. Die Wut war in den vergangenen Tagen ihrer aller Begleiter gewesen, wahrscheinlich war es besser wenn man diesen Gemütszustand für einige wenige Augenblicke einmal ruhen ließ. 

"Das klingt ja nach einer interessanten Erfahrung. Und ich hab gedacht ich würde angehimmelt werden...", seufzte der junge Gardist theatralisch und schüttelte in einer ebensolchen Theatralik den Kopf. Natürlich erhoffte sich Desmond immer ein wenig mehr, doch er wusste auch, dass Tuana da anderer Hoffnung war. Und er hatte sie einst selbst gehegt. Eigentlich wollte er ja auch sesshaft werden, eine Familie gründen - all die Dinge die man halt so tat, wenn man erwachsen wurde. Doch noch war seine Zeit nicht gekommen und das war okay. Er hatte Zeit und Desmond bezweifelte, dass er für immer der ruhelose Geist sein würde, der er jetzt war. 
"Das ist wohl immer so. Aber manchmal findet man auch seinen Frieden in dem Bekannten - je nachdem wo man herkommt.", ja, in Valeria war es ihnen nie schlecht ergangen. Und auch wenn Desmond viel von der Welt gesehen hatte, so war er doch froh, wieder Teil der Monarchie zu sein, auch wenn er nicht böse darum war, das sie das Land verließen. Es war für ihn ein Neuanfang und den brauchte er so sehr. Nicht zuletzt wegen der unerwiderten Liebe, die sein Herz noch immer plagte. 
Das Lächeln auf ihren Lippen vertrieb die finsteren Gedanken bezüglich Kýra und der Gardist erwiderte es offen. "Nun gut, Daphne. Dann freu ich mich, dass du zu uns gefunden hast. Und vielleicht können wir dich ja auch von unserer Art überzeugen. Man hört ja allerhand über die Monarchie - zumindest ist mir das auf meinen Reisen bereits aufgefallen.", seiner Stimme wohnte ein resigniertes Seufzen bei. "Erzählen kann ich natürlich viel, aber wir - allem voran unser König - sind nicht so übel wie man sich sagt. Unsere Geschichte wurde nur leider durch eine tiefgreifende Intrige zerstört.", einst war das Land Valeria gut in aller Munde, Gavriíl und sein Einfluss auf den vaterlosen Nero, hatten dieses Bild nur zerstört. Und vielleicht Caeus... Ja, der Großvater des Königs hatte auch seinen Teil dazu beigetragen.
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#7
"Das Eine schließt das Andere nicht aus." Ihr linker Mundwinkel hob sich ein wenig höher, ihrem Lächeln damit einen frechen Einschlag verleihend. "Ich kann die jungen Mädchen schon beinahe flüstern hören: 'Hast du ihn schon gesehen, den westlichen Krieger? Sieht er nicht gut aus? Dieser muskulöse Körperbau.... und diese geradlinigen Ohren'... " Daphnes Augen blickten gespielt verträumt gen Himmel, während sie sprach. Ihr war bewusst, dass sie durch diese Aussage wahrscheinlich das Ego des Hengstes streichelte, auch wenn ihr ein wenig zu verträumter Ausdruck und die für sie unüblich säuselnde Stimme verrieten, dass ihre Worte nicht ganz im Ernst gesprochen waren. Um ehrlich zu sein, wahrscheinlich würden die Damen Mandores den Valerianer tatsächlich äußerst interessant finden. Nicht nur seiner Andersartigkeit wegen, sondern auch, weil er schlicht und einfach attraktiv war. Und das, was sie bisher von seinem Charakter kennen gelernt hatte, tat dem keinen Abbruch. Auch wenn sich sein Selbstbewusstsein vielleicht eine Spur zu sehr in den Vordergrund drängte. Aber darüber würden die Mädchen mit Leichtigkeit hinweg sehen - es würde ihn in ihren Augen wahrscheinlich noch anziehender machen.
Hin und wieder schmerzte der Gedanke an ihre alte Heimat mehr, als sie zugeben wollte. Und sich selbst zugestehen wollte. Daphne schloss kurz die Lider, drängte die Erinnerungen an Mandore wieder ein wenig in den Hintergrund. Doch Desmonds nächste Aussage gestaltete dieses Unterfangen schwieriger.
"Manchmal, ja. Und ich freue mich ehrlich für Jeden, dem das vergönnt ist. Ich für meinen Teil..."
Sie zuckte mit der Schulter, ließ den Rest des Satzes offen stehen und wandte für einen Moment den Blick in Richtung des Vulkans. Irgendwo dort, weit hinter dem Horizont, lag es. Das 'Bekannte'.
"...habe wohl einen Lebensweg eingeschlagen, mit dem andersherum das mir Bekannte keinen Frieden schließen konnte."
Ihr Blick traf wieder auf den seinen und Daphne erkannte, dass er gerne mehr wissen wollte, sich jedoch nicht sicher war, ob er sie danach fragen sollte. Chapeau - so viel Feingefühl hatte sie ihm nicht zugetraut.
"Meine Familie versuchte, mich zu töten." Die Gelassenheit in ihrer Stimme, während sie dies erzählte, war immer wieder aufs Neue faszinierend. "Die Kurzfassung der Geschichte ist, dass es nicht ganz so erfolgreich war - offensichtlich. Ich ließ sie jedoch in dem Glauben und ging."
Sie zuckte mit der Schulter. Es war besser so, für beide Seiten. Für ihre Familie war sie als Tochter ohnehin bereits in jenem Moment gestorben, da sie sich ihrem Willen widersetzt hatte und mit diesem Fakt hatte die Schwarze sich bereits seit Langem abgefunden.
"Mir blieb also nur das Unbekannte. Auch wenn das hin und wieder ebenfalls nicht ganz friedlich ist."
Die letzten Wochen waren in der Tat alles andere als von Frieden gekennzeichnet gewesen und Daphne konnte relativ genau den Moment benennen, in dem die Dinge begonnen hatten, aus dem Ruder zu laufen. Der Angriff des Berglöwen im Gebirge, der sie mit schweren Verletzungen zurückgelassen hatte, markierte recht offensichtlich den Beginn der Abwärtsspirale. Berglöwe - Silas - Vulkan. Eine solche Talfahrt musste ihr erst einmal Jemand nachmachen - und sie dabei auch überleben. Zumindest vorerst.

"Desmond, du musst mich nicht von Valeria oder eurer Monarchie überzeugen."
Sie musterte sein Gesicht und legte den Kopf ein wenig schief. Die Strähnen ihres Schopfes glitten über ihre Stirn und ließen eine feine Narbe sichtbar werden, die sich dort abzeichnete.
"Ja, ich habe Geschichten gehört, die Euch als rücksichtslose Barbaren oder fanatische Irre kennzeichnen. Dagegen sind verkaufte oder totgeschlagene Töchter Ammenmärchen. Aber letztlich hat die Geschichte jedes Landes dunkle Flecken. Manche mehr, manche weniger offensichtlich. Und da ich mir viel darauf einbilde, mir mein Urteil selbst bilden zu können, werde ich das auch tun."
Nun zuckte wieder ein Lächeln über ihre Lippen.
"Aber ich bin trotzdem neugierig, was diese Intrige angeht."
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#8
Der junge Gardist konnte - obwohl die Situation es eigentlich nicht gebot - ein leises Lachen nicht unterdrücken und der heitere Ausdruck auf seinem Gesicht, erreichte seine vom Kampf erschöpften Augen. Die schwarze Marwari war eine äußerst unterhaltsame Gesellschaft und künstlich aufgeplustert präsentierte er sich ihr, als sie die vermeidlichen Fans in ihrer Heimat imitierte. Lange konnte der Aegidius jedoch nicht ernst bleiben und mit einem heiseren Lachen entspannten sich seine Muskeln wieder und das Imponiergehabe fiel in sich zusammen. "Vielleicht werde ich auf irgendeiner Reise Mal in deiner Heimat vorbeischauen... Aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich.", antwortete Desmond und beließ es dann dabei. 

Offensichtlich hatte Daphne seinen Blick verstanden und gab ihm etwas mehr von sich Preis. Ihre Worte betrübten den erfahrenen Soldaten, der selbst unter der liebenden Hand seiner Mutter und den stolzen Blicken seines Vaters aufgewachsen war. Natürlich hatten sie versucht ihn zu formen, doch hatten sie auch seinen Freigeist und seine Einstellung zum Leben akzeptiert, anstatt zu versuchen ihn zu verändern. Sollte das nicht immer und überall so sein? Und waren gerade solche Missstände nicht das, was in ihrer Gesellschaft so viel besser war, als in den anderen Ländern? Desmond liebte die Toleranz die mittlerweile hier gelebt wurde, wenngleich ihre Gesetze auch streng und allumfänglich waren. So durfte ein Adelsstämmiger bisher nur mit Genehmigung des Königs eine Stute aus dem Volk heiraten und die Liebe zweier gleichgeschlechtlichen Pferde war nach wie vor verpönt, doch Desmond erkannte den Wandel - anders als in anderen Ländern. Ob der Wandel gut oder schlecht war, das lag immer im Auge des Betrachters. Gavriíl hätte diese Änderungen wahrscheinlich nicht für gut richtig befunden. 
Er nickte. "Das klingt ja wahnsinnig erbaulich...", raunte er mit einer leichten Wut in seiner sonst eher lockeren Redensart. "Was veranlasst eine Familie dazu, ihr Kind töten zu wollen?", fragte er nach, die Augenbrauen zusammengeschoben und eine Ausdruck absoluten Unverständnisses in den Augen. Würde er irgendwann Vater werden, würde er dieses ihm wichtigstes Leben mit allem beschützen was er hatte, nicht zuletzt auch mit seinem eigenen Leben. Wie konnten andere das anders sehen? Doch das war wohl der ähnliche Schlag Pferd, der Kindern ohnehin Leid antat. Es widerte den Gardisten an. 

Das Valeria und seine Einwohner waren schon seit einigen Jahren in Verruf. Doch Desmond selbst war es erst durch seine Reise durch die umliegenden Länder aufgefallen. Es stimmte den Schimmel traurig und wütend zugleich, einfach weil er wusste, dass so vieles was man sich erzählte, absolut nicht der Wahrheit entsprach. Doch dagegen anzureden brachte nichts, das hatte er lernen müssen. Es war wahrscheinlich ein Wunder, dass er Kýra wieder sicher und wohlbehalten zurück gebracht hatte. 
Der junge Hengst musterte Daphne bei ihren Worten, die kleine Narbe wahrnehmend, die ihre Stirn zierte. Nicht mehr als eine Verwirbelung ihres Fells und doch auch nicht weniger als das. "Dann kommst du natürlich zum allerbesten Zeitpunkt nach Valeria - im Krieg. Wobei.. irgendwie half er dir ja auch.", wieder seufzte der Schimmel und wandte den Blick einen Moment ab. "Es ist schön, einem so offenen Geist zu begegnen. Aber letzten Endes steht es dir natürlich auch immer frei zu gehen, wir werden niemanden festhalten oder dazu zwingen so zu leben, wie wir es tun.", erklärte er und nickte, dabei den Blick wieder in ihre blauen Augen legend. "Und falls es dich beruhigt, nicht alle Mitglieder der Monarchie haben eine solch anziehende Wirkung wie ich - das verklärt dir dann nicht die Sicht.", ein kesses Lächeln zupfte bei den Worten an seinen Mundwinkeln, ehe er kurz über ihre Frage nachdachte. 

Desmond selbst war nicht ganz informiert und er wusste wahrscheinlich das, was jeder wusste. "Also wenn du es bis ins kleinste Detail wissen willst, wirst du wohl mit Nero Valerius sprechen müssen", begann er dann nachdenklich und schürzte die Lippen, einen Moment nicht wissend, wo er beginnen sollte. Doch dann erzählte Desmond einfach.... von Gavriíl, was er über ihn wusste... dass er ein alter Priester war der einen Groll gegen die Valerius Familie hegte, das Verschwinden von Aurelian veranlasste - dabei Hilfe von Desmonds Vater erhielt, da Silas ihn wegen Tuana in der Hand hatte - um so leichten Zugang zu einem jungen Königsanwärter zu erlangen. Das er lange Zeit die einziger Vaterfigur war, die Nero kannte und er somit einen großen Einfluss auf den König und seine Denkweise hatte. Von der Verlobung mit der Tochter der Zirkelanführerin, die noch unter Aurelians Herrschaft stattfand und dem Krieg mit dem Zirkel, ausgelöst durch Gavriíls Lügen. Das geschickte Spiel des hohen Priesters, das ihm stets abgekauft wurde. Das Attentat auf Nero, für das Desmond verantwortlich gemacht und beinahe hingerichtet wurde. Wie Neros Erwachen ihn rettete und mit dem Tod Gavriíls und einem Krieg mit Silas endete. "Und nun stehen wir hier, am Ende einer langen Tragödie und dem Anfang einer neuen Hoffnung."
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#9
Es war gewissermaßen erstaunlich, dass Daphne angesichts ihrer Vergangenheit ein so humorvolles und einnehmendes Wesen besaß. Aber da sie sich letztlich für das Leben entschieden hatte und ihr zugleich äußerst bewusst geworden war, dass sie nur dieses eine besaß, wollte sie es wenigstens so nach ihren Vorstellungen gestalten, wie es ihr unter den unveränderlichen Gegebenheiten möglich war. Sie baute ihre Geschichte um die Düsternis herum auf, die tief in ihrem Inneren schlummerte. Zierte die spitzen Dornen ihrer Ängste mit hübschen Blüten. Es war, wie es war. Sie hatte sich damit abgefunden.
Vielleicht erstaunte sie daher der Anflug von Wut, der in Desmonds Stimme mit schwang, als dieser sein Unverständnis über die Tat ihrer Eltern deutlich machte. Letzteres war ihr bereits öfter begegnet; viele verstanden nicht, was Eltern dazu veranlasste, das Leben ihres Kindes zu beenden, denn in den Augen der meisten Gesellschaften war das Verständnis von Ehre ein Anderes. Unter diesem Gesichtspunkt war Unverständnis eine vollkommen normale Reaktion, wie auch das Mitleid, das ihr häufig entgegenschlug. Und welches Daphne immer mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge zurückließ. Sie wollte nicht bemitleidet werden, es drängte sie in die Rolle der Hilflosen und das wiederum löste einen tiefen Widerwillen in ihr aus, fühlte sie sich dann zurückversetzt in die Zeit, in der es ihr vollkommen an Selbstbestimmtheit gefehlt hatte. Somit war Wut eine Reaktion, mit welcher sie deutlich besser umgehen konnte und welche sie dennoch gewissermaßen überraschte. 
"Das ist eine... schwierige Geschichte." Der Ausdruck auf ihrem Gesicht verriet, dass sie nach Worten suchen musste. "Ich möchte die Tat nicht verteidigen... aber mit Blick auf die Sitten und Bräuche Mandores, habe ich ihnen wohl keine andere Wahl gelassen."
Sie rang das dumpfe Gefühl in ihrer Brust nieder, das als leises Seufzen ihre Kehle empor steigen wollte und fügte stattdessen an,
"Vielleicht erzähle ich dir später mehr darüber. Wenn es dich irgendwann wirklich ins Abendland verschlägt, wäre es gut, du weißt, worauf du dich dort vielleicht einlässt."
Nun zupfte ein Lächeln an ihren Mundwinkeln und es ließ des Blau ihrer Augen ein wenig heller wirken.
"Ich schätze, ich hätte sonst ein schlechtes Gewissen."

Desmonds nächster Erläuterung lauschend, entlastete Daphne einen Hinterlauf und nickte kurz. "Der Krieg hat mich in der Tat aus einer misslichen Lage befreit." Zwar war sie glücklicherweise nicht lange auf der anderen Seite des Gebirges festgehalten worden, doch bereits diese kurze Zeit hatte genügt, sie sehr nahe an die Grenzen dessen zu treiben, was für die Psyche der Schwarzen als ertragbar galt. Es stand zu sehr im Gleichklang mit dem, was Daphne hinter sich gelassen hatte. 
Sie erwiderte den Blick, den der Weiße in ihre Augen richtete, ehe ein kurzes, summendes Lachen seine Bemerkungen quittierte "Sehr erleichternd.", meinte sie und ließ dabei offen, ob sie damit die Sache mit der freien Entscheidungsgewalt über ihren Verbleib oder aber die mit der Anziehungskraft meinte.
Als der Weiße dann zu erzählen begann, lauschte Daphne seinen Worten aufmerksam und ihr Blick verfolgte die Emotionen, die sich während seiner Rede auf seinem Gesicht wiederfanden. Das ein oder andere war ihr in ähnlicher Variante bereits zu Ohren gekommen, das Meiste jedoch nahm nun, da sie es nahezu aus erster Hand erfuhr, ein gänzlich anderes Licht an. Sie zweifelte nicht daran, dass das, was Desmond ihr erzählte, der Wahrheit entsprach. Oder zumindest jener Wahrheit, wie sie für die Bewohner Valerieas Bestand hatte. Denn letztlich gab es von jeder Geschichte mehrere Versionen, die sich zwar unterschieden, von denen aber keine dadurch weniger wahr war.
"Das..." Daphne nickte gedankenverloren, als Desmond geendet hatte, "...ist ein sehr schönes Resümee für eine so dramatische Hintergrundgeschichte." Sie fokussierte ihren Blick wieder auf sein Gesicht und ihre Lippen kräuselten sich zu einem schiefen Lächeln "Überraschend poetisch für einen Gardisten."
Dann löste sich ihr Blick von ihm und glitt hoch zu der düsteren Rauchwolke, die mittlerweile den gesamten von hier aus sichtbaren Himmel vereinnahmt hatte.
"Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dich bewundere, Desmond. Du hast in diesem Krieg dein Leben für ein Volk riskiert, das dich wenige Tage vorher unter dem Einfluss eines falschen Herrschers wahrscheinlich dem Tod überlassen hätte. Das ist entweder sehr edelmütig... oder sehr dumm."
Jetzt traf ihr Blick wieder auf seinen und der Ausdruck in ihren Augen verriet, was sie dachte. Nun löste sich doch das Seufzen aus ihrer Brust, kullerte zwischen ihren leicht geöffneten Lippen hervor.
"Ich hätte wohl genau wie du gehandelt."
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#10
Desmond nickte lediglich als Daphne ihm sagte, dass die Geschichte schwierig sei. Sie alle hatten ihre Päckchen zu tragen und der Gardist war der letzte, der sich anmaßte jemanden zu zwingen seines vor ihm zu offenbaren. Vielleicht - wie sie schon sagte - würde sie es später einmal erzählen, wenn sie bereit dazu war, oder aber das Gefühl hatte, dass der Moment der Richtige sei. Solange würde der Schimmel sich auch gedulden können, wenn es nicht gar passierte, dass er vergaß danach zu fragen. Die nächsten Tage würden für sie alle aufregend werden und er bezweifelte, dass ausreichend Zeit blieb um weiterhin in der Vergangenheit zu schwelgen. Vielmehr würden sie ihren Blick auf die Zukunft richten müssen. 

Zu erzählen was die vergangenen Tage und letzten Endes auch der Verrat Gavriíls für sie alle zu bedeuten hatte, gab diesem Schreckgespenst eine neue Gestalt und es war gar so, als würde der Schatten des hohen Priesters ewig über ihnen hängen, lauernd darauf wartend, sie wieder in ein erneutes Unglück zu stürzen. Doch Desmond war nicht gläubig genug - weder was den Glauben seines Volkes, noch was das Schicksal und seine Fügungen anbelangte, als dass er daran wirklich festgehalten hätte. Gavriíl war tot und mit ihm war die Dunkelheit verschwunden, die in ihrer aller Herzen gelauert hatte. Sie würden nun aufatmen können, wenngleich sich die Lungen des Gardisten nach wie vor schwer und wund anfühlten. "Hey!", stieß es brüskiert hervor, ehe das Wort in einem leisen Lachen endete. "Wir Gardisten sind keine stumpfsinnigen Hengste die nur wissen wie man aufeinander einschlägt.", auch wenn das auf manch einen Soldaten zutraf, so war die Ausbildung der Kämpfer Valerias nicht NUR geprägt von Technik und Ausdauer. Man lernte viel von der Welt und wie sie sich drehte, Geschichte und alte Sagen - ja... manchmal auch ein bisschen Poesie, wenn es um die altehrwürdigen Valerianer ging. Aber das würde Daphne früher oder später selbst noch hinausfinden, geschweige denn sie entschied sich bei ihnen zu bleiben. 

Daphne's Bewunderung ließ den weißen Hengst einen Moment schweigsam zurück. Er hatte sich in keiner Sekunde hinterfragt, noch hatte er sich Gedanken zu diesem Thema gemacht. Desmond war in Valeria aufgewachsen, ein Großteil der hier lebenden Pferde kannte er sein gesamtes Leben, nicht für sie zu kämpfen wäre ihm nie in den Sinn gekommen. "Am Ende bin ich es selber schuld, dass es man mir das vorgeworfen hat und eher auf die Worte des hohen Priesters vertraute. Wäre ich nach dem Tod meiner Eltern und meines Bruders nicht abgehauen und in jener Nacht als der Angriff passierte erst wieder aufgetaucht, hätte man mich vielleicht nicht verdächtig. Vielleicht wäre ich aber auch nicht zur rechten Zeit am richtigen Ort gewesen und unsere Geschichte wäre dadurch gänzlich anders verlaufen.", der junge Gardist seufzte leise und schüttelte dann lächelnd den Kopf. "Letzten Endes bin ich froh, dass alles so gekommen ist, wie es nun einmal gekommen ist. Ist noch immer gut gegangen..", jetzt zeigte sich wieder das schiefe Lächeln auf den Lippen des Aegidius. Ja, manchmal besaß er das Glück der Dummen.
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