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With the wind in my hair
#1
With our crowns and the shimmering beads
With the wind in my hair, we are free.

82 n. Buce.
Einige Tage nach dem Plot 'In Vergessenheit geraten'


Es schien, als sei die Welt in einen Taumel geraten. Nun, ihre persönliche nicht unbedingt, aber die sämtlicher anderer Bewohner Valerias.
Vermisste waren zurückgekehrt. Und andere waren verschwunden. Auch wenn Cara selbst nicht von diesem Unglück betroffen war, sie konnte doch gut nachvollziehen, wie sich das Aegidius-Mädchen und ihr Bruder, der Leibgardist, fühlen mussten. Vielleicht war dies der Grund, aus welchem die Graue sich über die Anweisung Neros hinweg gesetzt und den Weg in das Gebirge eingeschlagen hatte. Diese ganze Situation hatte Erinnerungen in ihr wachgerufen, die sie lieber schlafend gewusst hätte und ihr nun, da sie sich durch ihr Bewusstsein wälzten, keine ruhige Nacht mehr ließen.
Sie hatte es niemandem erzählt - nicht einmal Álvaro, welchem sie mittlerweile ein ehrliches Vertrauen entgegen brachte - aber Tatsache war, dass sie in den letzten Nächten immer wieder aus dem Schlaf aufgeschreckt war, weil entfernte Schreie in ihren Ohren gellten und sich der Geruch von Blut so penetrant in ihren Nüstern festsetzte, dass sie ihn gar noch zu riechen glaubte, wenn sie unter unkontrollierbarem Beben den Kopf in die Höhe gerissen hatte. 

Mit energischen Schritten folgte die Maskierte dem schmalen Pfad, der sich an der Felswand entlang zog und von welchem sie wusste, dass er in einiger Entfernung an der Kreuzung münden würde, an welcher der König und sie vor einigen Tagen nur knapp mit dem Leben davon gekommen waren. 
Wie sie diese Ohnmacht hasste. Diese Unfähigkeit, sich vor den Erinnerungen zu verschließen. Mit einem unwirschen Schnicken ihres Hauptes verfiel Cara in einen ungleichmäßigen Trab. Der Untergrund war uneben und verlangte ihr ihre ganze Konzentration ab, um nicht ins Straucheln zu geraten, aber genau das war es, was sie brauchte.
Ablenkung.
Das Risiko, welches sie damit einging, war ihr dabei zwar bewusst.... aber schlicht egal. Die Soldaten hatten nunmehr angesichts der besseren Wetterlage begonnen, die neuen Pfade im Gebirge zu erkunden und Cara hatte für sich beschlossen, dass sie dieser Aufgabe ebenso gut nachkommen konnte. Nun.... inoffiziell natürlich. Gut, vielleicht hätte sie wenigstens Irgendjemanden darüber aufklären sollen, wohin es sie zog, doch dann hätte man mit großer Wahrscheinlichkeit versucht, ihr diese Idee auszureden oder sie gar davon abzuhalten.
Dieser Gedanke veranlasste die Maskierte dazu, ihr Tempo ein wenig anzuziehen und aus dem flotten Trab wurden vereinzelt Galoppsprünge, welche es ihr auch ermöglichten, die von Schutt bedeckten Stellen zu überwinden, die immer mehr vom Pfad auszumachen schienen.
Inzwischen war das graue Fell ein wenig dunkler geworden, war durchzogen von einem leichten Schweißfilm und ihr Atem begann, stoßweiser zu gehen. Die dauerhafte Schräge, in welcher ihr Körper sich nunmehr befand, da der Weg nicht mehr zu sehen war und die Konzentration, die das sich unter ihren Hufen lösende Geröll notwendig machte, verlangten ihr einiges ab. Dennoch wollte sie ihre Geschwindigkeit nicht zügeln und so strebte Cara weiter, obwohl es ihr zusehends schwerer fiel, das Gleichgewicht zu halten, da ihre Beine begannen, unter der Anstrengung nachzugeben. So wunderte es sie nicht, als sie plötzlich den Halt verlor und unsanft mit der rechten Hinterhand auf der Schräge aufschlug. Als sie dann allerdings feststellen musste, dass es ihr nicht gelang, sich schnell wieder aufzurappeln und stattdessen das Gemisch aus Sand und Kies unter ihr ins Rutschen geriet, stieß Cara doch einen kurzen, zornigen Aufschrei aus.
Ein brennender Schmerz feuerte durch ihre rechte Seite, wo sich die Steine durch Fell und Haut gruben. Cara konnte von Glück reden, dass ihr Abrutsch ein schnelles Ende fand; einige Meter weiter unten verlief sich das Geröll auf einer breiteren Fläche und die Graue stemmte, kaum dass sie Halt finden konnte, ihren Körper in die Höhe. Bebend hoben und senkten sich ihre Flanken, während die blauen Augen sich wütend gen Himmel verdrehten.
"Verdammte Scheiße!"
Don't need a hero to save me
I'm not a girl to set free
It's nothing you did to me
I've always been this way.
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#2
Mittlerweile hatte sich Anchor damit abgefunden, dass das Leben selten einen ruhigen Alltag ermöglichte und eine Katastrophe der nächsten folgte. Begonnen mit Apiasante und ihrem Sprössling, der ihn geradewegs zu einem Findelkind geführt hatte, endend mit einer schrecklichen Nacht, in welcher so zahlreiche verloren geglaubte Seelen aufgetaucht waren.
Anchor konnte nicht anders, als die Augen misstrauisch zusammenzuziehen, wann immer er einen der Fastfremden erblickte. Er hätte sich natürlich niemals öffentlich gegen die Neuankömmlinge ausgesprochen, weder gegen den vermeintlichen Vater der Königskinder, noch gegen die unausstehliche, viel zu impulsive und Nerven aufreibende Tochter Álvaros. Es war zu viel in zu kurzer Zeit passiert. Zu viel Schreckliches auf zu viel frohlockendes. Ihm gefiel der allgemeine Hochmut über die Situation nicht, die Euphorie, die trotz der zahlreichen Schicksalsschläge in der Luft zu liegen schien, aber auch nicht die Rastlosigkeit, angesichts der Tatsache, dass erneut ein Mitglied ihrer Gemeinschaft verschwunden war. Es machte das Volk unvorsichtig. Wohl einer der Gründe, weshalb Anchor nun seine Zeit dafür nutzen musste, einer Stute hinterher zu taumeln, die es für gut befand, sich über den gefährlichsten, dreckigsten und generell viel zu unebenen Weg zu bahnen, den sie in Valeria hätte finden können.

Da Anchor weder von Leichtsinn, noch einem aktiven Todeswunsch getrieben wurde, folgte er der davon rasenden Stute mit gemächlichen Schritten. Schon nach kurzer Zeit klebte der Lehm an seinen Fesseln, Schlamm machte seine Hufe schwerer und der Boden war so uneben, dass er drohte jede Sekunde unter seinem Haupt fortzurutschen. Niemand, der sich seines Lebens erfreute, hätte auf solch einem Weg angefangen zu galoppieren. Außer natürlich die reizende Persönlichkeit, welcher er bei diesen unfassbar erfreulichen Wetterbedingungen folgen durfte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis entweder der grauen Stute, oder ihm etwas geschah und es erfüllte ihn mit einer Spur von Genugtuung, als zumindest nicht er derjenige war, der mit einer Mischung aus Schlamm und Geröll zu Boden ging. Dieser Funke der Freude entschwand binnen Sekunden, denn letztendlich war er derjenige, der sich nun damit auseinandersetzen konnte, wie er die Stute wieder auf die Ebene bekam und ihren kleinen Ausreißer erklären konnte.

Anchor trat ein paar Schritte näher heran und gab Acht darauf, nicht zu nah an die Stelle des Weges zu kommen, an welcher jetzt ein gewaltiges Loch klaffte. Es hätte ihn überraschen sollen, Cara als die Ausreißerin zu identifizieren, aber es war bloß eine milde Form von Genervtheit, die sich in seiner Brust ausbreitete. Wirklich ein Wort hatte Anchor noch nie mit ihr gewechselt. Nach neusten Betrachtungen seines Lebens, waren es nicht Stuten, die sich gerne mit ihm unterhielten, sondern Fohlen, deren quäkenden Stimmen noch immer in seinen Ohren nachhallten. Es war eher Álvaro, der sich des Öfteren mit Cara unterhielt und ihre Anwesenheit - dem Glitzern seiner Augen nach - wohl auch sehr genoss. „Verdammte Scheiße!“ Anchor räusperte sich. Nun, sein Vorgesetzter hatte definitiv einen interessanten Geschmack, was seine Gesprächspartner betraf. „Cara“, gab er mit ruhiger Stimme von sich und wagte es noch einen weiteren Schritt an den Hang heranzutreten. „Haben Sie sich verletzt?“ Sie stand auf vier funktionstüchtigen Beinen und in der Regel hätte Anchor dies als Freifahrtschein genommen, der grauen Stute eine Moralpredigt in so wenigen Wörtern zu halten, wie es ihm möglich war. Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse fragte er jedoch lieber noch einmal nach. Vielleicht hatte die Stute ja auch eine in ihren Augen sinnvolle Erklärung, weshalb sie ihn und sich selbst in solch eine unangenehme Situation gezwungen hatte.
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#3
Es war weniger der Schmerz, der sie aus der Fassung gebracht hatte, sondern vielmehr die Wut über die Tatsache, dass sie überhaupt abgerutscht war und nun einen gewissen Teil des Weges nocheinmal zurücklegen musste. Kaum etwas verärgerte sie mehr, als das Gefühl, bei irgendetwas zu versagen. Was ihr eigenes Können anging, hatten Caras Ansprüche schon immer recht hoch gelegen und waren seit sie in Valeria angekommen und somit einen Weg aus der Lethargie nach dem Tod ihres Bruders gefunden hatte, nicht kleiner geworden. Doch noch ein weiterer Punkt verdeutlichte, dass sie nie in das Bild des weiblichen Geschlechts passen würde, wie es in Valeria vorherrschte; sie hätte am liebsten noch weiter lauthals geflucht. Den Boden verwünscht und die Steine, das Gewitter vor ein paar Tagen und wenn sie schon dabei war, am besten gleich das ganze elende Gebirge.
Es war der Klang ihres eigenen Namens in ihren Ohren, der sie davon abhielt. Langsam hob die Graue den Kopf in die Richtung über ihr, aus welcher die Stimme gekommen war.
"Hm."
Die blauen Augen verengten sich ein wenig und ihr Blick glitt von dem Hengst zu ihrer Flanke und wieder zurück. Sie war deutlich zerschrammt, das schwindende Winterfell war an einigen Stellen verschwunden und offenbarte zwar blutende, aber nur oberflächliche Schürfwunden.
"Nein. Alles Bestens."
erwiderte sie und der Tonfall ihrer Stimme verriet, dass dies tatsächlich ernst gemeint war. Cara hatte Dinge erlebt, die sie nicht mehr über solche Kleinigkeiten jammern ließen.
Den Staub aus dem Fell schüttelnd, nahm sie sich einen Moment, in welchem sie ihr Gegenüber von unten herauf musterte.
Nett.
Sie wusste, er war einer der Soldaten, der an der Seite Álvaros und Ares' stand und meinte sich erinnern zu können, dass auch sein Name mit A begann, aber genau konnte sie sich nicht erinnern.
Dann lösten sich ihre Augen und wanderten über die Felswand, nach einem Weg suchend, der ihr einen elend langen Umweg ersparten. Es dauerte einen ganzen Augenblick, ehe Cara ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Hengst richtete. Anchor. Die Erinnerung an seinen Namen huschte gleichzeitig mit dem Gedanken durch ihren Kopf, dass der Rote noch immer dort oben stand und auf sie hinab blickte. Das war allerdings nicht, was die Graue dazu veranlasst hatte, ihn wieder anzusehen.
Während ihrem Aufstieg war ihr weder eine Seele begegnet, noch hatte ein Geruch in der Luft bezeugt, dass jemand kurz vor ihr diesen Weg passiert hatte. Folglich blieb nur eine Erklärung. Auf den weißen Zügen der Stute bildete sich ein Ausdruck von Verdrossenheit, welchen sie jedoch schnell wegzuwischen wusste. Ihr Kopf geriet in Schräglage.
"Seit wann hast du mich verfolgt?"
Es war nicht die Tatsache, dass sie es nicht geschafft hatte, die Ebene ungesehen zu verlassen, die sie wurmte. Darauf hatte die Graue gar nicht geachtet. Es war die Tatsache, dass sie es nicht bemerkt hatte, dass Irgendjemand ihr gefolgt war.
Das und vielleicht auch der Punkt, dass es überhaupt für nötig gehalten wurde, sie zu verfolgen.
Wie ein Kind.
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#4
Alles Bestens sagte sie. Gut, dann konnte er eigentlich wieder gehen. Abgesehen davon, dass er sich nicht sicher sein konnte, ob die Stute nun - von diesem Ereignis geprägt - ihren Verstand wiederfinden und zum Tal zurückkehren würde. Anchor sah ruhig dabei zu, wie sie versuchte die Steigung wieder nach oben zu gelangen. Er wusste nicht ob einige Kollegen nun Hals über Kopf hinabgestürzt wären, um zu helfen, aber er war sich ziemlich sicher, dass wer den Weg in eine miserable Situation fand, auch selbstständig einen zurückfinden sollte. Er würde gewiss nicht heldenhaft herab springen, nur um so zu tun als könne er helfen. Also blieb er stehen, wartete darauf, bis Cara den Anstieg erfolgreich hinter sich gebracht hatte und war erleichtert, dass kein erneuter Erdrutsch sie in die Tiefe riss. Oder ihn. Bevor er jedoch mit einem vielsagenden Blick umdrehen und den Weg zurück antreten konnte, erhob sie die Stimme. Er verstand ihre Frage nicht. Seit wann er ihr gefolgt war? Seit wann wohl, seit Anfang an. Glaubte sie, er sei zufällig hier oben vorbeigekommen, hatte sich gesonnt und den Frieden darin gefunden, jeden Moment von herabfallenden Steinen erschlagen zu werden?

„Seit Sie heldenhaft beschlossen haben diesen Weg zu bestreiten“, grummelte er und schlug ungeduldig mit dem Schweif. „Hier ist es zu gefährlich“, stellte er klar. Ein unausgesprochenes Ich musste dir folgen, schwang in seinen Worten mit. Hatte er denn eine Wahl gehabt? Soweit er wusste, sollte die Anweisung des Königs eigentlich genug sein, um alle Verbliebenen daran zu hindern sich in das Gebirge zu wagen. Allem Anschein nach gab es immer jemanden, der sich gegen jegliches rationales Denken stellen musste. Anchor atmete tief durch. Es tat nichts zur Sache, weshalb Cara sich dazu entschieden hatte hier hochzusteigen und sich gegen den Willen Neros zu stellen. Jetzt war sie hier und er ebenfalls.

Vielleicht sollte er Nachsicht walten lassen, letztendlich war gerade nahezu jeder Bewohner Valerias ein wenig… eigen. Ob er damit nun Ares, Desmond, den König oder gar sich selbst meinte, konnte er gar nicht so richtig sagen. Vermutlich hatte Cara einfach die Neugierde an diesen Ort getrieben oder aber das Verlangen von einer nicht enden wollenden Katastrophe fortzukommen. Konnte er ihr nicht verübeln, schließlich spielte er auch konstant mit dem Gedanken einfach wieder zu verschwinden und die anderen ihre kleinen Dramasequenzen ausspielen zu lassen. Mittlerweile musste er jedoch zugeben, dass er zu sehr in das alles verstrickt zu sein schien. „Was hattet Ihr hier oben vor, außer Euch den Tod zu holen? Ich hatte geglaubt die Befehle des Königs seien klar gewesen.“
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