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I felt the branches of it looking at me
#1
Syrinx Astoria & Gabriel Noctis
Drei Tage nach Celestials Tod
Später Vormittag

Obgleich der Luft noch keine richtige Frühlingswärme zueigen war, konnte man es nicht als kalt bezeichnen. Die jungen Strahlen der Sonne waren kraftvoll und so warm, dass sie einen angenehmen Schimmer auf ihrer Haut hinterließen. Mit langsamen, gleichmäßigen Schritten folgte Syrinx dem Pfad, welcher Steppe und Wald voneinander trennte und während ihr Körper den Weg selbst nach Jahren der Abwesenheit noch zu kennen schien, waren ihre Gedanken weit entfernt. Wie so häufig in der letzten Zeit. So rational und vernunftmäßig ihr Denken sonst auch war, kam die schöne Rote in ihrer aktuellen Gefühlslage schlicht nicht umhin, sich so irrationalen Gedanken hinzugeben wie den Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Sie vermisste die Einfachheit und Sorglosigkeit der Kindertage. Und schalt sich selbst dafür.
Mit tonlosem Seufzen hob sie den Blick und erkannte, dass sich in nicht großer Entfernung eine schwarze, hünenhafte Gestalt aus dem Schatten der Bäume schälte.
Gabriel.
Als er und der junge Aegidius sie vor drei Tagen im Gebirge aufgegriffen hatten, hatte sie es nicht geschafft, ihm einen Namen zuzuordnen. Mittlerweile hatte er jedoch den Weg zurück in ihr Erinnerungsvermögen gefunden und sie war in der Lage, ihm wenigstens halbwegs eine Rolle im Gefüge der Valerius zuzuordnen.
Mit leichten Bewegungen änderte Syrinx die Richtung ihrer Schritte ein wenig, lenkte sie nunmehr in Richtung des großen Rappen, damit einem plötzlichen Verlangen nach Gesellschaft folgend. Ein sanftes Lächeln spielte auf den Zügen der Stute, als sie zu ihm aufschloss und ihre dunklen Augen streiften die seinen nur kurz, ehe sie den Blick in die Richtung wandte, in welche er zu gehen im Begriff war.
"Verzeiht meine Dreistigkeit, Euch hier aufzuhalten, Gabriel."
richtete sie ihre warme Stimme an den Schwarzen.
"Aber ich hatte noch keine Gelegenheit, Euch meinen Dank auszusprechen."
Obgleich seine Schritte deutlich länger waren als die ihren, fiel es Syrinx nicht schwer, mit ihm Schritt zu halten, ohne dabei ins Eilen zu verfallen. Sie war es gewohnt. Cesare hatte sie ebenfalls um etliche Zentimeter überragt.
"Ohne Desmonds und Eure gewissenhafte Hilfe hätte sich der Weg hinab ins Tal wohl weitaus schwieriger gestaltet."
feeling like I know the words
of a song I haven't wrote.
a song of love, a song of hope.
a song that guides me down this road.
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#2
Der Wald umschloss den schwarzen, massiven Körper gänzlich. Stumm, setzten sich die harten Hufen voreinander, versankten Millimeter im weichen Untergrund. Die Stille umgab ihn, nur das sachte Rauschen der hohen Baumkronen, wie das zarte Gezwitscher der Vögel war zu vernehmen. Das lichte Blätterdach konnte die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne nicht aufhalten; die zarten Knospen begannen erst zu blühen. Die Welt wirkte in diesem Moment so surreal, wenn man bedachte, welches schreckliches Ereignis erst wenige Tage zuvor, dass Land überschattet hatte: Der Tod der Prinzessin Celestial. Der Schleier der Trauer und des Verlustes war weiterhin schwarz, lag schwer auf allem. Tod und Leben waren ewige Freunde, welche sich Hand in Hand durch das Universum bewegten. Man konnte weder den Tod, noch das Leben aufhalten; es waren doch alle Gefangene des Schicksals.
Gemächlich, ohne Hast, bewegte sich Gabriel durch den Wald, auf schmalen Pfaden, während die Artgenossen auf der weiten Steppe versammelt waren. Der Rappe bevorzugte die Einsamkeit, was kein Geheimnis war; suchte Stille und keine Gesellschaft. Abweisend, distanziert und ein wenig unterkühlt – entsprach nicht immer der Wahrheit. Es war nicht schwer, einen Platz im Herzen des schwarzen Hünen zu bekommen. Er war weder herzlos, noch gefühlskalt. Ein Lächeln war selten auf seinen Lippen zu finden, war der Ausdruck in seinem Gesicht eher hart und streng. Was nicht die Bedeutung besaß, das man Gabriel nie lächeln saß. In der Gegenwart von Desmond konnte der Hengst alles fallen lassen, was seine Seele in die Tiefe zog. Er konnte das dicke Seil zerschneiden, und der bleischwere Stein stürzte hinab. Ein Lächeln, ein Grinsen. Der junge Aegidius war geformt aus Abenteuerlust, Leichtsinn und Humor, was an dem Rappen nicht gänzlich vorbeiging und er nicht selten davon angesteckt wurde.
 
Mit einem gewaltigen Schritt übertrat Gabriel den Waldrand, bis die Sonne des Frühlings das schwarze Fell zart erwärmte. Ein Schnauben entglitt den weichen Nüstern, ehe federleichte Schritte seine Ohren erreichten, gefolgt von einer zarten Stimme, welche sein Gedächtnis sacht berührte.  Die dunklen Blicke der Pferde trafen sich nur kurz und flüchtig, aber der Rappe nahm sie nun als Gesellschaft entgegen, aber änderte nicht seine Richtung und das Vorhaben ins Gebirge zu verschwinden.
„Ihr haltet mich nicht auf, wenn Ihr mit mir Schritt halten könnt.“, entgegnete die maskuline, raue Stimme, versuchte freundlich und nicht abweisend zu wirken. Niemals würde der Rappe einen Artgenossen, der an seine Seite getreten war, davon jagen. Ja, er mied Gesellschaft, aber war nicht davon abgeneigt, wenn sich jemand zu ihm gesellte.
„Für eine Selbstverständlichkeit müsst Ihr euch nicht bedanken.“Es war seine Aufgabe, seine Pflicht, wenn er mit Desmond – oder alleine - im Gebirge auf Patrouille war. Er stellte solch eine Entscheidung niemals in Frage, und ein Befehl erst recht nicht. „Dennoch, nehme ich Euren Dank entgegen.“ Das markante Gesicht wandte sich kurz zur Seite, die dunklen Augen blickten sanft hinab, bis sich der maskuline Blick wieder dem Weg zuwandte.
Gabriel schwieg einen Moment, lauschte der Stille, welche mit dem feinen Klang von Hufen untermalt wurde. „Astoria.“, erhob sich seine Stimme aus dem Nichts. „Syrinx Astoria.“, sprach der schwarze Hüne ihren vollen Namen sanft aus. „Ich kenne Euren Bruder Lucius, aber Ihr habt mit meiner Ankunft in Valeria dem Reich euren Rücken zugekehrt.“ Wenn, kannten sich die beiden Pferde nur flüchtig, aber hatten sich nie wirklich kennengelernt. War nun die Zeit gekommen?
„Was führt Euch zurück nach Valeria?“, fragte der Rappe, aber wandte ihr nicht sein Gesicht zu. Sicherlich hatte sie von dem Tod der Prinzessin erfahren, aber war dies der einzige Grund für ihre Rückkehr oder lag viel mehr dahinter verborgen.
What we do in life,
echoes in eternity
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#3
Seine Bemerkung schaffte es tatsächlich, ein amüsiertes Lächeln auf die Züge der Roten zu locken. Gabriel hatte einen so gewissenhaften und pflichttreuen Eindruck auf sie gemacht, dass sie von ihm eine solche schalkhafte  Bemerkung gar nicht erwartet hatte. Doch Syrinx ließ sich gerne eines Besseren belehren. Dennoch ging sie nicht weiter darauf ein, ließ vielmehr ihre Physis als ihre Worte sprechen, denn tatsächlich konnte sie das Maß seiner Schritte mit schreitenden Bewegungen ohne Schwierigkeiten ausgleichen.

Auch auf seine nächste Bemerkung hin, erwiderte Syrinx zunächst nichts. Sie wusste, dass sie ihm nicht zu Dank verpflichtet war, schließlich war seine wie auch Desmonds Tat nicht aus reiner Nächstenliebe heraus zustande gekommen, sondern war Bestandteil ihrer Aufgabe. Dass Syrinx es dennoch tat, begründete sich zum einen in ihrer Erziehung, zum anderen in der Art ihres Wesens. Im Laufe der Zeit hatte sie gelernt, dass man nichts als selbstverständlich ansehen durfte. 
'Astoria.'
Als Gabriels dunkle Stimme den Namen ihrer Familie formte, horchte die hübsche Rote auf und ihre rehbraunen Augen flackerten zu ihm hinüber.
'Syrinx Astoria'.
Sie konnte sich nicht helfen, aber irgendetwas an der Art, wie er ihren Namen aussprach, war... ungewohnt. Vielleicht war es auch schlicht die Tatsache, dass sie selbst ihn in dieser Form seit langer Zeit nicht mehr gehört hatte, war sie doch noch bis vor einigen Wochen als Syrinx Lucera betitelt worden. Erst mit ihrer Ankunft hier hatte sie für sich wieder den Namen ihrer Jugend angenommen.
"Ja, Lucius." wiederholte sie den Namen ihres Bruders, sich dabei vornehmend, bald das Gespräch mit ihm zu suchen. Ihre Beziehung war leider nie sonderlich innig gewesen. 
"Das stimmt." sie nickte, den Blick nach vorn' gerichtet. "Es ist eine alte Tradition der Astoria, die Töchter der Familie in jungen Jahren in das Land Lucera zu schicken, wo sie eine weitreichende Erziehung genießen, die nicht durch die 'Nachsicht der Eltern' verfälscht wird." Der Ton ihrer Stimme verriet, dass sie schmunzelte. Ihre Eltern waren alles andere als nachsichtig gewesen und wahrscheinlich wäre Syrinx hier in Valeria durch eine ähnlich harte Schule gegangen wie in Lucera, doch die Traditionen wurden hoch gehalten im Hause Astoria und alles Zetern und Betteln ihrerseits hatte damals nicht daran rütteln können... sondern wahrscheinlich im Gegenteil den Entschluss ihrer Eltern nur noch gefestigt. Heute konnte sie dies nachvollziehen. War ihren Eltern dankbar für die Möglichkeiten, die sich ihr dadurch eröffnet hatten.
"Nun..." Ihre Brust hob sich unter einem zarten Seufzen. Diese Frage war weitaus schwieriger zu beantworten. Sie spürte, wie der Schmerz durch ihre Brust zuckte.
"Nach dem Tod meines Gatten stellte mein Schwager es mir frei, ob ich in Lucera bleiben oder nach Valeria zurückkehren möchte. Es war das Unglück um Celestial, welches mir diese Entscheidung... abnahm."
Die Augen einen kurzen Moment geschlossen haltend, atmete sie ein, ehe sie ihren Blick über Gabriels Gesicht gleiten ließ. Den Schmerz mit einem zarten Lächeln in den hintersten Winkel ihres Herzens verbannend.
feeling like I know the words
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#4
Monarchie. Adelsfamilien. Traditionen.
Eine fremde Welt, wenn man in einem Land aufgewachsen war und jahrelang gelebt hatte, in dem nur das Gesetz der Stärken galt. Herden, mit einem familiären Halt, welche ein Leben mit Schutz und Sicherheit garantierte. Kein Unterschied zwischen Adel und Volk; nein, sie waren eins und alle aus demselben Schoß entsprungen. So war es eine große Umstellung gewesen, als Gabriel das Land Valeria als Fremder betreten hatte. Die skeptischen Blicke, welche einen Hauch von Neugierde besaßen, würde der Rappe an den ersten Tagen nie vergessen. Seine schweigsame, gar distanzierte Art machte ihn noch geheimnisvoller, was nicht im Ansatz der Wahrheit entsprach. Die Zeit der Einsamkeit, der endlosen Rache hatte ihn schweigsamer werden lassen, aber Gabriel war schon immer von einer ruhigen Natur gewesen.
Nur langsam wurde der schwarze Hüne mit den Gepflogenheiten der Monarchie warm, aber war immer bereit sich einem Land anzupassen, welches ihm ein neues Zuhaue sein konnte. Während die einen Fremden alles taten, um aufgenommen und ein Teil des Reiches zu werden, bevorzugte Gabriel das Alleinsein, um seinen düsteren Gedanken hinterher zu hängen. Doch ein Tag änderte das einsame Leben des Rappen schlagartig, als sich die Wege zwischen dem König und ihm im Gebirge kreuzten. So rettete der schweigsame Hengst dem Herrscher von Valeria das Leben und wurde in den Stand eines Adligen erhoben. Gabriel Noctis, war nun sein Name, der ein Stück seiner Vergangenheit nahm und den Hengst in eine angenehme Zukunft blicken ließ.
 
Im Augenwinkel erkannten die dunklen Augen des Gardisten ein sachtes Schmunzeln auf den Lippen der Stute, welche ein gutes Stück kleiner war, aber ohne Probleme mit dem Hünen mithalten konnte. Durch die Nachsicht der Eltern., wiederholte Gabriel ihre Worte gedanklich, war sich aber sicher, dass die Nachsicht im Hause einer Adelsfamilie nicht sonderlich `weich‘ gewesen wäre, egal in welchem Land. „Es war sicherlich nicht leicht, als junge Stute die Heimat zu verlassen.“, merkte die maskuline Stimme beiläufig an, und wandte den Blick weiterhin geradeaus, dem Gebirge entgegen. Gabriel stellte es sich schwer vor, einfach alles hinter sich zu lassen, war es bei ihm nicht anders gewesen. Er selbst, hatte auch keine andere Wahl gehabt, als ihm seine Familie genommen wurde. Dennoch war es kein Vergleich, vollkommen unterschiedliche Beweggründe, aber es blieb bei einem gleichen Kern: Man musste sich von alten, vertrauten Dingen losreißen und wurde ins kalte Wasser geworfen.
Das feminine Seufzen war nicht zu überhören, und vielleicht hätte Gabriel seine Worte nicht aussprechen dürfen, aber nur Schweigen wollte er nicht; auch, wenn es seine Art war, die anderen sprechen zu lassen. Die dunklen Ohren gespitzt, lauschte der Rappe der sanften Stimme neben sich, zog jedes Wort einzeln in sich auf, konnte den Schmerz förmlich spüren. Mit ihrem letzten Wort wandte sich das markante Gesicht zur Seite, erhaschte das Augenpaar der Stute. „Es tut mir leid, dass Ihr euren Gatten verloren habt.“, kam es mit ernsten Ton über seine Lippen, kannte der Rappe es nur zu gut, wie es sich anfühlte, wenn einem das Liebste genommen wurde.  Ein herber Schlag, welchen man nicht immer kommen sah, aber anfangen musste.
„Ihr wart mit der Prinzessin Celestial sehr gut befreundet?“, stellte er die Frage in den Raum, aber war sich der Antwort von Syrinx bereits sicher. Der Tod hatte die Rote zurück nach Valeria geführt und vielleicht würde es dieses Gespräch niemals geben, wenn die Prinzessin überlebt hätte. Es sollte kein Vorwurf seinerseits werden, oder gar das Unglück gutheißen wollen. Der Tod war ein schwerer Verlust gewesen, nicht nur für die Königsfamilie, sondern für das ganze Land und über die Grenzen hinaus.
What we do in life,
echoes in eternity
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