II. In Vergessenheit geraten
#1
II. IN VERGESSENHEIT GERATEN


Der zehnte Tag nach Celestials Tod ist angebrochen und man sieht eine kleine Gruppe Pferde das Refugium verlassen, auf dem Weg zu den östlichen Grenzen des Landes. Annaeus Licinius, der Heerführer der Valerius, der so stark seiner Trauer um seine geliebte Celestial verfallen war, bekam die Aufgabe von Gavríil, den heiligen Pfad zu beschreiten um zu seiner alten Kraft zurück zu kehren. Der heilige Pfad ist eine Probe, ein Weg zu sich selbst, ein Weg des Verzichts. Er muss das Land, seinen Namen, seine Familie zurück lassen. Annaeus übergab Nero Valerius die Verantwortung für seinen Sohn, Spartacus Licinius,  der fortan unter den strengen Augen des Königs, seinem Onkel, aufwachsen würde. Viele begegnen dieser Veränderung mit Sorge, nicht zuletzt auch Annaeus' Bruder - Ares Licinius. Doch auch er konnte seinen Bruder nicht davon abhalten, diesen Schritt zu gehen. 
Das Volk ist besorgt, wieder ein Heerführer der verschwand. Der erste durch Tod, der zweite durch Trauer. So ist es nun an dem König, die Position des Heerführers zu bekleiden. Das erste Mal seit es das Geschlecht der Valerius gab. Doch solange der schwarze König die Hoffnung in sich trägt, dass Annaeus zurückkehrt, würde er die Position nicht wieder neu vergeben. 
Seit der Trauerfeier und der Auseinandersetzung von dem König und seiner anderen Schwester, Kýra Valerius, wurde der jungen Braunen der Zutritt zum Refugium verwehrt. Nero ertrug die Ignoranz seiner Schwester nicht und sagte sie solle sich ihre Freiheit nehmen die sie ja stets gefordert hatte. Viele Stuten des Adels schneiden die junge Prinzessin, während manche Stuten des Volkes ihr bewundernde Blicke zuwerfen, sich letztlich mit ihr verbunden fühlen, da das Blut der Valerius-Generation zur Hälfte dem Volke entsprang.
- - -

14 Tage stehen nun zwischen der Beerdigung und dem heutigen Tag und vor vier Tagen ist Annaeus Licinius abgereist. Nun entschloss sich auch Centurion Licinius das Land Valeria zu verlassen um nach seiner geliebten Briseis zu suchen. Der König hatte das Gefühl, dass es das letzte Mal sein würde, dass er den großen Schimmel sehen würde. Doch bald schon würde sich Nero Gedanken um die zukünftigen Werdegänge der vier Fohlen machen müssen, die dieses Jahr auf die Welt gekommen waren. Bevor er das konnte, würde noch ein Gespräch mit Apiasante Achilléas auf ihn zu kommen, außerdem das Verfahren von Ezrael Achilléas, dem Leibheiler der Valerius. Das Findelkind Rhuen wurde von Danae und ihrem Fohlen aufgenommen, die sich von nun an um ihn kümmern wird, während Caecilia von Ibiza nun Teil des valerischen Volkes ist.
Und doch kommen noch größere, dunklere Gewitterwolken auf den König und seine Untergebenen zu. Das leise vibrieren der Erde kündigt etwas an, etwas Großes. Hat die nahende Gewitterfront etwas damit zu tun, die vom Gebirge aus zu sehen ist? Und wer ist der Einzelgänger, der von Álvaro und seinen Soldaten verfolgt wird?


Die Sonne scheint noch und die  Temperaturen liegen zwischen 10 - 13°C am Tag. In der Nacht kühlt es jedoch noch stark ab. Die Kirschblüten wehen vereinzelt vom Refugium hinunter ins Tal, wo auch alles anfängt zu blühen. Die Fohlen sind jetzt seit 3 Wochen auf der Welt und noch immer bleibt die Verkündung, wer Kratos Vater ist, aus.
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#2
Der Alltag hatte ihn wieder. Jene dunkle Zeit voll Trauer waren vorbei, er hatte sie weggeschlossen, tief vergraben in sich drin. Es war nicht seine Art, in Dunkelheit zu verfallen, auch wenn sein innerstes darin ertrunken. Die nächtliche Patrouille war relativ ruhig verlaufen. Gerade als es am Firmament heller wurde, wollte der Buckskin zurück, heute würde er einigen Rekruten die Kiesgrube hoch und runter jagen, mussten sie doch besser werden. Seine Hinterhandwendung war zügig, beinahe zu schnell, denn ein unbekannter Geruch stieg ihm in die Nüstern. Fremd und alt.
Der Koloss stockte, öffnete die Nüstern und sog abermals die Luft prüfend ein. Unverkennbar, ein Einzelgänger hatte hier vor einigen Tagen die Grenze Überschritten. Nicht älter als zwei Tage vielleicht. Da er so tief im Wald und so nah an der Grenze war, hatte man es wohl zuvor nicht bemerkt, denn sie waren zu wenig Soldaten, als den Kompletten Wald zu durchkämmen – Tag ein tag aus. Alvaro hatte deshalb Gruppen eingeteilt alle 4 Tage jeweils die Nördliche und die Südliche Grenze bis hin zur Westlichen Spitze zu Patrouillieren. Es war heute nur Zufall, dass er so weit draußen war und die Jungs hätten noch einen Tag gehabt, bzw der Fremde.
Alles in ihm rief zum Alarm auf, nun war sein Körper schneller um ihn herum als zuvor und seine Hufe gruben sich in den Waldboden, sodass dieser im hohen bogen hinter ihm aufstob.
Muskeln die sich zogen und wieder lockerten unter einem hellen glänzenden Fell. Schweiß zog auf seinem Hals, zwischen seinen Beinen und die Nüstern wurden mit jedem Galoppsprung weiter und weiter. Bald schon hatte er den Wald hinter sich gelassen und stob über die Steppe. Er wusste dass sich seine Soldaten beim ersten Licht der Sonne in der Kiesgrube trafen, er wollte dort sein, bevor sie an ihre tägliche Arbeit gingen. Nero würde er informieren, sobald die Soldaten eingeteilt und auf ihren Positionen waren.
Er würde sie brauchen, würde mit ihnen die Fremde Spur aufnehmen und verfolgen. Jene Spur war zwei Tage alt, zu alt als dass sie daraus Rückschlüsse Ziehen konnte, um wen es sich handelten. Es vermochten die Eltern des fremden Fohlens sein, um das sich Danae kümmerte. Oder aber vielleicht auch Pferde wie Xanthos. Ein weiteres verrücktes Stück was Unheil brachte wollte der Soldat nicht im Land wissen, zum Schutz der Fohlen.
Bald schon war er am See vorbei, wie das Schilf im Wind wehte seine schwarze Mähne hinter ihm her. Ein Schweif einer Sternschnuppe gleich, mit einer immer noch hohen Geschwindigkeit.
Kurz vor dem Gebirge rief Alvaro seine Soldaten zu sich. Mit in dieser Stimme klang der Alarm, das etwas passiert sei.
Sie hatten schon einige Übungsstufe hinter sich, zum glück keinerlei vielen Ernsten – so wie jetzt.

Sein Galopp wurde in einen einen starken kniehohen Trab pariert um den Weg zur Kiesgrube zu erklimmen. Oben blieb er pumpend und schweiß glänzend stehen, wartete auf das, was nun kam. In der Hoffnung, Nero hatte seinen Warnruf gehört und würde einen seiner Leibgardisten schicken, blieb ein Ohr auf dem Weg ins Refugium stehen.
Unter bebendem Körper und nach Luft schreienden Lungen versuchte er sein Herz zu beruhigen, was erstaunlicherweise sehr leicht ging.
Dann wartete er, bis seine Soldaten kamen.

“Ich habe eine Spur, südlich im Wald, kurz hinter der Grenze auf unserem Gebiet gefunden. 2 Tage dürfte sie alt sein. Zu alt. Um sicher zu gehen, dass es kein unerwünschter ist, müssen wir der Sache nachgehen. Wir werden zwei Gruppen bilden, die erste wird am Heilige Stätte entlang, von oben an den Grenzen Richtung mitte des Waldes vorrücken, die anderen von unten, vom Gebirgswald aus nach oben gehen. Beide Gruppen werden in der Mitte des Waldes aufeinander treffen und dann halten wir noch einmal Absprache, ehe wir auf die Jagt gehen. Nimmt keine Einzeljagden auf.“ mahnte er, nachdem sich alle eingefunden hatten.
Centurion war vor vier Tagen weg gegangen. Er fehlte. Also viel sein Blick auf den hellen Fuchs.

“Anchor übernimmst du mit Ares die Seite vom Süden aus, ich nehme Koréas und komme von der Heiligen Stätte aus in die Mitte. Los!“ es war nicht wirklich eile Geboten, aber trödeln sollte auch keiner. Alvaro hob den Kopf und blickte auf die jungen angehenden Soldaten. Langsam ging er zu einem von ihnen hin. “Bitte teilt einem der Leibwächter mit, dass verdächtige fremde Spuren an der Grenze aufgenommen wurden und die Soldaten ausgerückt sind um den Nachzugehen. Ihr habt bis heute Nachmittag frei, dann findet ihr euch hier wieder ein und wartet auf mich!“ damit drehte er sich um und trabte zu Koréas um mit ihm zusammen den Weg zur Heiligen Stätte ein zu schlagen.

Anfangspost | Anchor, Ares, Koréas und Alvaro – aufgeteilt | mit Koréas

Richtung Heilige Stätte


Aus schwarzer Nacht, noch in weiter Ferne, ruft die Stimme mich:
Komm find zu dir zurück!
Wenn du dich verlierst, wird dein Mut auch mit dir sinken
Also komm zu dir!?
Sei ein Held, sei stark!


[Bild: pass_into_oblivion___character__alvaro_b...cdmzpd.png]
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#3
Ihm schmeckte das nicht. Das alles. Nicht nur, dass sein Bruder Valeria den Rücken gekehrt hatte um den heiligen Pfad zu beschreiten, nun fand sich auch noch ein Fremder in ihrem Gebiet und machte damit jenen Plan zunichte, den der jüngere Licinius für sich selbst gefasst hatte. Seit Tagen schon ließ ihn dieser Gedanke nicht mehr los und heute, in den frühen Stunden des Morgens, hatte er endlich den Entschluss gefasst, dass er den heutigen Tag nutzen wollte, die Sache festzuzurren. Er war gerade auf dem Weg zu den Aegidius gewesen, als Álvaros Ruf ihn erreicht hatte und die Dringlichkeit, die ihm zugrunde lag, ließ nicht zu, dass Ares ihn missachtete.
Und nun stand er hier, dem Buckskin gegenüber, und vermochte nur schwer seinen Unmut über die gesamte Situation im Zaum zu halten. Glücklicherweise war er Soldat genug, seine persönlichen Belange wenigstens für den Moment hinten an zu stellen und seine Aufmerksamkeit und seinen Elan in diese neue Aufgabe zu investieren.
"Jawohl."
Er wandte seine dunklen Augen auf Anchor. Sie hatten bislang nicht oft Seite an Seite gekämpft, da Ares trotz der Tatsache, dass er (noch) nicht der Leibgarde angehörte, meistens gemeinsam mit Annaeus trainiert und gekämpft hatte, doch die nüchterne Art des Fuchses war ihm gewissermaßen sympatisch und er schätzte den älteren Aegidius.
"Los geht's.", wandte er sich an ihn, nachdem Álvaro und Koréas den Weg in Richtung Heilige Stätte eingeschlagen hatten.

Zunächst bei Álvaro, Koréas und Anchor, dann allein mit Anchor

Kiesgrube, brechen auf in Richtung Gebirge

THE COLORS CONFLICTED
AS THE FLAMES CLIMBED INTO THE CLOUDS.
I WANTED TO FIX THIS BUT COULDN'T STOP FROM TEARING IT DOWN.
AND YOU WERE THERE AT THE TURN, CAUGHT IN THE BURNING GLOW,
AND I WAS THERE AT THE TURN, WAITING TO LET YOU KNOW -
WE CAN NOT WAIT
[Bild: 2q9jpeo.png]
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#4
Vierzehn Tage. Nicht viel, wenn man das Große, Ganze betrachtete. Ein kleiner Sprung in der Zeit, aber kein Marathon. Dennoch, war einiges passiert, seit dem Tod der jungen Prinzessin Celestial. Annaeus war gegangen, um sich selbst zu finden, wie einst Gabriel selber, als er seine kleine Familie auf grausame Weise verlor. Die Trauer hatte ihn zu sehr eingenommen, ihm die Kraft genommen das Leben, egal, wie unfair es an manchen Tage spielte, zu lieben. Damit der kleine Spartacus nicht alleine war, bekam Nero die Aufgabe sich um das kleine Hengstfohlen zu kümmern, ehe Annaeus wieder das Reich betreten würde. Abgesehen von der Reise des Goldenen, hatte sich auch der Soldat Centurion dazu entschloss das Land zu verlassen; man soll Reisende nicht aufhalten. Vielleicht war dies der Lauf der Zeit. Eingehen und Ankommen. Manchmal für immer, manchmal für eine unbestimmte Zeit. Man musste schließlich nie, was das Schicksal für einen geplant hatte. Er musste kurz an die Fremde im Gebirge denken, welche sich als Syrinx Astoria vorgestellt hatte. Die jüngere Schwester von Lucius, und somit Mitglied des Adels. Er hatte sie in diesen Moment nicht erkannt, erst mit der Zeit war die Erinnerung, wie lose Fetzen, zurückgekommen, aber schafften es immer noch nicht sich zu einem Ganzen zu vereinen. Nur wenige Tage nach dem Tag der Beerdigung war er der jungen Stute Echo im Wald begegnet. War sie nicht selbst ein dieser Freigeister, welche die Welt zum Leben brauchten und sich nicht in einen Käfig sperren lassen wollten? Es war ein kurzes Gespräch, ein kleine Austausch von sachten Worten gewesen. Nichts Großes, nichts Wildes. Gabriel war nicht der Gesprächigste – abgesehen in der Gegenwart von Desmond. Keine Ahnung, und der Rappe wollte sich nicht viele Gedanken darüber machen, sondern es einfach so hinnehmen, wie es sich anfühlte. Vielleicht sah er in Desmond nicht nur einen jungen Gardisten, den er unterrichten konnte, sondern eine Art Sohn, welchen er einst gehabt hatte. Schwer, lang der Gedanke in seinen Kopf, wollte ihn nicht verschließen, weil es ihn mit Freude erfüllte, welche man nur selten bei dem großen Hünen finden konnte.

Der massige Kopf schüttelte sich, die schwarzen Locken bewegten sich vom Hals weg, auf die andere Seite. Ein tiefer Atemzug füllte die kräftige Lunge mit kostbarer Luft, ehe sich gleichmäßig die dunklen, weichen Nüstern weiteten und der Odem des Lebens in die Atmosphäre entglitt. Zusammen mit Desmond hatte er sich auf Befehl des Königs vor die Tore des Refugiums positioniert. Ein ganz normaler Tag, ohne große Vorkommnisse. Bis jetzt, schließlich wusste man nicht, was ein angefangener Tag ihnen bringen würde. Ein weiterer Befehl, welchen sie ohne Nachfrage hingenommen hatten, war, dass der jungen Prinzessin Kýra der Zugang zum Refugium auf unbestimmte Zeit verwehrt wurde. Nero würde sicherlich seine Gründe haben, die eigene kleine Schwester aus dem Heim der Valerius zu verbannen. Vielleicht sollte sie ganz froh sein, nicht das gleiche Schicksal wie ihre Mutter, die Altkönig Danae, zuteilen und den Namen der Valerius noch tragen durfte. Am Ende konnte es dem Friesen vollkommen egal sein, was zwischen den Geschwistern vorgefallen war, das Nero so gehandelt hatte. Er führte den Befehl aus, dem er vom König bekommen hatte: Kýra den Zutritt zum Refugium verweigern, wenn diese darum bat. Dennoch glaubte der Rappe nicht, dass sich die junge Braune hier oben blicken lassen würde, wenn ihr Bruder ein Machtwort ausgesprochen hatte.

Desmond

vor dem Refugium

What we do in life,
echoes in eternity
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#5
Zeit war eine seltsame Sache. An manchen Tagen verging sie wie im Flug, an anderen vermochte sie so zähflüssig wie der Baumharz verwunderter Bäume zu sein. Seit Celestial verstorben war, befand sich der König der Valerius in einem Dämmerzustand, einer seltsamen Lethargie, die nach seinem Verstand griff und ihn kalt umfing. Noch immer mied Nero den heiligen Hain, mied den hohen Priester der ihn schon zweimal gebeten hatte zu ihm zu kommen. Doch der schwarze Hengst fühlte sich von Gott betrogen, nahezu verlassen, nicht mehr glauben könnend, geschweige denn wollend. Konnte man es dem König verübeln? Konnte man ihm das nach der Prüfung mit seinem Vater, seiner untreuen Mutter und nun Celestial verübeln? Er erhoffte sich so sehr ein Ende dieser - von Gavriíl beschriebenen - Prüfung. 
Doch es gab Licht in dem Leben des schwarzen Königs. So zart, so unverhofft, dass es sein Herz beinahe zu bestürzen schien. Echo. Sie hatte ihn nicht mehr alleine gelassen, hatte an seiner Seite verweilt wenngleich der Rappe wusste, wie schwer es ihr fallen musste. Sie war zu seinem Halt geworden, zu dem Mittelpunkt in seinem ramponierten Leben. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich ein Lächeln auf den Lippen des Königs zeigte, als er den ruhenden Körper der weißen Schönheit betrachtete. Nur wenige wussten um die Anwesenheit der Stute. Gavriíl hatte die Nachricht mit einem gefassten Nicken hingenommen, sich wahrscheinlich seine eigenen Gedanken dazu machend, während Desmond seinem König ein Schmunzeln zugeworfen hatte, dass wohl eindeutig war, wenngleich der Schimmel jene Vermutung wohl nie laut vor den Ohren des Mächtigsten äußern würde. Doch der Rest wusste es nicht und Nero hatte nicht vor, dass es noch lange Zeit so bleiben würde. Seine Schultern strafften sich, er holte tief Luft und strich mit seinen Nüstern über das weiße Fell von Echo, seiner Königin. Eine Stute, die so viel mehr Ruhe - aber auch Geheimnisse - in das Leben des Königs brachte, dass er nach all den Jahren tatsächlich das Gefühl hatte, ein Zuhause zu besitzen; einen Platz in dem Herzen eines anderen.

"Ich möchte es heute verkünden.", seine Stimme war leise als er mit den Lippen liebkosend über ihren Körper strich, so dringend die Vertrautheit zwischen ihnen beibehalten wollend. Doch ein jäher Ruf, der laut genug war, dass er aus der Kiesgrube bis an die Ohren des Königs getragen wurde, ließ den Kopf des Rappen umherfahren. Álvaro. Schnellen Schrittes entfernte sich der Rappe und trat an Sirius Astoria heran, der im Refugium genächtigt hatte und abseits am Rande der großen steinernden Wand ruhte. "Sirius, geht zu Álvaro und berichtet mir was er hat.", der König wäre im Normalfall selbst herunter gegangen doch sein Blick flackerte kurz zu Spartacus, der ebenfalls etwas abseits lag und noch schlief. Sein Vater hatte sich vor vier Tagen verabschiedet und ein ungutes Gefühl beschlich den Rappen, wenngleich er Annaeus nicht zutraute.... etwas... dummes zu tun. 
Als der kräftige Astoria durch den Eingang galoppierte, schaute der König ihm noch kurz nach, ehe er sich abwandte und zu Echo zurück ging. Der Himmel zog sich über ihnen zusammen und verdunkelte das Refugium. 

Echo & Spartacus

Im Refugium


Schickt Lucius Astoria zu Álvaro in die Kiesgrube
A RAVEN FLIES FROM THE NORTH TO THE SEA
A DRAGON WHISPERS HER NAME IN THE EAST
A COLD IRON THRONE, HOLDS A BOY BARELY GROWN
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#6
Gavriíl wusste was Opfer waren, Dinge die man aufgab die man am meisten liebte. Aber aus der Verzweiflung dieses Verlusts, dieses unsäglichen Schadens, konnte eine neue Entschlossenheit entstehen. Eine unverbrüchliche Hingabe an eine Sache, die größer war als man selbst. Und die moralische Verpflichtung den Weg bis ans Ende zu gehen, bis das endgültige Ziel erreicht ist. Der Schimmelhengst wusste nicht wann er sich sich jener Sache hingegeben hatte, wusste nicht wie viel Zeit in das Land Valeria gezogen war und wann er den Weg an sein Ziel verloren hatte; noch, welches Ziel es gewesen war. Vielleicht war das ein Nachteil des Alters. 
Der große Hengst schüttelte das elegante Haupt und schloss für einen Moment die mandelförmigen Augen, den Schmerz der Welt in sich spürend. Wie ein Echo. Echo. Ein weiterer Stein der ihm in den Weg geworfen wurde, ein weiteres Hindernis welches ihn immer weiter von dem König entfernte. Er verlor die Kontrolle, je näher der König die weiße Schlange an sich heran ließ und doch ließ der Priester es passieren, wusste, dass er dagegen in dem Moment nichts ausrichten konnte. So sorgfältig er Nero auch auf die Rolle des Königs vorbereitet hatte, von Fohlenbeinen an, den Glauben in sein Herz gesäht; gegen eine so lapidare Sache wie Liebe hatte er - vorerst - keine Chance. Das zu erkennen zeugte von Erfahrung, schließlich war Aurelian einen ähnlichen Weg gegangen. Die Judaspriesterin würde bleiben. Sie würde Königin werden und Nero Nachkommen schenken. Da war sich der hohe Priester sicher. "Abwarten.", murmelte der Schimmel, wissend, dass seine Zeit auf Erden irgendwann ein Ende finden würde, wo er doch in diesem Jahr das 30. Lebensjahr erreicht hatte. Doch noch lebte er, noch pumpte das Blut stark durch seine Adern.

Gavriíl lies seine Schultern kreisen, streckte seinen Körper, ehe er sich aus der Starre löste, die seinen Körper gefangen gehalten hatte. Ein leichtes, kaum spürbares Vibrieren drang von dem Boden über seine Hufe in seinen Körper und ließ ein ungutes Gefühl in dem großen Schimmel aufsteigen. Es lag lange zurück, dass der Boden sich ihm so mitgeteilt hatte, ihn auf etwas stoßen wollte. 
Er setzte sich in Bewegung, schritt durch die dunklen Reihen des Heiligen Hains und blieb letztlich an dessen Eingang stehen, den Blick nachdenklich auf den schwarzen Berg gerichtet. 

ANSPIELBAR

Eingang heiliger Hain

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#7
Obgleich die Luft noch kühl und der Morgen noch jung war, spürte sie, wie die Sonne den Weg durch das Blätterdach der Kirschbäume fand. Dort, wo ihre Strahlen auf ihr Fell trafen, vernahm sie eine angenehme Wärme, die in ihrer Intensität jedoch nicht an jene heranreichte, die sein Körper ihr schenkte. Es erstaunte sie selbst, wie sehr sie seine Nähe genoss, kam dabei aber nicht um den Gedanken herum, dass sie dieses Gefühl so sehr in den Vordergrund stellte um nicht daran erinnert zu werden, welches Opfer sie gegeben hatte, um an seiner Seite zu weilen. Nach ihren gegenseitigen Eingeständnissen und ihrer Verlobung war sie gemeinsam mit dem Rappen und dem jungen Desmond in einer nächtlichen Aktion in das Refugium gekommen... und hatte es seither nicht mehr verlassen. Sie hatte es für möglich und wahrscheinlich gehalten, dass es ihr nicht leicht fallen würde, sich von absoluter Selbstbestimmtheit in das Gefüge der Monarchie einzugliedern, doch die ersten Tage waren ihr schwerer gefallen, als Echo selbst es erwartet hatte. Die felsigen Wände des Refugiums waren ihr unendlich hoch erschienen und hatten ihr beizeiten sogar das Gefühl vermittelt, ihr die Luft zum Atmen rauben zu wollen. Selbst der Geruch der Kirschblüten, welcher so süß und verheißungsvoll gewesen war, erschien ihr unerträglich. Doch sie war stoisch geblieben, hatte sich ihre Zweifel nicht anmerken lassen. Das letzte, was sie wollte, war Nero ein schlechtes Gewissen einzureden. Er hatte genug mit den Neuerungen zu kämpfen, die Einzug in sein Leben und mehr noch, das ganze Leben von Valeria, hielten und Echo war stark genug, sich mit ihren Sorgen auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt war es dennoch Nero, welcher in seiner fürsorglichen, liebevollen Art alles so viel leichter machte. Er und Spartacus, der junge Licinius, der bereits bei der Trauerfeier einen direkten Weg in das Herz der Weißen gefunden hatte.
Und so war sie endlich tatsächlich ein wenig mehr zur Ruhe gekommen.
Als seine Stimme ihre Ohren kitzelte, öffnete Echo die Augen einen Spalt und seine Berührung ließ ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen schleichen.
Heute also.
Gerade hob sie den Kopf, wollte etwas erwidern, da durchschnitt ein entfernter Ruf die Stille und Echo spürte, wie Neros Körper sich anspannte, ehe er sich von ihr abwandte. Einen Augenblick lang sah Echo ihm hinterher, dann glitt ihr Blick über das Refugium, an den Kirschbäumen entlang nach oben gen Himmel, wo sich in diesem Moment dunkle Wolken sammelten. Unwillkürlich musste Echo an Gavriil denken. Er war nicht so abergläubisch, dieses drohende Unwetter als ein schlechtes Ohmen für Valeria zu werten, doch dass er die Vermählung des Königs und ihr.... der Judaspriesterin nicht gut hieß, war für die intelligente Weiße kein Geheimnis. Obgleich er sich bislang nicht dahingehend nicht geäußert hatte...
"Valeria steht heute wohl ein geschichtsträchtiger Tag bevor.", begrüßte sie den Schwarzen, als dieser wieder zu ihr zurückgekehrt war. Langsam sammelte Echo ihre schlanken Beine unter sich und stemmte sich in die Höhe.
"Wie geht es dir?"

Nero & Spartacus


Refugium

THE SUN SETS, THE NIGHT SHINES
NO MORE SWEET SHARADE.
THE SKY FALLS IN YOUR EYES, THERE'S NO HASTE TO PLAY
NOW THE MASQUERADE IS OVER
GONNA WATCH YOU COME UNDONE

[Bild: t98r52.png]
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#8
Zwei Wochen waren seit ihrer Begegnung mit Nero vergangen. Ihr Vater und ihre Brüder sind gemeinsam mit Àlvaro eingerückt. Wieso, das wusste die Stute selbst nicht. Trotz dieser Tatsache machte sich Vi'lia keine Sorgen. Die machte sie sich selten wenn es um ihre Familie ging. Sie hatte höchstes Vertrauen in ihre Fähigkeiten und wusste, sie würden schon bald  wieder bei ihr sein. Vater würde sich wiederholt nach ihrem Wohlergehen erkundigen und ihre Brüder würden hinter ihr herjagen während sie versuchten würden sie in die Schulter zu zwicken. So war es schon immer gewesen- kein Grund zur Sorge also.

Die Gescheckte hatte gerade einen Lauf durch die Steppe hinter sich, welcher ihr Herz immer noch aufgeregt schlagen lies, und machte Halt um ihren Durst mit einem kühlen Schluck Wasser aus dem See zu stillen. Ehe sie ihr Haupt dem Nass entgegenstreckte warf sie noch einen prüfenden Blick auf die umliegende Steppenlandschaft. Nichts. Die Lippen berührten die Wasseroberfläche und ließen die Stute erfreut aufseufzten. Dabei waren es nicht die Temperaturen die die Gescheckte so in Wallung versetzten. Diese hielten sich seit längerem in einem angenehmen Rahmen. Vi'lia hob schließlich erneut den Kopf, diesmal allerdings lies sie die blassblauen Augen gen Himmel blicken. Am Horizont, noch hinter den Bergen lauernd, erhoben sich, in einem gemächlichen Tempo, dunkle Wolken. Sie würde wohl bald einen sicheren Unterschlupf suchen müssen. Ihre Gedanken richteten sich unweigerlich wieder an ihren Vater und ihre Brüder. Alles wird gut.

Steppe | ANSPIELBAR

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#9
Ihre Schritte waren von weitaus mehr Energie geprägt als noch vor zwei Wochen, doch zu alter Grazie hatten sie noch immer nicht zurückgefunden. Syrinx war erschöpft, nicht körperlich, aber geistig und entgegen ihrer sonst so leichten Art hatte sie feststellen müssen, dass ihre Hoffnung sich in einem nachtschwarzen Loch befand, aus welchem sie allein sie kaum heraus locken konnte. Die Erinnerungen an Valeria waren so gut - so paradiesisch, aber dieser Ort kam ihnen momentan nicht sonderlich nahe. Vielleicht war es die Infantilität, die diesen Erinnerungen zugrunde lag, welche sie so perfekt erscheinen ließ. Sie hätte es besser wissen müssen, als darauf zu hoffen, dass es noch immer so war wie zu jener Zeit, als sie alle noch Kinder gewesen waren. Sie alle. Syrinx, Celestial, Nero und Annaeus. Oh, wie hatten sie zu träumen gewagt - hatten, jeder für sich, ganz nach oben gegriffen und kein Ziel schien ihnen zu hoch - und was hatten sie erreicht?
Einer von ihnen war tot, zwei verwitwet, einer davon um die Liebe seines Lebens beraubt und der Letzte, von dem man am ehesten geglaubt hatte, dass er all seine Ziele tatsächlich erreichen konnte, hatte daran zu arbeiten, sein Reich nicht die Hoffnung verlieren zu lassen.
Was ist nur geschehen?
Ihr Blick glitt über den sich verdunkelnden Horizont und Syrinx war, als stünde die Antwort dort in den düsteren Wolken.
Sie waren erwachsen geworden.
Sie seufzte und zügelte ihre Schritte ein wenig. Als der heilige Hain in Sicht kam erkannte sie, warum sie ausgerechnet diesen Weg eingeschlagen hatte. Sie und Celestial hatten ihn einst oft gemeinsam beschritten und Syrinx war, als hatte ihre Freundin sie hierher geführt, wissend, was die schöne Astoria in dieser dunklen Zeit benötigte.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Ihr Blick wanderte zum Eingang, glitt über Gavriil, welcher dort stand, den Eindruck erweckend, als hätte die Zeit ihm nichts anhaben können. Ergeben senkte Syrinx den Kopf, während sie näher trat.
"Seid gegrüßt, Vater."

Gavriil

Vor dem heiligen Hain

feeling like I know the words
of a song I haven't wrote.
a song of love, a song of hope.
a song that guides me down this road.
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#10
Schon von weitem war Álvaros Ruf zu vernehmen. Er setzte sie alle in höchste Alarmbereitschaft und auch, wenn Anchor in solchen Situationen keine Probleme damit hatte die Ruhe zu bewahren, spannten sich seine Muskeln erwartungsvoll an. Wer auch immer die Grenze übertreten hatte, wer sich nach so langer Zeit nicht aus freien Stücken blicken ließ, hatte eindeutig kein Interesse daran sich bemerkbar zu machen. Ein klares Anzeichen dafür, dass man den Neuankömmling so schnell wie möglich finden musste, denn die Geheimniskrämer unter ihnen waren meistens diejenigen, die etwas Tragendes zu verbergen versuchten. Nach all der Aufregung, die sich in den vergangenen Monden zugetragen hatte, war es dem Hengst nur recht, wenn wenigstens für die nächste Zeit ein wenig Ruhe einkehrte. Vor allem, wenn er an den Neuzugang in ihren Reihen dachte. Mit einem knappen Nicken nahm Anchor den Befehl Álavaros entgegen und drehte sich um, ohne danach zu schauen, ob Ares es ihm gleichtat. Er kannte den stattlichen Hengst nicht allzu gut, aber als Mitglied in seinen Reihen vertraute er ihm und glaubte an seine Kompetenz auf dem Schlachtfeld. 

Steine knirschten unter Anchors Hufen, als er aus der Kiesgrube trat und sich in Richtung Gebirge wandte. Ob der Eindringling Álvaros Ruf ebenfalls vernommen hatte? Anchor spitzte die Ohren und lief aufmerksam weiter. Die Wahrscheinlichkeit in der Steppe auf jemand Fremden zu treffen lag nahezu bei null und dennoch konnte man nie vorsichtig genug sein. Wer wusste schon, was in den Köpfen mancher vorwitziger Jungspunde vor sich ging, die vielleicht aus reiner Naivität ihren Weg in das Land Valerius gefunden hatten? Doch er erblickte nichts, außer gähnende Leere. Anchor schnaubte, als er an einen anderen, ganz besonderen Jungspund dachte, der erst neulich seinen Weg in ihr Reich gefunden hatte. Kurz fragte er sich, wie es dem Jungen wohl erging, schob diese Gedanken dann jedoch ruckartig beiseite. “Nur ein Narr würde sich als Fremder hier aufhalten.”, gab er trocken von sich und beschleunigte seine Schritte ein wenig, um von der offenen Steppe, die niemanden zu verbergen wusste, fortzukommen. 

Ares

Richtung Gebirge

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