06-11-2024, 05:23 PM
Anchor wusste nicht, woher Spartacus Ablehnung gegenüber Vesta kam, aber womit auch immer er sie begründete, seines Erachtens hatte er vollkommen recht damit. Dennoch folgte er dem Blick des Halbstarken nicht, als dieser in ihre Richtung nickte und sich ohne Scham über sie aussprach.
"Kennst du sie?"
"Nein", antwortete er knapp. Und er wollte sie auch nicht kennen, entschied eine trotzige Stimme in seinem Inneren. Unbeeindruckt sah er dabei zu, wie Nero Vesta auf die Tanzfläche führte. Sie war eine hübsche Dame, so wie alle anwesenden Damen hübsch waren. In ihrer Gänze unscheinbar. Vermutlich wäre es an der Zeit, jenen, die die Töchter der nächsten Generationen ausbildeten, mitzuteilen, dass auch der schönste Schwan in einem Flock von ihnen unterging. Sie war weder besonders, noch einprägsam und für den Bruchteil einer Sekunde stellte sich ihm die Frage, warum Nero überhaupt seine Zeit mit ihr verschwendete. Die dunklen Leiber der beiden drehten sich in einer eleganten Pirouette umeinander und Anchor wandte sich schnaubend ab. Es passte nicht zu ihm, eine junge Seele derart zu verurteilen. Er schob es darauf, dass er für das heutige Ereignis einfach noch nicht bereit gewesen war.
"Dein Ansehen hat gelitten."
Während er den Bewegungen der Paare auf der Tanzfläche folgte, hatte er Spartacus Worte vollkommen ausgeblendet. Jetzt drangen sie wieder zu ihm durch und hätten beinahe seine Mundwinkel belustigt zucken lassen. Sein Ansehen litt immer. Dabei war es vollkommen belanglos, was er tat. Sein Ansehen hatte gelitten, als er nach Jahren wiedergekehrt war, es hatte gelitten, als er sich eines elternlosen Findelkindes angenommen hatte und es hatte gelitten, als er Cara ohne Proteste in seine Truppe aufgenommen hatte. Natürlich hatte sein Ansehen auch gelitten, als er sich offen gegen Gavríil ausgesprochen hatte. Und selbstverständlich war den meisten auch Kyra ein Dorn im Auge gewesen. Entweder, weil es hieß, er sei nicht gut genug für sie, oder sie nicht gut genug für ihn. Irgendetwas war ihnen immer eingefallen. Vermutlich sprachen sie gerade abfällig darüber, dass seine besten Jahre nun vorbei waren, sein Körper ihn im Stich ließ, er den König zu sehr einspannte und zu viel Zeit mit Garrus verbrachte, einem Kind, das nicht sein eigenes war. Und—mit Sicherheit der beliebteste Grund, sich über seine Existenz zu empören—natürlich war es eine Schande, dass er sich gegen seine Pflicht stemmte, die Aegidius Familie weiterzuführen. Seltsamerweise folgte man seinen Befehlen trotz seiner zahlreichen Versäumnisse und solange dies so blieb, war ihm alles andere gleichgültig.
"Du bist nicht länger ein Kind."
Das war mehr als offenkundig. In den letzten Wochen hatte sich das Verhalten Spartacus verändert. Vielleicht war dieser Prozess schleichend vorangegangen und Anchor hatte es in seinem isolierten Zustand nur zu spät bemerkt. Zorn und Starrsinn waren noch immer ein Teil von dem Knaben, aber mittlerweile herrschten diese Charakterzüge unter der Oberfläche, waren nicht mehr so klar greifbar. Er entwickelte sich und Anchor war sich noch nicht sicher, ob er diesbezüglich Stolz oder Verwirrung empfinden sollte. Für einen Moment überlegte er zu blockieren, Spartacus fortzuschicken und das Gespräch zu beenden. Stattdessen entschied er sich dazu, sich ihm anzunehmen.
"Bei wem stehst du hoch im Kurs?"
"Bei deinem Onkel", antwortete er stumpf. Dann blieb er still. An und für sich war's das auch, wenn er länger darüber nachdachte. Hier und da gab es noch einzelne Gestalten, die ihm positiv gesinnt waren und die er früher einmal Freunde genannt hatte, aber sie würden ihm nicht beistehen, wenn er sich einen schwerwiegenden Fehler erlaubte. Das verlangte er auch nicht von ihnen.
Spartacus beobachtete derweil angestrengt Penthesilea, Neptun und Aaron. Nur zu gut erinnerte Anchor sich an den sehnsüchtigen Seitenblick, den die frisch verlobte Achilléas dem ehemaligen Kronprinzen zugeworfen hatte. Aaron warf sich derweil auf eine solch penetrante Art in die Brust, dass es bei jedem anderen lächerlich ausgesehen hätte. Bei den Miles akzeptierte man dieses Verhalten nur, weil man von ihnen schlicht und ergreifend keine Normalität mehr gewohnt war. Anchor neigte den Kopf herab, bis seine Nüstern nahe Spartacus Ohr verweilten. Er musste sich kaum noch herabbeugen, um dies zu tun.
"Seine Familie verachtet mich gewiss. Das beruht auf Gegenseitigkeit." Anchor stellte sich wieder gerade hin und schmunzelte. "Ich nehme an, dass wir auch diese Unsympathie teilen."
Auch wenn sie vermutlich unterschiedliche Gründe hatten. Spartacus wollte offensichtlich jemanden schützen, der ihm wichtig war. Etwas, was Anchor respektieren konnte.
"Vielleicht solltest du deine Freundin zum Tanz auffordern, bevor er es tut."
"Kennst du sie?"
"Nein", antwortete er knapp. Und er wollte sie auch nicht kennen, entschied eine trotzige Stimme in seinem Inneren. Unbeeindruckt sah er dabei zu, wie Nero Vesta auf die Tanzfläche führte. Sie war eine hübsche Dame, so wie alle anwesenden Damen hübsch waren. In ihrer Gänze unscheinbar. Vermutlich wäre es an der Zeit, jenen, die die Töchter der nächsten Generationen ausbildeten, mitzuteilen, dass auch der schönste Schwan in einem Flock von ihnen unterging. Sie war weder besonders, noch einprägsam und für den Bruchteil einer Sekunde stellte sich ihm die Frage, warum Nero überhaupt seine Zeit mit ihr verschwendete. Die dunklen Leiber der beiden drehten sich in einer eleganten Pirouette umeinander und Anchor wandte sich schnaubend ab. Es passte nicht zu ihm, eine junge Seele derart zu verurteilen. Er schob es darauf, dass er für das heutige Ereignis einfach noch nicht bereit gewesen war.
"Dein Ansehen hat gelitten."
Während er den Bewegungen der Paare auf der Tanzfläche folgte, hatte er Spartacus Worte vollkommen ausgeblendet. Jetzt drangen sie wieder zu ihm durch und hätten beinahe seine Mundwinkel belustigt zucken lassen. Sein Ansehen litt immer. Dabei war es vollkommen belanglos, was er tat. Sein Ansehen hatte gelitten, als er nach Jahren wiedergekehrt war, es hatte gelitten, als er sich eines elternlosen Findelkindes angenommen hatte und es hatte gelitten, als er Cara ohne Proteste in seine Truppe aufgenommen hatte. Natürlich hatte sein Ansehen auch gelitten, als er sich offen gegen Gavríil ausgesprochen hatte. Und selbstverständlich war den meisten auch Kyra ein Dorn im Auge gewesen. Entweder, weil es hieß, er sei nicht gut genug für sie, oder sie nicht gut genug für ihn. Irgendetwas war ihnen immer eingefallen. Vermutlich sprachen sie gerade abfällig darüber, dass seine besten Jahre nun vorbei waren, sein Körper ihn im Stich ließ, er den König zu sehr einspannte und zu viel Zeit mit Garrus verbrachte, einem Kind, das nicht sein eigenes war. Und—mit Sicherheit der beliebteste Grund, sich über seine Existenz zu empören—natürlich war es eine Schande, dass er sich gegen seine Pflicht stemmte, die Aegidius Familie weiterzuführen. Seltsamerweise folgte man seinen Befehlen trotz seiner zahlreichen Versäumnisse und solange dies so blieb, war ihm alles andere gleichgültig.
"Du bist nicht länger ein Kind."
Das war mehr als offenkundig. In den letzten Wochen hatte sich das Verhalten Spartacus verändert. Vielleicht war dieser Prozess schleichend vorangegangen und Anchor hatte es in seinem isolierten Zustand nur zu spät bemerkt. Zorn und Starrsinn waren noch immer ein Teil von dem Knaben, aber mittlerweile herrschten diese Charakterzüge unter der Oberfläche, waren nicht mehr so klar greifbar. Er entwickelte sich und Anchor war sich noch nicht sicher, ob er diesbezüglich Stolz oder Verwirrung empfinden sollte. Für einen Moment überlegte er zu blockieren, Spartacus fortzuschicken und das Gespräch zu beenden. Stattdessen entschied er sich dazu, sich ihm anzunehmen.
"Bei wem stehst du hoch im Kurs?"
"Bei deinem Onkel", antwortete er stumpf. Dann blieb er still. An und für sich war's das auch, wenn er länger darüber nachdachte. Hier und da gab es noch einzelne Gestalten, die ihm positiv gesinnt waren und die er früher einmal Freunde genannt hatte, aber sie würden ihm nicht beistehen, wenn er sich einen schwerwiegenden Fehler erlaubte. Das verlangte er auch nicht von ihnen.
Spartacus beobachtete derweil angestrengt Penthesilea, Neptun und Aaron. Nur zu gut erinnerte Anchor sich an den sehnsüchtigen Seitenblick, den die frisch verlobte Achilléas dem ehemaligen Kronprinzen zugeworfen hatte. Aaron warf sich derweil auf eine solch penetrante Art in die Brust, dass es bei jedem anderen lächerlich ausgesehen hätte. Bei den Miles akzeptierte man dieses Verhalten nur, weil man von ihnen schlicht und ergreifend keine Normalität mehr gewohnt war. Anchor neigte den Kopf herab, bis seine Nüstern nahe Spartacus Ohr verweilten. Er musste sich kaum noch herabbeugen, um dies zu tun.
"Seine Familie verachtet mich gewiss. Das beruht auf Gegenseitigkeit." Anchor stellte sich wieder gerade hin und schmunzelte. "Ich nehme an, dass wir auch diese Unsympathie teilen."
Auch wenn sie vermutlich unterschiedliche Gründe hatten. Spartacus wollte offensichtlich jemanden schützen, der ihm wichtig war. Etwas, was Anchor respektieren konnte.
"Vielleicht solltest du deine Freundin zum Tanz auffordern, bevor er es tut."