06-02-2024, 08:53 PM
Seine Verwunderung ob ihrer Bemerkung war interessant. Es schien, als habe der Sturmgraue sich mit dem Ruf, welcher ihm vorauseilte, so sehr abgefunden, dass er selbst es als unwahrscheinlich erachtete, dass jemand hinsichtlich seiner Bekanntschaft etwas wie Wertschätzung empfinden konnte. Vielleicht aber war es auch die Tatsache, dass das gesamte Volk in ihm einen Verräter gesehen und sein Leben beinahe ein Ende gefunden hatte, die ihn so missgünstig sich selbst gegenüber stimmte.
"Natürlich ist es das.", erwiderte sie ruhig, "Ohne Euch hätte das Leben des Königs in jener Nacht ein grausames Ende gefunden."
Sie war sich der Tragweite ihrer Aussage in diesem Moment durchaus bewusst, auch wenn ihre Worte einer schlichten Feststellung glichen und wahrscheinlich war Desmond tatsächlich der Einzige, dem gegenüber sie sich jemals dergestalt äußern würde. Gavríils Verrat. Dieses Thema war für die Familie Astoria gewissermaßen ein rotes Tuch und alles, was damit in Korrelation stand, wurde von Lucius konsequent totgeschwiegen. Wenn er also erfuhr, dass seine Tochter sich auf diese Weise geäußert hatte, würde dies durchaus unangenehme Konsequenzen mit sich tragen. Doch entgegen dem Rest ihrer Familie war es Nyke vergleichsweise leicht gefallen, Gavríil als den Verräter anzuerkennen, der er gewesen war. Kein Geschöpf auf dieser Erde war fehlerfrei. Keines. Und es war töricht, diesem Glauben anheim zu fallen.
Als Desmond den Kopf zu ihr hinüber neigte, spürte sie seine Worte als leisen Luftzug auf ihrer Haut. "Ich werde Euch bei Gelegenheit daran erinnern.", entgegnete sie ihm leise, ehe ein unachtsamer Jüngling ihn dazu zwang, kurz von ihrer Seite zu weichen.
Ihre Schritte führten sie langsam durch die Menge, welche allmählich lichter wurde. Der Blicke, die dabei auf ihnen ruhen mochten, war Nyke sich bewusst. Neugierig. Erwartungsvoll. Neidisch. Sie blendete es aus. Diese Aufmerksamkeit war nichts für sie und auch wenn sie sie durchaus gewohnt war, so empfand sie sie doch als anstrengend. In dem Punkt wäre sie ihrem Vater wohl dankbar, wenn er sich nunmehr dazu entschließen würde, sie einem der Brautwerber zur Frau zu geben. Wenigstens die Blicke der Junggesellen fänden dann ein Ende. Und jene der ebenfalls unverheirateten Adelsdamen, die aus jedem Gespräch, jedem Blick, jeder Geste gleich ein Konkurrenzdenken entwickelten.
Doch Lucius dachte nicht daran, sie zu erlösen - was ihr bei ihrem letzten Gespräch mit Ceres ein mitleidiges Kommentar eingebracht hatte. Nyke hatte abgewinkt. Sie fieberte einer Ehe nicht entgegen wie Ceres oder auch Eris es taten. Sie hatte Geduld. Und wenn die Wahl ihres Vaters eines Tages fallen würde, würde sie diese akzeptieren. So wäre die Antwort auf die Frage, welche der Leibwächter ihr stellte, eine einfache gewesen. Nein. Doch Nyke konnte sich des Schalks nicht erwehren, der von ihr Besitz ergriffen hatte. Vielleicht war es der leichte Duft von Lavendel, der von irgendeinem der umstehenden Gäste ausging und sie gelassen stimmte. Oder aber seine Kessheit steckte an.
"Ich wollte Euch eigentlich nur für einen Augenblick vor den Damen bewahren."
Sie blickte ihn nicht an, konnte aber auch so das Zucken ihrer Mundwinkel nicht unterdrücken. Es war gut, dass sie den Rand der Gesellschaft erreicht hatten, sodass ihre Worte nur schwerlich von Umherstehenden hätten aufgeschnappt werden können. Ein solches Verhalten ziemte sich nicht. Dessen besann sich auch Nyke in dem Moment, in welchem sie stehen blieb.
"Entschuldigt Desmond, das war... frech." Sie zwang das Lachen ihre Kehle hinunter, seufzte, schüttelte den Kopf.
"Ich bin weder verlobt noch jemandem versprochen." Sie kam nicht umhin zu bemerken, dass es viel leichter war, mit Ceres über dieses Thema zu sprechen - selbst wenn ihre Ansichten recht weit auseinander klafften. "Demnach ist es wohl angemessen, sich zumindest der Möglichkeit einer Heirat nicht zu verschließen."
Einen Augenblick lang zögerte sie, ob sie ihm die gleiche Frage stellen sollte. Dass er sie als Schutzschild gegen die anstürmenden Jungesellinnen verwendet hatte, sprach im Grunde eine recht deutliche Sprache.
"Und Ihr? Eben zumindest schien es mir eher so, als wäre Euch daran gelegen, den Damen aktiv aus dem Weg zu gehen."
"Natürlich ist es das.", erwiderte sie ruhig, "Ohne Euch hätte das Leben des Königs in jener Nacht ein grausames Ende gefunden."
Sie war sich der Tragweite ihrer Aussage in diesem Moment durchaus bewusst, auch wenn ihre Worte einer schlichten Feststellung glichen und wahrscheinlich war Desmond tatsächlich der Einzige, dem gegenüber sie sich jemals dergestalt äußern würde. Gavríils Verrat. Dieses Thema war für die Familie Astoria gewissermaßen ein rotes Tuch und alles, was damit in Korrelation stand, wurde von Lucius konsequent totgeschwiegen. Wenn er also erfuhr, dass seine Tochter sich auf diese Weise geäußert hatte, würde dies durchaus unangenehme Konsequenzen mit sich tragen. Doch entgegen dem Rest ihrer Familie war es Nyke vergleichsweise leicht gefallen, Gavríil als den Verräter anzuerkennen, der er gewesen war. Kein Geschöpf auf dieser Erde war fehlerfrei. Keines. Und es war töricht, diesem Glauben anheim zu fallen.
Als Desmond den Kopf zu ihr hinüber neigte, spürte sie seine Worte als leisen Luftzug auf ihrer Haut. "Ich werde Euch bei Gelegenheit daran erinnern.", entgegnete sie ihm leise, ehe ein unachtsamer Jüngling ihn dazu zwang, kurz von ihrer Seite zu weichen.
Ihre Schritte führten sie langsam durch die Menge, welche allmählich lichter wurde. Der Blicke, die dabei auf ihnen ruhen mochten, war Nyke sich bewusst. Neugierig. Erwartungsvoll. Neidisch. Sie blendete es aus. Diese Aufmerksamkeit war nichts für sie und auch wenn sie sie durchaus gewohnt war, so empfand sie sie doch als anstrengend. In dem Punkt wäre sie ihrem Vater wohl dankbar, wenn er sich nunmehr dazu entschließen würde, sie einem der Brautwerber zur Frau zu geben. Wenigstens die Blicke der Junggesellen fänden dann ein Ende. Und jene der ebenfalls unverheirateten Adelsdamen, die aus jedem Gespräch, jedem Blick, jeder Geste gleich ein Konkurrenzdenken entwickelten.
Doch Lucius dachte nicht daran, sie zu erlösen - was ihr bei ihrem letzten Gespräch mit Ceres ein mitleidiges Kommentar eingebracht hatte. Nyke hatte abgewinkt. Sie fieberte einer Ehe nicht entgegen wie Ceres oder auch Eris es taten. Sie hatte Geduld. Und wenn die Wahl ihres Vaters eines Tages fallen würde, würde sie diese akzeptieren. So wäre die Antwort auf die Frage, welche der Leibwächter ihr stellte, eine einfache gewesen. Nein. Doch Nyke konnte sich des Schalks nicht erwehren, der von ihr Besitz ergriffen hatte. Vielleicht war es der leichte Duft von Lavendel, der von irgendeinem der umstehenden Gäste ausging und sie gelassen stimmte. Oder aber seine Kessheit steckte an.
"Ich wollte Euch eigentlich nur für einen Augenblick vor den Damen bewahren."
Sie blickte ihn nicht an, konnte aber auch so das Zucken ihrer Mundwinkel nicht unterdrücken. Es war gut, dass sie den Rand der Gesellschaft erreicht hatten, sodass ihre Worte nur schwerlich von Umherstehenden hätten aufgeschnappt werden können. Ein solches Verhalten ziemte sich nicht. Dessen besann sich auch Nyke in dem Moment, in welchem sie stehen blieb.
"Entschuldigt Desmond, das war... frech." Sie zwang das Lachen ihre Kehle hinunter, seufzte, schüttelte den Kopf.
"Ich bin weder verlobt noch jemandem versprochen." Sie kam nicht umhin zu bemerken, dass es viel leichter war, mit Ceres über dieses Thema zu sprechen - selbst wenn ihre Ansichten recht weit auseinander klafften. "Demnach ist es wohl angemessen, sich zumindest der Möglichkeit einer Heirat nicht zu verschließen."
Einen Augenblick lang zögerte sie, ob sie ihm die gleiche Frage stellen sollte. Dass er sie als Schutzschild gegen die anstürmenden Jungesellinnen verwendet hatte, sprach im Grunde eine recht deutliche Sprache.
"Und Ihr? Eben zumindest schien es mir eher so, als wäre Euch daran gelegen, den Damen aktiv aus dem Weg zu gehen."